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Vollgas mit offenem Ende

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09:43 11.02.2021
Dominik Schöttelndreier (ganz links) ist, was Tischtennis angeht, beim TSV Algesdorf zu Hause. Aktuell trainiert er hart für die „Men’s Physique“ (hier am Latzug vor den Studio-Schließungen) und präsentiert stolz seine bisherigen Ergebnisse. fotos: uk, pr.
Dominik Schöttelndreier (ganz links) ist, was Tischtennis angeht, beim TSV Algesdorf zu Hause. Aktuell trainiert er hart für die „Men’s Physique“ (hier am Latzug vor den Studio-Schließungen) und präsentiert stolz seine bisherigen Ergebnisse. fotos: uk, pr.
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Von daniel kultau LAUENAU

Nun hat er sich ein neues Ziel vorgenommen. Der 24-Jährige möchte am 16. Juli bei der „Men‘s Physique“, einer Bodybuilding-Klasse, antreten. Und dafür macht er sich nun fit. Mit strengem Plan und Unterstützung seines Kumpels Dominic Böhme.

„Ich trainiere fünf Tage in der Woche nach dem Push-Pull-Beine-Plan“, erklärt Schöttelndreier. Eine Mischung aus Übungen für den Oberkörper und die Beine. In seiner Klasse liegt die Priorität auf der Ästhetik des Oberkörpers. Ein Körperfettanteil von rund sechs Prozent soll auf der Bühne sämtliche Muskeln in einem guten Licht erstrahlen lassen. Die „Men‘s Physique“ ist dabei ein relativ junger Wettbewerb und feierte sein Debüt 2011. Während in der goldenen Ära des Bodybuildings in den siebziger Jahren Athleten wie Arnold Schwarzenegger, Lou Ferrigno und Co. auf instinktive Weise und mit nicht immer legalen Präparaten die größten Muskelmassen antrainierten, die der Bodybuilding-Sport je zu bieten hatte, hat die „Men‘s Physique“ einen anderen Ansatz. Der technische Fortschritt, das zunehmende Wissen rund um Trainingssteuerung sowie die sich wandelnde Einstellung zu einem gesunden Lebensstil und einem ästhetischen Körper sind hier das Fundament.

Neben den fünf Trainingstagen spielt die Ernährung eine fast noch größere Rolle. „Auch hier habe ich natürlich einen festen Plan“, erklärt der 24-Jährige. Um die Muskeln wachsen zu lassen, ging es mit teilweise mehr als 4000 Kalorien auf 102 Kilogramm Körpergewicht. „Das war teilweise schon etwas viel Überschuss.“ Die Rechnung ist simpel. Wenn der Körper nach einem Tag voller Alltagsbewegung („Ich gehe jeden Tag mindestens 10000 Schritte“) und Stress während der Arbeit sowie einem Training 4000 Kalorien benötigt, um „auf null zu kommen“, sorgt jede Kalorie mehr für Muskelaufbau. Wenn die Muskeln jedoch nur 200 weitere Kalorien benötigen, wird der weitere Überschuss in Körperfett gespeichert.

Schöttelndreier war schon immer sportlich. An das Tischtennis führten ihn seine beiden älteren Brüder heran. „Ich spiele, seit ich denken kann.“ Für ihn ging es so bis in den Landeskader – und später nach Algesdorf. Die Wege zum Kraftsport waren unterschiedliche. „Ich hatte mit 13 Jahren Gewichtsprobleme“, erinnert er sich. Innerhalb von vier Jahren nahm er 17 Kilo ab, wog nur noch 70 Kilogramm. Dank eines Freundes und des Aufkommens vieler Fitness-Youtuber wuchs die Lust in ihm. „Es gab immer mehr Content. Und da habe ich dann auch Bock drauf bekommen.“ Schon 2019 wollte er an dem Wettbewerb teilnehmen, doch seine Schulter ließ es nicht zu. „Ich darf sie momentan auch nicht zu sehr belasten und mache deswegen eher Volumentraining.“ Also kurz und knapp gesagt: niedrigere Gewichte, dafür mehr Sätze und Wiederholungen. Dadurch muss er auch beim TSV Algesdorf kürzertreten und ist derzeit eher eine Option für die zweite Mannschaft in der Landesliga – wenn es denn mal wieder losgehen sollte. Der Fokus liege aber auf der „Men‘s Physique“.

Momentan läuft bei dem Lauenauer die Diät. Auf 94 Kilogramm ist er schon wieder runter, um die 80 Kilogramm sollen es am Ende werden. Wie es dahin geht und auf was zu achten ist, hat er sich aus Videos, Büchern und Co. selbst beigebracht. „Das theoretische Wissen ist vorhanden. Ich möchte mich immer weiterentwickeln.“ Dass die Fitnessstudios aktuell aufgrund des Coronavirus geschlossen haben, hat ihn – wenn überhaupt – nur kurz geärgert. Bei ihm und seinem Coach Dominic Böhme, die sonst in einem Stadthäger Studio zu Hause sind, stellte sich nur eine Frage: „Was machen wir jetzt?“ Nach kurzer Zeit konnten sie selbst einen adäquaten Ersatz zum Fitnessstudio auf die Beine stellen. Neben einer Hantelbank, einem Squat-Rack, unter anderem für Kniebeugen, sowie diversen Kurz- und Langhanteln prangt ein großer Latzug in einem extra eingerichteten Raum. „Der war auch etwas teurer, aber so können wir 95 Prozent von dem abdecken, was wir sonst im Fitnessstudio machen würden.“

Auch wenn die Voraussetzungen somit sehr gut sind, ist eine Vorbereitung auf einen solchen Wettkampf alles andere als ein Selbstläufer. Arbeit, Regeneration durch den Schlaf („Da achte ich sehr drauf und möchte mindestens acht Stunden schlafen.“) und weitere, auf den ersten Blick scheinbar zweitrangige Kleinigkeiten können diese stören. Momentan nimmt Schöttelndreier täglich 2700 Kalorien zu sich und greift dabei gerne auf die Kochkünste seiner Freundin zurück. „Aber je weniger es wird, desto weniger Energie habe ich für das Training“, gibt er zu bedenken. Und spätestens wenn es unter die 2500 Kalorien geht („Vor zwei Jahren war alles darunter kritisch.“), schaltet sich die Psyche ein. Ein Punkt, an dem nicht wenige ihren Traum vom Wettkampf aufgeben müssen. Ob das auch bei ihm so kommen könnte, kann Schöttelndreier noch nicht abschätzen. Fest steht für ihn nur, dass er weiterhin 110 Prozent geben wird.