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Sportbuzzer-Zulieferung Unterschiedlich und doch so passend
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10:39 29.04.2020
Marc Steininger ist für die Rangers auf flinken Füßen unterwegs und nur schwer aufzuhalten. fotos: dak, lennart schmuland (2)
Marc Steininger ist für die Rangers auf flinken Füßen unterwegs und nur schwer aufzuhalten. fotos: dak, lennart schmuland (2)
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Schließlich kann kein Spieler einen Touchdown erzielen, ohne dass seine Mitspieler auf clevere Weise Lücken schaffen.

Bei den Schaumburg Rangers, dem einzigen American-Football-Verein aus dem Landkreis, ragten in der vergangenen Saison zwei Spieler dabei besonders heraus. Lukas Helmich wurde zum Defense-MVP gekürt, quasi dem wertvollsten Defensivspieler der Rangers. Marc Steininger gewann die Wahl zum Offense-MVP. MVP bedeutet: „Most valuable Player“, sprich: wertvollster Spieler. Das Votum fand über eine App in Spielerkreisen und öffentlich auf der Facebook-Seite der Rangers statt. Während der 27-jährige Helmich in seine dritte Saison bei den Rangers gegangen wäre, ist der 26-jährige Steininger ein echtes Urgestein. Der Niedernwöhrener spielte bis zu seinem zwölften Lebensjahr Fußball, verlor dann aber die Lust. „Ich habe damals Zeitung ausgetragen und dabei einen Flyer der Rangers entdeckt“, erinnert sich Steininger, der seit 14 Jahren das grüne Trikot trägt. „Damals waren wir fünf bis zehn Leute beim Training und waren froh, wenn wir mal fünf gegen fünf spielen konnten“, erinnert sich der IT-Systemelektroniker, der mit den Seattle Seahawks sympathisiert und den Fußballern des FC Schalke 04 die Daumen drückt.

Helmich geht erst in seine dritte Saison. Der Zerspanungsmechaniker sah mit 16 Jahren den Sport im Fernsehen und war sofort begeistert. „Das will ich auch spielen“, dachte er sich. Doch rund um seinen damaligen Wohnort Espelkamp herrschte in dem Bereich tote Hose. Erst als Helmich nach Minden zog, stieß er auf die Schaumburger Rangers und reiste zum „Tryout“ nach Bückeburg. Er blieb am Ball und stärkt seitdem die Defensive. Seit dem Super Bowl 2012 drückt er den New England Patriots die Daumen. Ungeachtet, dass mit Tom Brady der Michael Jordan des American Football bei den Patriots spielte, war er vom deutschen Sebastian Vollmer fasziniert, der von 2009 bis 2016 Bradys Teamkollege war.

Das ungleiche Duo ist ein tolles Beispiel dafür, dass es bei dem Sport kein Gardemaß gibt. Helmich misst 1,84 Meter („anfangs dachte ich, ich wäre zu klein“) und bringt etwas mehr als 100 Kilo auf die Waage. Typ Kraftpaket. Steininger dagegen ist elf Zentimeter kleiner und wiegt etwas mehr als 70 Kilo. Ein „Durchschnittsspieler“, wie sich der Niedernwöhrener selbst beschreibt. „Das Tolle ist, dass diese vielen Charaktere und unterschiedlichen Typen so eine coole Mannschaft formen“, sagt Helmich. „Es ist einfach total vielfältig. Jeder kann American Football spielen“, fügt Steininger dazu.

Trotz dieser Vielfalt gibt es das stereotyphe Bild eines Spielers, das eher auf Helmich als auf Steininger zutrifft. Über die vielen Jahre hat sich der Kleinere der beiden jedoch reingebissen. „Ich habe zwar Respekt vor meinen Gegnern, aber keine Angst. Diese Eigenschaft zeichnet mich ein bisschen aus.“ Eine mutige Herangehensweise, die er sich früh angeeignet habe, um seine Nachteile wettzumachen, die aber nicht jeder besitze. „Manche Fußballer, die zu uns kommen, haben zu oft Angst und sind dann nach drei Wochen leider wieder weg.“

Aktuell halten sich die beiden so gut, wie es geht, privat fit. „Eigentlich wären wir schon im Trainingslager gewesen und hätten Testspiele absolviert“, so Helmich. In wenigen Tagen wäre Saisonstart, doch dann sei das Coronavirus in die Quere gekommen. Mit einer eigenen Hantelbank und „ein paar Sprints“ versucht der Mindener, die Zeit so gut es geht zu überbrücken. Vergleichbar mit dem normalen Training im Fitnessstudio oder mit den Teamkollegen sei dies aber nicht. Steininger arbeitet unter anderem mit Agility-Leitern im heimischen Garten und lässt sich von seiner Freundin einige Bälle zuwerfen.

Die Zwangspause ist ärgerlich, denn die Rangers hatten sich wieder eine Menge vorgenommen, nachdem das Team in den beiden Vorsaisons jeweils in den Play-offs gescheitert war. Dass das Team viel mehr drauf hat, darüber sind sich die beiden Teamkollegen einig. Und auch darüber, wer am Ende des Trainings im Abschlussspiel, wenn die Offensive auf die Defensive trifft, die Nase vorne hat, herrscht ein breiter Konsens. „Ganz klar die Defense“, prescht Helmich vor. „Das stimmt“, fügt Steininger hinzu. „Die wissen ja auch genau, wie wir unsere Angriffe spielen. Aber wenn ein Spielzug dann klappt, ist es umso schöner.“ Egal, wie das direkte Duell auch ausgeht, die gegenseitigen Neckereien gehören dazu, sind aber spätestens unter der Dusche wieder vergessen. So wie es bei einem gut eingespielten Team üblich ist.