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EHEC „Situation hoffentlich bald wieder normal“
Start EHEC „Situation hoffentlich bald wieder normal“
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19:58 31.05.2011
Mitarbeiterin Sandra Kaczynski und Marktmanager Bernhard Kicinski zeigen im Rintelner „Jibi“-Markt Blätter, auf denen Kunden Testergebnisse für Obst und Gemüse nachlesen können. Dennoch: Viele Konsumenten sind bei Obst und Gemüse äußerst vorsichtig. © tol
Mitarbeiterin Sandra Kaczynski und Marktmanager Bernhard Kicinski zeigen im Rintelner „Jibi“-Markt Blätter, auf denen Kunden Testergebnisse für Obst und Gemüse nachlesen können. Dennoch: Viele Konsumenten sind bei Obst und Gemüse äußerst vorsichtig. © tol
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Rinteln (mld). „Salat aus Deutschland haben die Kunden bislang immer vertraut, inzwischen wird der aber kaum noch gekauft“, sagt Michael Biller, der in der Rintelner „Marktkauf“-Filiale für die Gemüseabteilung zuständig ist. Und Gurken gibt es derzeit im Marktkauf gar nicht – weil sie nicht mehr geliefert werden, so Biller.

Dennoch: Bei gewissen Gemüsesorten – zumindest aus Deutschland – sei wieder leicht gesteigertes Zutrauen der Bürger zu spüren. „Deutsche Tomaten werden wieder mehr gekauft“, sagt Biller. Das sei in der vergangenen Woche noch anders gewesen. „Die Skepsis verschwindet ganz langsam“, meint Biller. Das Gemüse bezieht die Filiale über das Edeka-Zentrallager in Minden.

Auch der Jibi-Markt in der Großen Tonkuhle bekommt derzeit keine neuen Gurken-Lieferungen mehr: „Wir haben nur noch eine Restmenge, aber die verkaufen wir momentan ab“, so Mitarbeiterin Kristina Lobanov. Nicht nur bei Tomate, Gurke und Salat, sondern auch bei restlichem Gemüse sowie Obst laufe der Verkauf „schleppend“. Es habe zum Beispiel einen Tag in der letzten Woche gegeben, da seien überhaupt keine Tomaten und nur eine Gurke gekauft worden. Auch Sonderaktionen bei Tomaten reizten die Kunden – „anders als früher“, so Lobanov – derzeit nicht. Die Bestellmengen seien daher reduziert worden: „Nicht, dass wir auf unseren Waren sitzen bleiben“, sagt Lobanov. Aber es müsse am Ende des Tages viel weggeschmissen werden.

Die Erfahrung macht auch Karin Ortgiese von „Delicata-Früchte“ in Rintelns Markthalle: „Unser Feldsalat wird heute wohl liegen bleiben, den muss ich heute Abend wegschmeißen.“ Auch wenn Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger bezogen würden und deutscher oder italienischer Herkunft seien, seien viele Kunden – „gerade ältere“, sagt Ortgiese – zutiefst verunsichert, so würden zum Beispiel auch Melonen nicht mehr gekauft, wenn sie aus Spanien stammten. Bei Erzeugern führe diese Verunsicherung dazu, dass teilweise das Gemüse schon auf dem Feld untergepflügt werden müsse, da sich keine Abnehmer finden ließen, erzählt Ortgiese. In der Salatbar sind Salat, Gurken und Tomaten derzeit gar nicht im Angebot, stattdessen können Kunden vermehrt gekochte Zutaten wählen. „Wir möchten unseren Kunden Alternativen bieten“, begründet Ortgiese.

Weniger Probleme scheint Sabine Herde vom Rintelner Reformhaus zu haben: „Die Diskussionen sind da, aber die meisten unserer Kunden gehen sehr sachlich mit dem Thema um.“ Einen Grund sieht sie darin, dass bei der im Reformhaus angebotenen Bio-Ware die Herkunft immer nachweisbar sei. Die Nachfrage nach Gurken habe nachgelassen – nach anderen Gemüsesorten aber nicht.

Zögerliches Kaufverhalten bei gewissen Gemüsesorten habe sich hingegen bei Marktkauf in den Einnahmen bemerkbar gemacht, so Michael Biller: „Das letzte Wochenende war äußerst schwach im Gemüseverkauf. Und das, obwohl wir gutes Wetter hatten. Dann wird normalerweise viel Gemüse gekauft.“

„Generell sind die Leute derzeit sehr vorsichtig“, sagt auch Kristina Lobanov. Es werde mehr gefragt, aus welchem Land Obst und Gemüse stamme. Auch im Jibi-Markt ist die Verunsicherung der Kunden und ihre Auswirkung spürbar. „Hoffentlich kehrt die Situation bald zur Normalität zurück“, sagt Lobanov. „Sonst geht der Lebensmittelhandel den Bach hinunter.“
In nicht ganz so drastischen Worten formuliert es Karin Ortgiese: „Wir hoffen darauf, dass schnellstmöglich aufgeklärt wird, woher dieser Erreger kommt.“