Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sportbuzzer-Zulieferung Sohl erwartet Prozesswelle
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung Sohl erwartet Prozesswelle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:24 26.03.2020
Anzeige

Erst im Dezember legte der Bückeburger das Amt beim TV Bissendorf-Holte (Oberliga Nordsee) wegen neuer Aufgaben als Führungskraft der Volksbank in Schaumburg nieder. Wir haben mit Sohl über die Auswirkungen des Coronavirus gesprochen.

In Hessen und auch in der Frauen-Bundesliga wurde die Saison beendet. Ist das Modell auch auf den Handball in Niedersachsen anwendbar?

Anzeige

Das Spieljahr einer Saison geht bis zum 30. Juni und man kann eine Saison auch bis dahin zu Ende spielen lassen. Das wäre zwar sehr ungewohnt, weil es sonst nur bis Mitte Mai geht und die meisten Teams dann schon auf Malle zum Saufen sind. Das müsste dann halt mal ausfallen. Die Hessen waren extrem und zu früh in ihrer Entscheidung. Ich glaube nicht, dass sie im Rahmen des §52 der Spielordnung alle Möglichkeiten abgewägt haben.

Was gibt es für Möglichkeiten?

Aufsteiger ja, Absteiger nein – das würde die nächste Saison betreffen. Die Ligen wären deutlich aufgerüstet, das wird spannend für den Spielplan. Und die Liga einfach einzufrieren, was zum Beispiel meinen ehemaligen Verein VfL Hameln als Vorletzten der Oberliga betreffen würde, wird Rechtsstreitigkeiten hervorrufen.

Rechnen Sie in so einem Fall mit vermehrtem Stress vor den Gerichten?

Ich denke schon. Nur ein Beispiel: 3. Liga Herren. Mein ehemaliger Verein Wilhelmshavener HV hat drei Minuspunkte, acht Pluspunkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus Hagen, ist praktisch durch. Es steigen aus den vier Staffeln aber nur drei auf. Wie will man das machen? Nimmt man von den vier Staffelersten den mit den wenigsten Punkten nicht hoch? Schwierig. Auch ein Verein wie der VfL Hameln, der Stand jetzt abgestiegen wäre, würde alles ausloten, was noch an Sportgerichtsbarkeit geht. Das wären sie ihren Sponsoren auch schuldig. Es ist einfach noch zu früh, um Entscheidungen zu treffen.

Die Vereine wünschen sich aber Planungssicherheit.

Das Gute ist ja: Wir reden von einer Sportart, in der alle das gleiche Problem haben. Es wird keiner bevorzugt, es ist für alle gleich gerecht oder ungerecht. Natürlich ist die Situation nicht schön, aber es haben alle Planungsunsicherheit und müssen damit leben, dass man erst am 30. Juni weiß, wo es lang geht.

Wie ist das aus Sicht des Trainers: Kann eine Mannschaft nach langer Spiel- und Trainingspause einfach wieder auf das Parkett geschickt werden?

Jetzt reden wir über den Unterschied zwischen Profi- und Amateursport. Von einem Profi kann man erwarten, dass er sich fit hält. Das muss er. Jeder hat sein Programm und das wird auch funktionieren. Nicht Freitag treffen und Samstag geht’s los, die werden eine oder zwei Wochen brauchen. Aber im Breitensport? Die fangen wieder bei Null an. Verletzungsprophylaxe wird da sicher ein großes Problem. Je tiefer man in den Ligen kommt, desto untrainierter wird es. Aber, und da sind wir wieder bei meinem Thema, es ist für alle gleich.

Eine schwere Entscheidung für die Funktionäre.

Das ist eine Ausnahmesituation, keine Frage. Es wäre wahrscheinlich auch sinnvoll, die Liga abzubrechen. Nur: Danach hast du die Sporgerichtsbarkeiten voll mit Prozessen. Damit rechne ich.

Angenommen, es geht weiter.

Schauen wir uns die Oberliga Niedersachsen an. Glaubt den jemand im Ernst, die Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld ziehen noch durch? Braunschweig ist oben durch, nur unten ist es noch spannend. Vereine wie die Stadtoldendorfer werden sich noch reinhängen, aber es wird zu Verzerrungen kommen. Ein Mittelfeldverein wird doch nicht mehr Vollgas geben, die sind doch nicht irre. Allein wegen der Verletzungen, die sie dann in das nächste Spieljahr schleppen würden.

Sind sie erleichtert, dass das Coronavirus zumindest aus sportlicher Sicht an Ihnen vorbeigeht?

Privat sind wir ja alle betroffen, aber im Sport bin ich froh, dass ich draußen bin und mir alles von der Seite anschauen kann. Aber für den Sportinteressierten ist es ungewohnt. Samstag um 15.30 Uhr mal Sky anschalten, ist ja nicht.

Was passiert, wenn die Krise vorbei ist?

Diese Krise wird die Aufstellung verändern. Einige Vereine werden daran kaputtgehen, gerade was diese halben Amateure betrifft. Der Dachdecker oder der Metzger, der mal da 300 und da 500 Euro gegeben hat, wird ganz andere Sorgen haben. Da wird einiges passieren, was die Wirtschaftlichkeit angeht, und es wird auch keiner helfen. Man kann keinen Oberliga-Handballer in Kurzarbeit schicken. Aber es wird nach der Krise, wann auch immer das sein mag, sicher auch Profiteure geben. Das sind dann Vereine, dessen Sponsoren auch in so einer Situation zahlen. Deshalb ist mit deutlichen Verschiebungen zu rechnen.

Interview: Uwe Kläfker