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Sportbuzzer-Zulieferung Verfechter der Selbstdisziplin
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung Verfechter der Selbstdisziplin
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17:20 24.05.2018
Kein altes Eisen: Der 47-jährige Anton Ushakov hofft auf eine Fortsetzung seiner Laufbahn als Bezirksschiedsrichter. Quelle: uk
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Spätestens seit er es schaffte, das vorbelastete Fußballspiel zwischen dem VfR Evesen und dem SV Iraklis Hellas 90 Minuten lang souverän unter Kontrolle zu behalten, hat es der Schiedsrichter aus Hannover in Schaumburg zu einer gewissen Berühmtheit und Anerkennung gebracht. Einem unerfahrenen Unparteiischen wäre das extrem intensive, eindringliche Aufeinandertreffen zweier gehässiger Kontrahenten wahrscheinlich schon während der Spielzeit um die Ohren geflogen.

Der konzentrierte Ushakov aber brachte es sauber über die Bühne, weil er auf keine Schwalbe hereinfiel, weil er seine Entscheidungen konsequent traf, weil er keinen Widerspruch duldete. Spätestens als sich nach Spielende sämtliche Spannungen entluden, wurde die große Leistung Ushakovs deutlich. Anerkennung aus allen Lagern, großes Lob von den Zuschauern und den anwesenden Funktionären. Wahrscheinlich lag es auch an der riesigen Erfahrung des 47-jährigen Angestellten. Ushakov ist nämlich schon lange im Geschäft und kennt nicht nur den Fußball in Deutschland.

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Er stammt aus der Ukraine, in der er Spiele der 2. Liga leitete. Als er 2002 nach Deutschland übersiedelte, machte er auch hier als Schiedsrichter weiter, diente sich rechtschaffen in der Kreisklasse und Kreisliga hoch, stieg bis in die Niedersachsenliga auf. Dass er für das Spiel Evesen gegen Iraklis Hellas angesetzt wurde, war natürlich kein Zufall. Ihm traute man zu, die Streithähne zu kontrollieren. Doch sein Alter wird ihm jetzt zum Problem. Im August wird er 48 und gilt damit im Bezirk nicht mehr zum bevorzugten Personal. „Ich hoffe aber, dass ich weitermachen darf, solange ich kann“, sagt er. Er habe Anfang Mai seine Fitness in einem Test belegt und fühle sich auch ansonsten gut. Doch was ist sein Geheimnis? Wie gelingt es ihm, schon über Jahre hinweg als Schiedsrichter derart zu überzeugen?

Ushakov gibt sich bei der Beantwortung zunächst ganz brav, spricht davon, gut ausgebildet worden zu sein. Schließlich verrät er aber doch noch einen Trick. Er bereite sich mit seinen wechselnden Assistenten auf jedes Spiel gründlich vor. Die Ausgangslage und die Rollen werden durchgesprochen. Er nehme das alles sehr ernst, erzählt Ushakov, denn er möchte während des Spiels so wenig Überraschungen wie möglich erleben.

In Evesen investierte er noch mehr Aufwand in die Vorbereitung des Spiels, appellierte in den Kabinen vor beiden Mannschaften eindringlich an die Fairness und versuchte, den Fußball für die Spieler vernünftig einzuordnen – als schöne Nebensache.

Doch das blieb diesmal ohne Erfolg. Schubsereien, Handgreiflichkeiten und sonstige Ausschreitungen habe er schon häufiger erlebt, aber die in Evesen seien auch für ihn beispiellos gewesen. „Vieles war wohl schon vorher in den Köpfen unauslöschlich zementiert“, vermutet er. Erziehen könne er die Spieler halt auch nicht. „Das sind erwachsene Menschen.“ Angesichts der Leidenschaft, mit der beide Mannschaften in die Zweikämpfe gingen, sei es im Übrigen durchaus mühevoll gewesen, das Spiel zu leiten.

Zu dem, was dann nach Spielschluss abging, kann Ushakov nicht viel beitragen. „Ich habe die Gewalttätigkeiten im Spielbericht natürlich festgehalten“, erzählt er. Aber Übeltäter könne er nicht benennen. Dazu sei die Lage zu unübersichtlich gewesen. Auch Karsten Buchholz, der die Sportgerichtsverhandlung am 30. Mai leiten wird, weiß: „Wir brauchen seine mündliche Aussage nicht zwingend.“ Ushakov kann also weiterhin ganz unbekümmert seiner großen Freizeit-Bestimmung nachgehen – der Schiedsrichterei. „Aber es wird schwieriger“, hat er festgestellt und schaut dabei auch auf die Bundesliga: „Dort wird zu viel debattiert. Für Selbstdisziplin ist sie kein gutes Vorbild.“