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Vankann verteidigt Entschluss

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15:03 28.10.2020
Marco Vankann
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LANDKREIS

Diese Zeitung hat beim Kreisvorsitzenden Marco Vankann nachgefragt, weshalb so entschieden wurde. Warum erfolgte die Absage, obwohl doch klar war, dass die Schaumburger Bezirks- und Landesligisten spielen werden? In allen anderen Kreisen des Bezirks Hannover mit zum Teil schlechteren oder ähnlichen Coronazahlen wurde gespielt. Erfolgen diese Entscheidungen – normalerweise – nicht von oben nach unten?

Ob der Bezirk Hannover die in seiner verantwortlichen Ebene eventuell absagen würde oder die Spiele austragen lässt, war zum Zeitpunkt unserer Entscheidung noch gar nicht bekannt. Losgelöst davon können wir für unseren Verantwortungsbereich völlig autark entscheiden. Über die generelle Spielabsage haben wir den Bezirk informiert und die Empfehlung ausgesprochen, alle Spiele von Schaumburger Mannschaften auf Bezirksebene abzusetzen. Es entsteht ein Bild der Zerrissenheit. Schadet das dem Schaumburger Fußball?

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Keineswegs schadet diese Entscheidung dem Schaumburger Fußball. Wer hier nach einer präventiven Entscheidung zu Gunsten der Gesundheit aller beteiligter Personen von Zerrissenheit spricht, hat den Ernst der Situation nicht wirklich verstanden oder realisiert. Sie sprechen von einer Entscheidung des Kreisvorstandes. Einige Mitglieder – Rolf Schmidt, Michael Trapp, Ernst Führing – sind bereits zurückgetreten, andere – Uwe Gassmann, Guntram Frühauf, Edgar Schönbeck, Volker Müller – haben ihren Rücktritt angekündigt. Stimmen diese Herren noch über wichtige Belange des Fußballkreises ab?

Alle acht im Amt befindlichen stimmberechtigten Vorstandsmitglieder wurden in den Vorstandsbeschluss, der mehrheitlich für eine generelle Spielabsage ausgegangen ist, involviert. Ist Herr Müller als Sportgerichts-Vorsitzender überhaupt stimmberechtigt?

Volker Müller ist als Vorsitzender des Kreissportgerichtes mit beratender Stimme an den Vorstandsbeschlüssen beteiligt, hat aber kein Stimmrecht. Wie sind die Abstimmungen erfolgt, und wie sind sie ausgegangen?

Die beiden Vorstandsbeschlüsse, Absetzung 23. bis 25.Oktober sowie 26. bis 29. Oktober, wurden über unser internes DFBnet-Postfach mittels schriftlichen Umlaufverfahrens getroffen. Über den weiteren Umgang mit dem Spielbetrieb werden wir am Donnerstagabend bei unserer turnusgemäß stattfindenden Kreisvorstandssitzung, welche als Präsenzveranstaltung unter Einhaltung sämtlicher Hygiene-Vorschriften durchgeführt wird, getroffen. Seitens der Politik oder des NFV gibt es zum Zeitpunkt dieses Interviews keine Vorgaben, Fußball einzustellen. Zusammenhänge zwischen Fußball und steigenden Infektionszahlen sind nicht belegt. Oder haben Sie andere Informationen?

Natürlich sind keine Zusammenhänge zwischen Fußball und den steigenden Infektionszahlen belegt, aber auch nicht widerlegt. Das Infektionsgeschehen hier in Schaumburg hat uns zum Handeln veranlasst. Wir als Kreisverband haben mit Augenmaß den für mich einzig richtigen Schritt mit der generellen Spielabsage gewählt, um den Schutz der Gesundheit weiterhin an erste Stelle zu setzen. Die Hygiene-Konzepte der Vereine greifen, und bislang hat der Fußballkreis bei Corona-Fällen moderiert und Spiele unkompliziert verlegt. Woher kommt jetzt der Umkehrschwung und ist der nicht nur Aktionismus?

Mit purem Aktionismus hat die Entscheidung nun wirklich gar nichts zu tun, im Gegenteil. Viele offizielle Vereinsverantwortliche haben unsere Entscheidung begrüßt. Auch wenn die Masse der Vereine sich bisher vorbildlich an die geltenden Hygiene-Auflagen gehalten hat, wurden sie mit jeder neuen Verordnung der niedersächsischen Landesregierung vor neue Herausforderungen gestellt. Insbesondere die am 23. Oktober 2020 erlassene Verordnung für Gebiete, in denen der Inzidenzwert bei größer 50 je 100.000 Einwohner liegt, hätte die Vereine mit Blick auf den Umgang mit Zuschauern erneut gefordert.

Der entscheidende Unterschied zu unserer bisherigen Handlungsweise, unkomplizierte Spielverlegung ohne Berechnung von Verwaltungskosten, wenn ein Verein durch ein positiv getestetes Vereinsmitglied betroffen war, ist die Anzahl der an COVID19 erkrankten Personen im Schaumburger Land. Für mich persönlich ist es mehr als unverständlich, dass laut aktuell gültiger niedersächsischer Corona-Verordnung bei einem Inzidenzwert von mehr als 50 je 100.000 Einwohnern für Privatveranstaltungen eine Maximalanzahl von zehn Personen vorgeschrieben ist, der Fußball mit 22 aktiven Spielern, Auswechselspielern, Trainern und Betreuern, drei Schiedsrichter sowie Zuschauern aber noch geduldet wird. Die Corona-Zahlen werden kurzfristig kaum sinken. Hat der Fußballkreis Schaumburg jetzt einen exklusiven Saisonabbruch eingeleitet?

Durch die zu Saisonbeginn vorgenommene Aufteilung und Reduzierung der Staffelgrößen und der damit verbundenen Zweiteilung der Saison in eine Qualifizierungs- und eine darauffolgende Auf-/Abstiegsrunde haben wir größtmögliche Flexibilität für den Spielbetrieb geschaffen. Einen Saisonabbruch haben wir durch unsere Entscheidung definitiv nicht eingeleitet. Die abgesetzten Spiele werden, sofern es das Infektionsgeschehen sowie die jeweils gültigen Verordnungen zulassen, wieder angesetzt. Sollte es beispielsweise erst im April 2021 erst mit dem Spielbetrieb weitergehen können, haben wir als Kreisvorstand die Möglichkeit, den weiteren Verlauf der Saison dahingehend abzuändern, dass möglicherweise die geplante Auf-/Abstiegsrunde gänzlich gestrichen wird.

Interview: Uwe Kläfker