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Kinderschutzbund zu Missbrauch in Lügde

„Die soziale Kontrolle fehlt“

Johannes Schmidt, Landesvorsitzender des Kinderschutzbundes

Johannes Schmidt, Landesvorsitzender des Kinderschutzbundes

Hannover. Nach dem langjährigen sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde geraten auch die Behörden in die Kritik. Der Landkreis Hameln hat inzwischen eingeräumt, einen Aktenvermerk nachträglich hinzugefügt zu haben. Der Kinderschutzbund fordert, die Behörden müssten ihre Strukturen offener auf Fehler überprüfen.

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Herr Schmidt, über zehn Jahre konnten
Männer auf einem Campingplatz in Lügde Kinder missbrauchen.
Was ist schief gelaufen?

Eine ganze Menge. Aber schon die Grundentscheidung, ein Kind auf einem Campingplatz mit dem Status Pflegekind zu genehmigen, war falsch. Denn sie hat keine intensive Begleitung ermöglicht. Wenn man Kinder in einem solchen Milieu leben lässt, ist das immer ein Risiko, weil die soziale Kontrolle von Nachbarn oder Schulen fehlt.

Mindestens
31 minderjährige Opfer,
Untaten über zehn Jahre – wie konnte das verborgen bleiben?

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Ich glaube, dass diese Wohnwagensituation so stark von dem Täter manipuliert worden ist, dass die Campnachbarn, die Familien und auch die Behörden glaubten, alles sei in Ordnung, ja schlimmer noch, hier geschehe den Kindern etwas Gutes. Nach innen hat der Täter aber mit Druck und Erpressung gearbeitet, sich hineingeschlichen in die Psyche der Kinder. Grauenhaft.

Was sind die Lehren von Lügde?

Keine Wohnwagencamps als Pflegestellen für Kinder zulassen. Und bei der Fehleraufarbeitung der Behörden wesentlich stärker auf die Strukturen schauen, anstatt einzelnen personifizierte Schuld zuweisen. Wie arbeiten freie Träger mit der Behörde zusammen? Wie reflektieren die ihre Arbeit? Es ist nicht gut, wenn sich ein Jugendamt reflexartig in der Opferrolle sieht, wenn kritische Fragen auftauchen. Wir brauchen dagegen eine Führungskultur, die aufklärt, was zu Fehlern führt. Meist sind es überlastetes Personal und fehlende Teamarbeit.

Von Michael B. Berger

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