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Mein Landleben Leben ohne Internet
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20:00 26.05.2017
Was macht man, wenn das Internet nicht funktioniert? Quelle: Weber
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Bei der geringen Surfgeschwindigkeit an meinem Wohnort werden dabei sogar die Geduldigsten mürbe. Grundsätzlich ist mir Internet-Ausfall vertraut, es passiert häufiger mal. Ich sollte längst einen Umgang damit gefunden haben. Aber wie programmiert, durchlaufe ich immer wieder dieselben Phasen.

 Phase eins: Die Erkenntnis, dass der Fehler nicht im eigenen System zu finden ist und der noch geduldige Griff zum Handy, um die Störung zu melden. Der Adrenalin-Spiegel erhöht sich, nachdem ich der Computerstimme mehrmals klar und deutlich wahlweise mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet habe und in der Warteschleife hänge. Später, am Ende des Gesprächs, denke ich wehmütig an das gute alte Telefon, bei dem man noch den Hörer aufknallen konnte. Eine wutendladende Wirkung, die kein Handy bietet. Also Schreien, Schweißausbruch oder Wutabbau durch Gartenarbeit, geeignet sind Arbeiten mit dem Spaten oder der Axt. Irgendwann, wenn es im Garten richtig gut vorangeht, gerät der Arbeitsstau im Büro in Vergessenheit. Und genau genommen nerven soziale Netzwerke und Whatsapp-Gruppen sowieso meistens. Also alles nicht so schlimm. Phase zwei ist die Phase der Resignation. Selbstbeschwichtigung.

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 Während mein Mann und ich während dieser Zeit ohne Internet noch damit beschäftigt waren, uns in Gelassenheit zu üben, wurden wir auf wundersame Weise ganz gelassen. Es folgte Phase drei. Wir lasen die Zeitung und saßen mit Büchern im Garten herum. Wir beobachteten die Schildkröten, ohne daran zu denken, dass wir anschließend Bilder des Erlebten per Whatsapp verschicken könnten. Das Wochenende hatte inzwischen begonnen und wir rührten Computer und Handys gar nicht mehr an. Die Störung würde sowieso erst am Montag behoben, hatte der Telekommunikations-Anbieter verkündet. Irgendwann sagte mein Mann, es sei ja auch mal ganz schön, ohne Internet und reparierte die Gartenpumpe. Ich teilte mir derweil mit dem Hund die Gartenliege. Ja, es war schön, ohne Internet. Und deshalb merkten wir erst am Sonntagabend, dass es schon wieder lief, das Internet.