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EHEC Spanien warnt vor globaler Verdächtigung wegen EHEC
Start EHEC Spanien warnt vor globaler Verdächtigung wegen EHEC
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13:39 27.05.2011
Salatgurken aus Spanien wurden als EHEC-Überträger identifiziert. Quelle: dpa
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Nach dem Fund von EHEC-Erregern an Salatgurken aus Spanien hat Madrid davor gewarnt, spanische Agrarprodukte global unter Verdacht zu stellen. „Wir dürfen uns nicht auf dem Gebiet von Spekulationen bewegen“, sagte der Staatssekretär im Madrider Agrarministerium, Josep Puxeu. Es stehe keineswegs fest, ob die Gurken bei der Herstellung in Spanien mit dem Erreger befallen worden seien.

Vielmehr sei es durchaus möglich, dass es auf dem Transport oder bei der Verarbeitung in Deutschland zu einer Kontaminierung gekommen sei. „Wir dürfen ein Problem, das punktuell an einer Stelle aufgetreten ist, nicht verallgemeinern und nicht einen ganzen Exportsektor, ein ganzes Land oder mehrere Länder an den Pranger stellen.“

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Die spanischen Gesundheitsbehörden leiteten Untersuchungen ein, um herauszufinden, wo die Erreger ihren Ursprung hatten. Dazu setzten sie sich mit zwei Agrarbetrieben in der südspanischen Region Andalusien in Verbindung, aus denen die kontaminierten Gurken stammen könnten. Diese waren vom Hamburger Hygiene-Institut als Träger des Erregers identifiziert worden.

Die Erkrankungswelle mit dem lebensgefährlichen EHEC-Erreger sorgt indes für einen Engpass in den Hamburger Kliniken. „Es ist offensichtlich, dass wir auf Versorgungskapazitäten in andern Bundesländern, wie zum Beispiel in Hannover, zurückgreifen müssen, um die Versorgung von Neufällen auch am Wochenende zu gewährleisten“, erklärte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Freitag. Die Zahl der EHEC-Verdachtsfälle und -Infektionen ist den Angaben zufolge in Hamburg weiter gestiegen: Bis Freitagvormittag wurden 400 Fälle gemeldet. „Von diesen Fällen werden in den Hamburger Krankenhäusern 79 Personen stationär aufgrund HUS oder HUS-Verdachts behandelt“, hieß es. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine schwere EHEC-Verlaufsform, bei der giftige Stoffwechselprodukte des Bakteriums zu Nierenschäden führen können.

Die Bauern in Norddeutschland werfen indes wegen des EHEC-Erregers tonnenweise Salatköpfe, Tomaten und Gurken auf den Müll. Obwohl spanische Importgurken als ein Träger des gefährlichen Darmkeims identifiziert worden sind, sind die Verbraucher auch bei deutschem Gemüse sehr skeptisch. „Allein in Niedersachsen haben fünf Großabnehmer im Einzelhandel ihre Gemüsebestellungen storniert“, sagte Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland am Freitag in Bremen. Die Höhe des Schadens war zunächst noch unklar.

Die EHEC-Krise weitet sich zunehmend auch auf andere Landesteile aus. Deutliche Absatzeinbrüche meldet unter anderem die Erzeugergenossenschaft Landgard mit 700 Gemüsebetrieben am Niederrhein. „Die Bauern trifft es enorm hart, wenn die Verbraucher für einige Tage auf das frische Gemüse verzichten“, sagte Johannes Funke vom Deutschen Bauernverband in Berlin. Der Branche hofft, dass sich der Markt schnell normalisiert.

Bis zu 15 Prozent weniger Tomaten und Gurken seien am Donnerstag abgesetzt worden, berichtete Landgard-Sprecherin Andrea Kirchhoff in Straelen. Mit großer Sorge verfolgen die rheinischen Obst-und Gemüsebauern die Auswirkungen der EHEC-Krise. Ein paar Tage könne der fehlende Absatz bei Tomaten und Gurken noch überbrückt werden. „Aber wenn es nächste Woche so weitergeht, wird es ernsthafte Schäden geben“, meinte Verbandssprecher Peter Muß.

In Niedersachsen sind viele Bauern bereits gezwungen, das geerntete Gemüse wegzuschmeißen. Andere ließen das Gemüse auf den Feldern und pflügten es unter, sagte Boese. Er forderte deshalb ein klares Statement von der Politik: „Es muss gesagt werden, dass deutsches Gemüse keimfrei ist.“

dpa

27.05.2011
26.05.2011