Wachsender Wärmeschutz: Was kann eine ökologische Dämmung?

Dämmstoffe können auch klimafreundlich sein.

Dämmstoffe können auch klimafreundlich sein.

Berlin/Rosenheim. Wenn von Dämmungen die Rede ist, denken die meisten Menschen an Verbundsysteme aus Polystyrol oder an Mineralwolle. Tatsächlich besitzen beide Materialen rund 90 Prozent Marktanteil, sagt Hans-Joachim Riechers, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM). Aber es gibt noch viele weitere Dämmmaterialien, darunter einige, die als ökologisch gelten. Eine Übersicht.

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Was sind ökologische Dämmstoffe?

„Es gibt keine klare Abgrenzung und deshalb auch keine Definition“, sagt Winfried Schneider, Leiter des Instituts für Baubiologie und Nachhaltigkeit (IBN). In der Regel werden darunter nachwachsende, nicht synthetisch hergestellte oder recycelte Materialien verstanden, die eine gute Ökobilanz aufweisen. Zu erkennen seien sie an Labels wie der Blaue Engel, IBR, Natureplus, FSC oder Naturland, erklärt Barbara Wittmann-Ginzel, Vorstand des Bundesverbands Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker (Gih).

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Am weitesten verbreitet sind Dämmungen aus Holzfaser. Auch Zellulose kommt vergleichsweise häufig zum Einsatz. Nischenprodukte sind etwa Hanf, Stroh, Schafwolle, Jute, Schilf, Kork oder Flachs. „Insgesamt gibt es sicherlich Hunderte verschiedener Produkte“, sagt Schneider. Aber längst nicht jeder Handwerker kenne alle, ergänzt Riechers. Interessierte Bauherren sollten sich deshalb selbst informieren und umfassend beraten lassen – etwa von einem Energieberater.

Wie sind ihre Dämmeigenschaften?

Die Dämmwirkung von Materialien wird mit dem Lambda-Wert angegeben. Dabei gilt: Je niedriger der Wert, desto besser die Wirkung. Viele ökologische Produkte lägen im „soliden Mittelfeld“, erläutert Andreas Schulze vom Verband Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (VDNR): „Beim winterlichen Kälteschutz haben einige synthetische Materialien die Nase vorn.“ Allerdings können mit ökologischen Materialien die gleichen Wirkungen erzielt werden, wenn die Dämmstoffstärke entsprechend angepasst wird. „Dabei handelt es sich um wenige Zentimeter mehr“, so Schulze.

Wo kommen sie zum Einsatz?

Ökologische Dämmmaterialien sind universell einsetzbar – sei es als Außendämmung, Dachdämmung oder Innendämmung. Es bestehen verschiedene Verarbeitungsweisen: So können Holzfaserdämmplatten als Wärmedämmverbundsystem angebracht werden. Zellulose wird in der Regel eingeblasen. Wolle kann unter anderem gestopft werden, mit Stroh werden Gefache von Holzkonstruktionen gefüllt.

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Wann können sie nicht verarbeitet werden?

„Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind für alle Bereiche geeignet, die trocken bleiben“, sagt Schneider. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Dort, wo es feucht wird, sind die Materialien ungeeignet. „Für die Dämmung zum Erdreich besitzen Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen keine Zulassung“, sagt Wittmann-Ginzel. Bei Gebäuden mit besonders hohen Anforderungen an den Brandschutz, wie zum Beispiel Hochhäuser, kommen nur mineralische Dämmstoffe infrage, ergänzt Schneider.

Welche Vorteile besitzen sie?

Ökologische Dämmstoffe wirken oft feuchtigkeitsregulierend. Das heißt: Sie nehmen bei hoher Luftfeuchtigkeit Wasser auf und geben dieses an trockene Luft ab. Das wirkt sich positiv aufs Raumklima aus. Außerdem speichern sie viel Wärme. „Das ist auch für den sommerlichen Hitzeschutz vorteilhaft“, sagt Schneider. In der Regel sind sie kaum mit gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen belastet.

Wie fällt ihre Klimabilanz aus?

Laut Umweltbundesamt (Uba) belastet der höhere Energieverbrauch eines ungedämmten Gebäudes die Umwelt stärker als die Herstellung des Dämmstoffs. „Dämmen ist also immer besser, als nicht zu dämmen“, betont Riechers. Vergleichsweise wenig Energie und Ressourcen werden für ökologische Dämmstoffe verbraucht – das trifft zum Beispiel auf regionale Produkte zu, die kurze Transportwege benötigen. Einige Materialien wie Stroh und Zellulose werden sozusagen aus Abfall gewonnen. Viele ökologische Dämmstoffe sind zudem langlebig und speichern CO₂, erläutert Schulze: „Außerdem können sie leicht entsorgt oder recycelt werden.“

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Was kosten sie?

Ökologische Dämmstoffe sind vergleichsweise teuer: „Die Kosten liegen bis zu 15 Prozent über denen synthetischer Produkte“, sagt Schulze. Besonders hoch sind die Preise beispielsweise für Kork oder Schafwolle, Zellulose hingegen kann preislich mit konventionellen Materialen mithalten. Schneider geht davon aus, dass mit steigender Nachfrage die Preise fallen werden. Einige Kommunen zahlen auch Zuschüsse. Weil die Energiekosten steigen, werden ökologische Produkte voraussichtlich im Verhältnis günstiger.

Brandgefahr ist nicht erhöht

Dämmungen aus Holzfasern oder aus Stroh – das klingt nach erhöhter Brandgefahr. Tatsächlich können ökologische Dämmstoffe bei Gebäuden mit geringer Höhe wie Ein- und Zweifamilienhäuser bedenkenlos verbaut werden. Sie gelten in der Regel als normal entflammbar und sind meist mit Lehm- oder Gipsbauplatten verkleidet oder liegen hinter Putz. Sollten ökologische Dämmmaterialien dennoch Feuer fangen, entwickeln sie keine hochgiftigen Brandgase. Holzfaser zum Beispiel brennt nicht, sondern glimmt, entwickelt wenig Rauch und tropft nicht von der Fassade ab.

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