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Mit „Head“, Herz und einem langen Atem

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10:59 10.02.2021
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VON ARNE BOECKER HELPSEN

Wer genau hinschaut, was die vergangenen Jahrzehnte die Basketballsparte des TV Bergkrug geprägt hat, kann zu dem Schluss kommen: Auch hier sind Clans im Spiel.

Aber bevor jemand ein Sondereinsatzkommando zum nächsten Heimspiel in die Sporthalle der IGS Helpsen schickt (wann immer die Pandemie das nächste Heimspiel erlaubt): Nach allem, was man so rausbekommen kann, handelt es sich bei den Bergkruger Basketball-Familien – den Winzkers und den Insingers und den Busches – um friedliche, freundliche Clans. Ein bisschen Angst muss man eigentlich nur vor Olesia Rosnowska haben, der Trainerin der ersten Herrenmannschaft. Abseits der Spiele eine junge, freundliche Frau, kann sie ungemütlich werden, wenn die gerade amtierende Generation der Winzkers, Insingers und Busches ihrem Matchplan nicht folgt.

Das Wort „Clan“ ist ursprünglich nicht negativ besetzt. Auf Schottisch-Gälisch heißt es „Abkömmling“, weitverzweigte Familien bezeichnet man als Clans. Sie eint eine gemeinsame, meist leicht diffuse Herkunft. Clan-Mitglieder wohnen nicht unbedingt zusammen, formen aber starke Gemeinschaften. Manche verehren Totems (wie ein Tier, eine Pflanze). In diesem Zusammenhang macht sogar der leicht peinliche Kampfname Sinn, den sich die Bergkruger Basketballer vor einigen Jahren verpasst haben: „Vikings“, also Wikinger. Durchgesetzt hat er sich nie, in Schaumburg und drumherum heißen die Korbjäger wie eh und je „der TVB“.

Drei Clan-Mitglieder, die derzeit im Team von Olesia Rosnowska stehen, heißen Daniel Winzker, Jonas Insinger und Sven Busche. Daniel Winzker spielt auf dem Flügel. Er ist einer derjenigen im Team, die den Gegner mit Würfen aus mehr als sechs Metern Entfernung entnerven können; landen sie im Korb, bringen sie drei (statt der üblichen zwei) Punkte. Jonas Insinger, mit 1,93 Metern der Größte im Team, beackert ebenfalls die Flügel. Er gilt als effektiver, zuverlässiger Punktesammler. Sven Busche ist der Aufbauspieler und Passgeber. Wenn er sich zu Beginn eines Angriffs mit der flachen linken Hand auf den Kopf patscht, wissen alle Mitspieler, welche Laufwege sie einzuschlagen haben. „Head“ heißt dieser Spielzug im TVB-Jargon. Sven Busche, gerade mal 1,76 Meter groß, gibt zudem gern den Irrwisch, der bei Schnellangriffen die Gegner stehenlässt wie Slalomstangen.

Werfen wir einen genaueren Blick auf die Familienbande rund um den Bergkrug-Basketball. Daniel Winzker, Kapitän des Teams, hat mit Spielern wie Oliver Feldmann, Matthias Redeker und Markus Metschke, die inzwischen in den sportlichen Ruhestand gegangen sind, über zwei Jahrzehnte die „Erste“ des TV Bergkrug geprägt. Für einige Jahre zog er zwischendurch zum TSV Neustadt weiter, dort spielte er 2. Regionalliga. Sein Bruder Boris sammelte über viele, viele Jahre viele, viele Punkte für den TVB, gab zudem ein Gastspiel bei Eintracht Hildesheim (2. Bundesliga). Auch Daniel Winzkers Bruder Marco hat in der Jugend und der Herren Basketball beim TVB gespielt.

Weiter zu Jonas Insinger: Sein Vater Walter war in den achtziger Jahren der Kopf des Teams. Als kluger, ruhiger Spieler stahl und schlich er sich eher unter die Körbe, als sich brachial durch die Abwehr zu rempeln. Diese Eigenschaften stecken Sohn Jonas ebenfalls in den Genen. Jonas Insingers Mutter Bettina hat ebenfalls im TVB Basketball gespielt. Tim, der zweite Sohn von Bettina und Walter Insinger, hat es als TVB-Gewächs zumindest an den Rand des großen Basketballs geschafft. In den vergangenen beiden Jahren stand er im Kader von Rasta Vechta, Bundesligist.

Und schließlich: Sven Busche. Klaus-Dieter Busche, vor drei Jahren gestorben, war einer der Gründerväter des Turnvereins Bergkrug, Abteilung Basketball. Seine Söhne Sven und Dennis gehören heute zum Gerüst der „Ersten“, der Dritte, Nico, hat auch lange Basketball auf dem Bergkrug gespielt. Mutter Marlies spielte im Damen-Team, das allerdings schon vor längerer Zeit aufgelöst werden musste, weil es an Spielerinnen mangelte.

Der familiäre Kern der Basketball-Sparte hat dafür gesorgt, dass die Begeisterung für den Sport über Generationen weitergegeben wurde. Mannschaftskapitän Daniel Winzker benennt einen der Vorteile der Vererbung: „Viele von denen, die beim TVB spielen, haben sich immer auch außerhalb der Spiele für den Verein engagiert.“ Als Beispiel ein Blick auf frühere und heutige Jobs, die die Busches gestemmt haben: Klaus-Dieter Busche:

Spieler, Trainer, Abteilungsleiter Marlies Busche:

Spielerin, Leiterin TVB-Geschäftsstelle Sven Busche:

Spieler, Jugendtrainer Dennis Busche:

Spieler, demnächst wohl Abteilungsleiter Nico Busche:

Spieler, Jugendtrainer

Es ist unmöglich, all die Funktionen und Ehrenämter aufzuzählen, die über die Jahre in diesen drei Familien geblieben sind. Damit nicht genug: Eine eigene Geschichte wären auch die Redekers wert, auch sie ein Clan im besten Sinn. Matthias Redeker hat jahrelang in der ersten Mannschaft gespielt, heute hilft er dem Verein als Jugendtrainer und Schiedsrichterwart.

Daniel Winzker nennt die jährlichen Fahrten der Basketballer als Beleg für den Kitt, der den Klub zusammenhält. „Seit einigen Jahren geht es mit Kind und Kegel nach Abbensen in der Wedemark.“ Winzker weist zudem darauf hin, dass es sich bei Heimspielen des TVB selbst in der Halbzeitpause lohnt, auf das Spielfeld zu schauen. Dann tobt sich die übernächste Generation mit dem orangefarbenen Ball aus. Einige schubsen ihn beim Krabbeln über den Boden, andere nähern sich mit ihren Würfen von Jahr zu Jahr mehr dem Korb an, der aus ihrer Sicht fast unter der Hallendecke klebt. In diesem Zusammenhang ein Tipp für Insider: Wenn man richtig deutet, was sich in der Halbzeit abspielt, könnte es sich auch in zehn bis 20 Jahren lohnen, auf dem Bergkrug Basketball anzuschauen. Einige der Spielernamen dürften dem langjährigen Besucher dann bekannt vorkommen.