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Fußball-EM Zieler bekommt Konkurrenz von ter Stegen
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21:49 07.05.2012
Von Stefan Knopf
Foto: Hannover-Torwart Ron-Robert Zieler (hier bei seinem bisher einzigen Länderspiel) muss um seine EM-Teilnahme zittern.
Hannover-Torwart Ron-Robert Zieler (hier bei seinem bisher einzigen Länderspiel) muss um seine EM-Teilnahme zittern. Quelle: dpa
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Rastatt

Hatte das irgendjemand vermisst in den vergangenen zwei Jahren? Im Torwartland Deutschland war es zuletzt ja eher ruhig geworden bei der Frage nach den besten Torhütern der Nation. Doch jetzt, vier Wochen vor Beginn der Europameisterschaft, darf in den Kantinen und Kneipen des Landes wieder munter gestritten werden: Wer soll mitfahren zum Fußballturnier in Polen und der Ukraine? Mit der überraschenden Entscheidung, für das vorläufige Aufgebot auch Marc-André ter Stegen und damit einen vierten Torhüter zu nominieren, hat Bundestrainer Joachim Löw der Nation erstmals seit der Weltmeisterschaft 2010 wieder eine Torwartdiskussion beschert.

Dass die Debatte in Hannover aus einem besonderen Blickwinkel geführt wird, liegt auf der Hand: Schließlich fiebern in der Region viele mit 96-Torwart Ron-Robert Zieler, in den vergangenen Länderspielen stets die Nummer 3 hinter Bayern Münchens Manuel Neuer und Werder Bremens Tim Wiese. Zieler reagierte am Montag gelassen auf die Tatsache, dass das bisherige Trio für die anstehenden Trainingslager auf Sardinien und in Südfrankreich ergänzt wurde um den Mönchengladbacher ter Stegen. „Angst vor dem Konkurrenzkampf habe ich nicht“, sagte Zieler. „Wir spielen und sprechen auf hohem Niveau, wir sind alle gute Torhüter. Aber: Ich bin sehr selbstbewusst, habe im Laufe der Saison gute Leistungen gezeigt. Und ich habe mich international bewiesen.“

Offiziell begründeten Löw und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke die Entscheidung für einen vierten Torwart damit, dass Neuer wie die anderen Bayern-Profis erst nach dem Champions-League-Finale zur Nationalelf stößt. Die Münchener werden am 25. Mai im Lager der deutschen Mannschaft erwartet und verpassen damit fast die komplette Vorbereitung aufs Turnier. Ein Argument übrigens, das vor zwei Jahren nicht galt, als die Bayern ebenfalls im Endspiel der „Königsklasse“ standen und Hans-Jörg Butt mit Verspätung ins Trainingslager kam.

Neuer bleibt die unangefochtene Nummer 1. Dahinter aber, machte Köpke deutlich, gebe es keine feste Reihenfolge. „Der Konkurrenzkampf ist da. Jeder hat die Chance, auf den Zug aufzuspringen“, sagte er. Auch Löw will sich bis zum offiziellen Meldeschluss am 29. Mai nicht festlegen. „Im Moment haben wir keine Veranlassung, eine endgültige Entscheidung zu treffen“, sagte der Bundestrainer. Erst in drei Wochen muss er der UEFA sein endgültiges Aufgebot benennen - und einem seiner vier Torhüter eine schlechte Nachricht überbringen.

Der Mönchengladbacher ter Stegen galt bereits seit Längerem als Kandidat für die Nationalelf. Die Parallelen zu Zieler sind dabei verblüffend: Beide wurden in der Rückrunde der vergangenen Saison zur Nummer 1 befördert, beide sind seither ein wichtiger Rückhalt für ihre Mannschaft geworden. „Marc-André ter Stegen hat eineinhalb Jahre absolutes Topniveau in der Bundesliga gebracht und verkörpert das Torwartspiel, das wir in der Nationalmannschaft wollen“, sagte Köpke am Montag - ein Satz, der ebenso gut auf Zieler passen würde, denn beide interpretieren die Torwartrolle ähnlich. In dieser Hinsicht fällt vor allem der Bremer Wiese aus dem Rahmen, der sich zuletzt zwar umgestellt hat, aber bei vielen noch immer als ein Vertreter der alten Torwartschule gilt.

Köpke hatte Zieler am Morgen angerufen und den 23-Jährigen über seine Nominierung unterrichtet. „Köpke hat mir zu vier Torhütern nicht viel gesagt“, berichtete Zieler über das Telefonat. „Er hat mir nur meine Nominierung mitgeteilt und mir dabei keinen Roman erzählt.“ Mit der Berufung in den vorläufigen Kader hat der Hannoveraner zumindest ein Zwischenziel erreicht: „Die EM-Nominierung, auch wenn sie noch nicht hundertprozentig ist, ist eines der Ziele, die ich mir vor der Saison gesetzt habe.“ Alles andere wolle er nun in den Trainingslagern auf sich zukommen lassen: „In drei Wochen wissen wir mehr.“

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