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12:20 26.07.2012
Die geplante Asphaltmischanlage mobilisiert die Bürger, der Ratskeller ist überfüllt.
Die geplante Asphaltmischanlage mobilisiert die Bürger, der Ratskeller ist überfüllt.  Quelle: rg
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Stadthagen (jcp).

Die Gäste standen im Eingangsbereich, einige saßen auf den Fensterbänken. Eingeladen hatte für Dienstagabend der Verein „Bürgerprotest Stadthagen“, es referierte der Ökologe Klaus Koch vom Umweltnetzwerk Hamburg. Bürgermeister Bernd Hellmann blieb der Podiumsdiskussion fern. Das sorgte für Unmut im Publikum, obwohl der stellvertretende Vorsitzende von „Bürgerprotest Stadthagen“, Oliver Theiß, den Stadtvorderen in Schutz nahm.

 Umwelt-Experte Koch bemängelte die Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung und erzählte von seinen Erfahrungen mit ähnlichen Anlagen und Protesten in anderen Städten deutschlandweit. Die vielen technischen Begriffe – Milligrammzahlen pro Kubikmeter Luft von krebserregenden Stoffen wie Benzol, Dezibelwerte – bereicherten die anwesenden Nachbarn einer Asphaltmischanlage in Wuppertal mit konkreten Bildern aus ihrem Alltag.

 „Wir stehen morgens vor der Wahl, ob wir lieber weiter den eigenen Mief im Schlafzimmer haben wollen oder den von draußen reinlassen“, berichtete Achim Stumpe vom Verein „Leben Wuppertal Nord“. „Meistens lassen wir die Fenster zu.“ Den Geruch kenne, wer einmal mit offenem Fenster an einer Autobahn-Baustelle vorbeigefahren sei, auf der geteert wurde. Hinter dem Gestank, führte Ökologe Koch aus, verbergen sich Stoffe, die zu Atemwegsproblemen und schlimmeren Gesundheitsproblemen führen können – bis hin zum Krebs.

 Mit Bezug auf die Lärmbelästigung berichtete Koch von einem Trick, den Unternehmen anwenden, um eine Genehmigung zu bekommen. Die entsprechenden Unterlagen des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes hatten dem Ökologen vorgelegen. Auf dem Gelände seien zwei „Brecher“ geplant. Der Clou: Das Gelände wird geteilt, und für die Anlage, die näher an der Steigersiedlung steht, wird eine geringere Dezibelzahl veranschlagt. Der Durchschnittswert beider Anlagen zusammen, so Koch, hätte eine Genehmigung vermutlich nicht möglich gemacht.

 „Übrigens“, fügte der Experte hinzu, „das im September anstehende Klimaschutzkonzept für den Landkreis Schaumburg, das können sie wegschmeißen.“ Die Anlage soll mit Braunkohle betrieben werden. Eine nur vier Meter vom Gelände entfernt liegende Leitung hätte Koch zufolge den umweltverträglicheren Betrieb mit Gas ermöglicht. Dies war nur eine der vielen Begebenheiten, die den Umwelt-Experten zu dem Schluss kommen ließ, der Stadtrat habe sich unzureichend mit dem befasst, was er da beschlossen hat.

 Mit Bezug auf die Arbeitsplätze sprach Koch von sechs bis acht Stellen. So viele würden in Wuppertal benötigt, wo eine Anlage steht, die identisch mit der ist, die am Georgschacht entstehen soll.

 Als im Publikum Kritik an der Abwesenheit von Bernd Hellmann anklang, verteidigte Oliver Theiß von „Bürgerprotest Stadthagen“ den Bürgermeister. Es sei nicht angedacht gewesen, dass Hellmann sich Fragen des Publikums stellt – insofern „drückte“ er sich also nicht. Den Kritiker Jürgen Wolter aus Meerbeck stellte das nicht zufrieden. An Theiß gewandt gab er zurück: „Das sind Leute, die tauchen sonst überall auf, wo es was zu essen und zu trinken gibt.“