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Sportbuzzer-Zulieferung „Passt auf den langen Niko Werner auf!“
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung „Passt auf den langen Niko Werner auf!“
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11:54 24.03.2020
Typisch: Der hoch aufgeschossene Niko Werner (links) steigt hoch und köpft den Ball ins Tor des Gegners. Fotos: uk
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Der junge Mann hatte zwar als Innenverteidiger die richtige Größe, wirkte aber im optischen Vergleich mit so athletischen und gestandenen Haudegen wie Andreas Paker, Roland Blaume oder Martin Prange ziemlich ungelenkig, eckig und unsicher. Aber es sollte anders kommen, der Abwehrspieler reifte auf und neben dem Platz zur unverzichtbaren Führungskraft.

Zunächst hatte Niko Werner keine Chance im VfL-Team und findet das heute immer noch völlig in Ordnung: „Es stimmt, ich war damals nicht gut genug.“ Andere hätten sich während des zweijährigen Daseins in der Reserve womöglich in die Schmollecke zurückgezogen, Werner aber blieb dran, wurde über die Jahre hinweg immer ehrgeiziger. Diese Einstellung ist es wohl, die ihn im Schaumburger Sport und beim VfL Bückeburg zu einer denkmalgeschützten Größe heranwachsen ließ. „Es ist unglaublich, was er für eine sensationelle Entwicklung gemacht hat, als Fußballer, besonders aber als Persönlichkeit“, sagte sein langjähriger Trainer Timo Nottebrock mal.

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Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Spätzünder Werner wurde eine dominierende Figur im Spiel des VfL Bückeburg, ragte nicht nur wegen seiner 1,96 Meter Körpergröße heraus. Seine ausgeglichene, analytische und positive Art machte ihn zu einer perfekten Führungskraft. „Ab Mitte 20 bekam ich irgendwie die Kurve – und mit 30 war ich ehrgeiziger als jemals zuvor“, erzählt der Liekweger. „Es ist halt alles eine Einstellungsfrage.“ Die Lebensphase der unbeschwerten Fußballfreude im Kreis wichtiger Freunde wie Jean-Paul Thom und Roland Blaume, mit denen er unter Trainer Ralf Fehrmann vor dem Abschlusstraining am Freitag heimlich immer eine Flasche Sekt köpfte, ist allerdings langsam vorbei. Heute ist er 38 Jahre alt, hat mit seiner Frau Annemieke und den Söhnen Matz und Ben eine tolle Familie beieinander. In wenigen Tagen wird weiterer Nachwuchs erwartet, schon wieder ein Junge.

Aber es sind nicht nur die familiären Aufgaben, die dazu führen, dass die Karriere von Niko Werner zu Ende geht, er vielleicht kein Spiel mehr für den VfL Bückeburg machen wird und der Generationswechsel beim Landesligisten deshalb immer radikaler wird. Der Körper macht häufiger nicht mehr mit, zuletzt war er wegen Beschwerden vier Monate gar nicht mehr im Spielbetrieb.

Mittlerweile hat er eine Diagnose und die Schambeinentzündung mithilfe des Barsinghäuser Arztes und ehemaligen Fußballers Carsten Riemer fast auskuriert. Auch die Physiotherapeuten Christos Christou und Torben Brandt, gleichzeitig aktueller VfL-Trainer, machten Werner so fit, dass er zumindest wieder im Lauftraining ist. Ob Werner nach der Corona-Pause aber noch mal mithelfen kann, ist ungewiss, dass weiß er: „Vielleicht ist es tatsächlich schon vorbei.“

Für den VfL Bückeburg wäre es ein riesiger Verlust. Nach dem Wechsel von Pascal Könemann und Tim Buchwald in die U23 sowie der Verletzung von Tobias Versick blieben mit Alexander Bremer und Bastian Könemann zwei letzte erfahrene Spieler aus alten Zeiten zurück. Auch Jan Steininger, sein langjähriger Partner in der Innenverteidigung, ist nicht mehr dabei, war für ihn ein kongenialer Wegbegleiter.

In der Oberliga Niedersachsen brachte es Niko Werner sogar landesweit zu einer gewissen Berühmtheit. Weil er in vielen Spielen in den letzten Minuten einen wichtigen Kopfball ins Tor des Gegners rammte, hörte man vor Eckbällen oft panisch von der Gäste-Trainerbank: „Passt bloß auf den langen Niko Werner auf!“ Mit so einem Tor brachte der aushelfende Routinier die U23 des VfL im entscheidenden Relegationsspiel der vergangenen Serie gegen den TSV Hagenburg wieder in die Spur – allerdings wich Werner vom Kurs ab, erzielte das wichtige 1:1 bereits in der 51. Spielminute.

All das wird bald vorbei sein, doch die Liebe zur Bewegung und zur Leistung wird ihm immer erhalten bleiben – wenngleich in neuem Gewand. Werner betätigt sich nämlich seit einiger Zeit im Triathlon. Der erfolgreiche Garvin Krug, der für Eintracht Hameln startet und den er zufällig kennenlernte, inspirierte ihn dazu und begleitete seine ersten Schritte in den ungewohnten Dreikampf. Niko Werner machte einen Schnell-Schwimmkurs und traut sich mittlerweile, auf die Uhr zu schauen, wenn er seine Kraul-Einheit abgespult hat. Ausdauernd laufen konnte er schon immer – und das Fahrradfahren trainiert er mit seinem Triathlon-Bike auf der Rolle daheim. Ob ihn die Einzelsportart aber ähnlich ergreift wie der Fußball, das steht noch nicht fest. Werner sieht den tiefgreifenden Umbruch beim VfL Bückeburg und den Schwund vieler erfahrener Spieler mit einer Prise Wehmut und wirkt dabei so, als wäre er noch voll dabei: „Schade eigentlich, die jungen Talente und wir hätten wir eine richtig tolle Truppe werden können.“

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