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Thema des Tages Großer Spaß, große Gefahr
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21:06 28.07.2014

Von Thomas Thimm

Sommer, Sonne, Strand… Die großen Ferien stehen vor der Tür, und bei diesem Traumsommer mit seinen hohen Temperaturen freuen sich alle auf eine coole Abkühlung im Badesee. Vor allem junge Leute stehen auf das lockere Freizeitvergnügen am Teich. Der 17-jährige Felix bringt es für sich und seine Kumpels auf den Punkt: „Die meisten Schwimmbäder sind doch langweilig, am Badeteich ist es viel cooler, da können wir uns einfach freier bewegen.“

 Die warmen Temperaturen locken jede Menge Sonnenanbeter an die Baggerseen. Doch viele unterschätzen die Gefahren im Wasser: Bundesweit ertranken im vergangenen Jahr 446 Menschen, im Jahr davor waren es laut DLRG-Statistik 383. Unter den Opfern sind übrigens vier Mal so viele Männer wie Frauen – Männer sind offenbar risikofreudiger, Frauen in mancherlei Hinsicht vernünftiger. Als besonders gefährdet gelten übrigens Männer über 60, wie DLRG-Sprecher Martin Janssen sagt: „Leichtsinn gepaart mit einem geschwächten Herz-Kreislauf-System führen häufig zu Herzversagen, Krämpfen oder schneller Erschöpfung.“

 Angesichts der unverhältnismäßig hohen Zahl der Badetoten in den vergangenen Wochen –zum Beispiel an der Ostsee – und dem schweren Badeunfall am Gevattersee am Wochenende ruft die DRK-Wasserwacht zur Vorsicht auf. Besonders gefährdet sind Kleinkinder – für sie wird selbst ein Gartenteich oder ein Planschbecken zum Risiko, wenn sie dort unbeaufsichtigt spielen. Immerhin ist Ertrinken bei Kindern die zweithäufigste Todesursache.

 „Eltern dürfen am Wasser spielende Kinder, die nicht sicher schwimmen können, keinen Augenblick aus den Augen lassen“, so Andreas Paatz, stellvertretender Bundesleiter der Wasserwacht. „Das gilt auch, wenn das Gewässer durch Wasserretter abgesichert ist. Wasser zieht Kinder magisch an und nur ein Moment der Achtlosigkeit kann fatale Folgen haben“, so Paatz. „Ein Kind, das nicht schwimmen kann, geht im Wasser unter wie ein Stein. Auch Schwimmflügel und andere Hilfen helfen nur beim Schwimmenlernen, schützen aber nicht zuverlässig vor dem Ertrinken.“ Eltern sollten sich bei der Aufsicht abwechseln, um selbst auch entspannen zu können. Auch größere Kinder müssen auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. „Ein Trugschluss wäre, zu glauben, dass das Seepferdchen oder Jugendschwimmabzeichen in Bronze Kinder zuverlässig vor dem Ertrinken schützen“, erklärt Paatz. Wichtig ist, den Kindern Regeln für den Spaß im und am Wasser zu geben. Dazu gehört: Andere nicht schubsen, sie untertauchen oder auf sie springen.

 Generell ist ein Großteil der Badeunfälle vermeidbar. „Mutproben wie Kopfsprünge in unbekannte Gewässer, zu viel Alkohol oder das Überschätzen der eigenen Kraft führen häufig zu lebensgefährlichen Situationen im Wasser“, sagt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie in Hannover. Selbst Erwachsene sollten sich unbedingt an gewisse Regeln halten: Nicht durch Wasserpflanzen, in der Nähe von fahrenden Booten, an Brücken, Buhnen oder technischen Anlagen schwimmen. Nicht ins Ungewisse springen, also zum Beispiel von Brücken oder Felsen in trübe Gewässer. Nicht mit vollem Bauch oder ohne Abkühlung ins Wasser. Und: Längere Strecken immer mit anderen schwimmen, nie allein.

 Übrigens können immer weniger Kinder richtig schwimmen. Wenn ein neun- bis zehnjähriges Kind nicht sicher auf dem Niveau des Jugendschwimmabzeichens schwimmen kann, sollten Eltern aktiv werden und selbst mit dem Kind üben oder noch besser einen Schwimmkurs besuchen.

 Gerät ein Mensch im Wasser in Not, sollten Ersthelfer zuallererst den Rettungsdienst über die 112 alarmieren. „Retter bringen sich leicht selbst in Gefahr, wenn sie versuchen, Ertrinkende aus dem Wasser zu ziehen, sofern sie keine ausgebildeten Rettungsschwimmer sind“, warnt Enke von den Johannitern. „Direkten Körperkontakt sollte man nach Möglichkeit vermeiden, denn in seiner Angst kann der Ertrinkende um sich schlagen oder durch Klammern den Rettenden unter Wasser ziehen. Lieber sollte der Helfende der Person einen schwimmenden Gegenstand reichen – zum Beispiel einen Rettungsring – und sie damit an Land ziehen.“

 Schnelle Erste Hilfe ist lebenswichtig: Bewusstlose mit vorhandener Atmung werden in die stabile Seitenlage gebracht. Wenn der Gerettete nicht atmet, müssten Ersthelfer sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Wir wollen alle Menschen ermutigen, die Wiederbelebung durchzuführen“, sagt Notfallsanitäter Enke. „Dabei kann man nichts falsch machen. Nichts zu tun, ist für den Patienten viel gefährlicher, denn Sauerstoffmangel verursacht irreparable Hirnschäden.“

Beliebte Badeseen in der Region

  • Blauer See: Der Badesee mit Sandstrand befindet sich an der Autobahn 2 in Richtung Garbsen. Für Erwachsene kostet eine Tageskarte 3 Euro, Kinder zahlen 1,80 Euro. Sportbegeisterte können sich bei Wasserski und Wakeboard austoben.
  • Doktorsee: Der Naturbadesee bei Rinteln ist öffentlich zugänglich und gehört der Doktorsee GmbH. Beim Campingplatz gibt es viele Freizeitmöglichkeiten. Erwachsene zahlen 3 Euro, Kinder 1,50 Euro für eine Tageskarte.
  • Stemmer See: Betrieben wird der bei Rinteln gelegene See von der örtlichen Campingpark Kalletal GmbH und Co. KG. Eintrittsbändchen gibt es an der Campingplatzrezeption für 8 Euro pro Erwachsenen und 4 Euro pro Kind.
  • Fischbecker Kiesteich: Der ehemalige Baggersee an der Bundesstraße 83 ist derzeit an die Segel-Surf-Gemeinschaft Hameln e. V. verpachtet. Zudem wird er vom Sportfischerverein Hameln und Umgebung genutzt. Öffentliches Baden ist nicht erlaubt.
  • Kiesteiche Tündern: Die Cemex Kies und Splitt GmbH fördert Sand und Kies aus den Baggerseen an der Landstraße 424 von Hameln nach Tündern. Auch hier ist der Sportfischerverein aktiv. Offiziell ist das Baden und Betreten wegen hoher Verletzungsgefahr verboten.
  • Schiedersee: Am Stausee bei Schieder gibt es ein vielfältiges Freizeitangebot vom Funtastico Spaßpark – vom Tretboot- bis zu Rundfahrten auf dem See. Schwimmen ist hier untersagt. Im neu gestalteten Funtastico gibt es allerdings eine Abkühlungsalternative mit Spielgelegenheit für Kinder. Der Eintritt in den Park kostet 6 Euro.
  • Humboldtsee: Dieser See liegt bei Wallensen unweit des Bruchsees und ist zum Schwimmen geeignet. Tageskarten für Erwachsene kosten 2,50 Euro, Kinder bekommen den Badespaß für 1,50 Euro.
  • Bruchsee: Durch Braunkohletagebau entstanden, ist der Bade- und Angelsee bei Duingen öffentlich zugänglich und wird vom staatlichen Forstamt Grünenplan gepflegt. Da es keine offizielle Badeaufsicht gibt, darf nur auf eigene Gefahr geschwommen werden. Der Eintritt ist frei. isa

Vier wichtige Grundregeln für Schwimmer
Nachgefragt bei Andreas Paatz, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Wasserwacht

Schwimmer sollten vier Grundregeln beherzigen, um Unfällen vorzubeugen: Erstens sollten sie nie baden gehen, ohne sich vorher abzukühlen, zweitens nie mit vollem Magen, drittens nie unter Alkoholeinfluss, und viertens sollten sie längere Strecken nie allein zurücklegen. Andreas Paatz von der Wasserwacht des DRK erläutert die Hintergründe:
Warum nie ohne Abkühlung ins Wasser?
Gerade wenn es im Sommer draußen sehr heiß ist, heizt sich der Körper stark auf. Bei einem plötzlichen Temperaturwechsel durch den Gang ins kalte Wasser kommt es zu einer Kreislaufreaktion, wenn der Körper nicht allmählich heruntergekühlt wird. Der Kreislauf wird deutlich überlastet, es kann zum Kreislaufversagen kommen. Das bedeutet, der Betroffene erleidet einen Herz-Kreislauf-Stillstand, kippt um und sinkt lautlos unter. Menschen in der Nähe bekommen daher oft nicht mit, dass jemand ertrinkt.
Warum nie mit vollem Magen ins Wasser?
Nach dem Essen ist der Körper mit dem Verdauen beschäftigt. Das bedeutet, dass er der Muskulatur nicht genug Blut zur Verfügung stellen kann, das nötig wäre, um genug Kraft für das Schwimmen aufzubringen. Die Folge: Dem Badenden wird schlecht und er muss sich eventuell übergeben. Außerdem besteht auch in diesem Fall Ertrinkungsgefahr, weil die Muskelkraft eben nicht reicht.
Warum nicht unter Alkoholeinfluss ins Wasser?
Alkohol führt bei den meisten dazu, dass sie sich im Hinblick auf das Schwimmerische und die Ausdauer überschätzen. Zugleich unterschätzen sie dann die Gefahren, die zum Beispiel vom kalten Wasser, von Strömungen oder der Distanz zum anderen Ufer ausgehen. Hinzu kommt, dass vor allem bei Kanälen die Böschungen so gebaut sind, dass man dort nur schwer aus dem Wasser herauskommt.
Warum nie allein längere Strecken schwimmen?
Auch in diesem Fall gilt: Menschen überschätzen oft ihre Kräfte und schaffen es dann nicht, schnell genug aus dem Wasser zu kommen. Das kann zum Beispiel sein, weil das andere Ufer auf den ersten Blick näher erscheint, als es tatsächlich ist, die Strömungen stärker oder kälter sind als gedacht oder ein Gewitter aufzieht. Daher ist es laut Paatz wichtig, Begleitung dabei zu haben, um sich schnell artikulieren zu können, wenn die Kräfte nachlassen und Hilfe nötig wird.