Landespolitik

Die ganz persönliche Ampel-Koalition von Ex-Ministerpräsident Glogowski

Familiäre Ampelkoalition: Niedersachsens ehemaliger Ministerpräsident Gerhard Glogogowski (SPD, Mitte) mit Schwiegertochter Aniko Merten (FDP, links) und seinem Sohn Robert Glogowski, der für Bündnis 90/Die Grünen aktiv ist.

Familiäre Ampelkoalition: Niedersachsens ehemaliger Ministerpräsident Gerhard Glogogowski (SPD, Mitte) mit Schwiegertochter Aniko Merten (FDP, links) und seinem Sohn Robert Glogowski, der für Bündnis 90/Die Grünen aktiv ist.

Braunschweig. „Für mich gibt es außerhalb der SPD keine wählbare Partei“ – natürlich kommen solche Sätze kurz vor der Landtagswahl vom niedersächsischen SPD-Urgestein Gerhard Glogowski. Zu Hause in Braunschweig muss sich der frühere Ministerpräsident aber seit kurzem mit einer neuen Konstellation anfreunden: Die Hochzeit seines Sohnes zwingt den 79-Jährigen in eine familiäre Ampel-Koalition – mit echtem Wahlkampf am Kaffeetisch.

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Als sein Sohn, der Grünen-Ratsherr Robert Glogowski, im August die FDP-Bundestagsabgeordnete Anikó Merten heiratete, hatte der Ex-Regierungschef plötzlich Vertreter beider Parteien im engsten Familienkreis. „Braunschweiger Promi-Hochzeit zwischen FDP und Grünen“, titelte damals die „Braunschweiger Zeitung“. „Nach der Hochzeit haben uns viele gratuliert, weil es in der Zeitung stand. Das hatten wir gar nicht so bedacht“, erinnert sich die FDP-Abgeordnete.

Kultur führte Robert Glogowski und Aniko Merten zusammen

Robert ist Designer und sitzt für die Grünen im Rat der Stadt. Seine Frau Anikó hat dort auch einen Sitz - allerdings für die FDP. Nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 zog die 40-Jährige für die Liberalen zudem in den Bundestag ein und ist dort kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. „Wir werden auf unsere Familienkonstellation positiv angesprochen, was mich ehrlich gesagt auch überrascht hat“, sagt der Grünen-Politiker. Er profitiere jetzt aber davon, dass viele seine Frau nett finden.

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Die FDP werte die Grünen in diesem Fall also auf, antwortet ihm seine liberale Ehefrau mit einem Lächeln im Gesicht. Sie betont, dass beide nicht über den Rat zueinander gefunden haben. „Wir haben uns über die Kreativwirtschaft kennengelernt, über gemeinsame Interessen aus der Kreativsphäre heraus“, berichtet sie. Neben dem gemeinsamen Thema Kultur seien die aktiven Ebenen zwischen Bundespolitik und Kommunalpolitik für die beiden aber sehr unterschiedlich.

Über den Parteitaustritt des Sohnes war Glogowski „not amused“

Die gemeinsame Zukunft mit der FDP-Politikerin war bei Glogowskis schon die dritte familiäre Polit-Überraschung. „Mein größeres Problem war, meinem Vater vom Austritt aus der SPD und dem Engagement bei den Grünen zu erzählen“, erzählt der 54-jährige Sohn. Er sei schon bei den Jusos gewesen und habe sich sehr eingesetzt. „Irgendwann war ich aber hochgradig unzufrieden“, begründet er den Schritt, über den sein Vater „not amused“ war.

„Das war in der Vorstellung für meine Familie nicht vorgesehen“, sagt der 79-Jährige ebenfalls mit breitem Lächeln. Es sei aber eine persönliche Entscheidung. „Ich kann das offensichtlich nicht verändern, wie ich gemerkt habe“, ergänzt der Vater. Er gehöre aber weiter nicht zu denen, die den Grünen jemals eine Stimme geben würden. „Ich auch nicht“, schiebt die Schwiegertochter hinterher.

Die FDP-Vertreterin kann sich eine liberale Regierungsbeteiligung vorstellen

Wahrscheinlich ist gerade deshalb Landtagswahl ein großes Thema im Hause Glogowski. „Wenn es in den Parteien unterschiedliche Standpunkte gibt, können wir die auch kontrovers diskutieren“, sagt der Grünen-Politiker. Er muss grinsen und ergänzt: „Es gibt aber auch ein paar Dinge oder Themen, da hören wir spontan auf zu reden.“ Als bereichernd empfinden beide an der neuen Familienkonstellation, dass sie nun ein familiäres Umfeld haben, das Politik versteht. Das also weiß, was es heißt, Politikerin oder Politiker zu sein.

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Einigkeit herrscht bei Glogowskis auch beim Blick auf den aktuellen Koalitionspartner der SPD im Land. „Ich bin der Auffassung, dass es ganz gut ist, wenn die CDU wieder in die Opposition geht“, sagt Vater und Schwiegerpapa Glogowski. Unter seinem Vorgänger Gerhard Schröder war er Innenminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten. Selbst Regierungschef war er nur von 1998 bis 1999 bevor Sigmar Gabriel übernahm. „Sollte die CDU doch wieder regieren, werde ich das als Demokrat ertragen“, sagt der 79-Jährige.

Nach der Ampelkoalition im Bund kann sich die FDP-Vertreterin der Familie Glogowski auch in Niedersachsen eine liberale Regierungsbeteiligung vorstellen. „Ich habe mir im Wahlkampf vor der Bundestagswahl schon eine Ampel gewünscht, weil es für mich das einzige progressive Bündnis ist“, sagt sie. Ihr Mann empfindet selbstverständlich die Grünen als innovativ und als die Partei, die momentan das meiste vorantreibt. Er sei aber auch froh, dass es in Berlin schon eine Ampel unter SPD-Führung gebe. „Allein schon, weil mein Vater dann viel freundlicher ist“.

Von RND/lni

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