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Sportbuzzer-Zulieferung „Zuschauer gehören einfach dazu“
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung „Zuschauer gehören einfach dazu“
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09:29 16.06.2020
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Dabei gilt es für viele, sich möglichst gut auf die Deutschen Meisterschaften im August vorzubereiten.

Zu ihnen gehört auch Merle Homeier aus Bückeburg. Die Weitspringerin startet seit diesem Jahr für die LG Göttingen und ist hinter Ausnahmeathletin Milaika Mihambo die nationale Nummer zwei und Vizemeisterin im Weitsprung. Im Interview mit dieser Zeitung sprach Homeier unter anderem über die Motivation beim Training während der Corona-Krise, die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig und die Rolle von sozialen Medien. Frau Homeier, wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Es war alles schon etwas schwierig. Wir konnten zwar noch ins Trainingslager nach Teneriffa, aber sind dann am 14. März zurückgeflogen. Der Pilot meinte, dass wir Glück hatten, dass wir überhaupt noch zurückfliegen konnten. Die Sportstätten waren geschlossen. Wie haben Sie sich denn in dieser Zeit fit gehalten?

Knapp anderthalb Monate habe ich in Bückeburg sechsmal die Woche auf den Straßen, im Feld oder im Wald trainiert. Das war total schwer, sich immer wieder zu motivieren. Meine Mutter hat mich da sehr unterstützt. Sie war ja selbst Leichtathletin und weiß, wie schwierig es ist, wenn man in so einer Situation allein trainieren muss. Wie war für Sie als Weitspringerin in dieser Zeit überhaupt ein sinnvolles Training möglich?

Das war schon nicht leicht, denn mit Spikes konnte ich ja nicht auf die Straße. Ich war also viel joggen und habe im technischen Bereich gearbeitet. Also zum Beispiel Sprünge auf der Straße. Das war alles nicht so einfach. Sie waren jahrelang beim VfL Bückeburg, nun sind Sie zur LG Göttingen gewechselt. Wie haben Sie sich dort eingelebt?

Wirklich gut. Durch das Coronavirus ist das alles ein bisschen langsamer angelaufen als geplant, aber ich spüre die Unterstützung, zum Beispiel im Social-Media-Bereich. Es ist schön, dass sie einen da pushen. Wie wichtig sind die sozialen Medien inzwischen für Sie?

Sie sind ziemlich wichtig. Man macht dadurch auf sich aufmerksam und kommt so eventuell auch mit möglichen Ausrüstern in den Kontakt. Mir fällt das alles aber noch nicht so leicht. Ich will nicht alles zeigen und frage mich auch ab und zu, ob das die Leute überhaupt interessiert. Mir fällt es auch noch schwer, vor der Kamera zu sprechen, aber das gehört beides auch einfach dazu. Im August sollen die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig stattfinden. Wie ist da der aktuelle Stand?

Der Deutsche Leichtathletikverband hat ein Hygienekonzept erarbeitet und nach Braunschweig geschickt. Für die Meisterschaften hat der DLV das nun auch durchgewunken. Die Wettkämpfe finden am 8. und 9. August statt, aber es dürfen keine Zuschauer ins Stadion. Wie ist es für Sie, ohne Zuschauer antreten zu müssen?

Das wird superschwierig. Die Zuschauer gehören einfach dazu. Sie sorgen bei den Läufern noch mal für einen Extraschub auf den letzten Metern und peitschen uns auch nach vorne. Man springt ja auch für sie. Wie fit fühlen Sie sich aufgrund der vergangenen Wochen im Hinblick auf die Deutschen Meisterschaften?

Ich fühle mich gut vorbereitet und finde nicht, dass mich die Corona-Pause schwächer gemacht hat. Mein Trainer hat auch schon gesagt, dass ich gut vorbereitet bin, weil ich viel in der Athletik trainiert habe. Und inzwischen können wir uns ja auch wieder relativ normal vorbereiten. Wie lauten Ihre Ziele für den Rest des Jahres?

Eigentlich hatte ich mir nicht viele Ziele gesetzt und habe 2020 eher als Übergangsjahr gesehen, weil mein Fokus auf den U23-Europameisterschaften im nächsten Jahr liegt. Aber ich möchte neben den Deutschen Meisterschaften gerne so viele Wettkämpfe mitnehmen, wie noch möglich. Weitenmäßig würde ich gerne die 6,50 Meter knacken. Die bin ich zwar letztes Jahr schon mal gesprungen, aber damals hatte ich auch Unterstützung vom Wind.

Interview: Daniel Kultau