Erstsemesterwanderung

Niedersachsen ist bei Studienanfängern unbeliebt

„Traditionell international aufgestellt“: An der TU Clausthal kommen nur rund 40 Prozent der Studierenden aus Niedersachsen.

„Traditionell international aufgestellt“: An der TU Clausthal kommen nur rund 40 Prozent der Studierenden aus Niedersachsen.

Hannover. Niedersachsen ist für Studienanfänger unattraktiver geworden. Von rund 37.000 Abiturienten gingen rund 16.300 zum Studieren in andere Bundesländer, wie jetzt eine Erhebungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) für das Studienjahr 2017 ergab. Im gleichen Zeitraum schrieben sich nur rund 9500 Erstsemester aus anderen Bundesländern an niedersächsischen Unis ein – unterm Strich ein Minus von rund 6850 Studierenden. Dies ist laut Destatis der größte Wanderungsverlust aller Bundesländer.

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Der sogenannte Wanderungssaldo gilt als Indikator für die überregionale Attraktivität der Hochschulstandorte. Niedersachsen liegt hinter Schleswig-Holstein (minus 4900) und Brandenburg (minus 2800). Negative Wanderungssalden hatten im Studienjahr 2017 auch Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Am beliebtesten sind bei Studenten demnach Berlin (plus 4100) und Hamburg (3800), gefolgt von Hessen (2300) und Sachsen (2100). Insgesamt zehn Bundesländer haben laut Destatis-Erhebung einen positiven Wanderungssaldo.

Dass mehr Studenten aus Niedersachsen abwandern als zuziehen sei seit Anfang der Siebzigerjahre zu verzeichnen, sagt Katharina Graef, Sprecherin des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Grund sei in erster Linie der hohe Anteil ländlicher Gegenden. Viele Abiturienten ziehe es zum Studienbeginn in nahe gelegene Großstädte wie Bremen und Hamburg.

Auch Niedersachsens Landeshauptstadt hat offenbar eine große Sogwirkung. „Nach unserer Erfahrung und den letzten Werten zu urteilen, stammen viele Studierende nach wie vor aus Niedersachsen“, sagt Mechtild von Münchhausen, Sprecherin der Leibniz-Universität Hannover. 2017 seien 67 Prozent aller Studierenden der Uni aus Niedersachsen gekommen, 2018 waren es 65 Prozent.

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An der Technischen Universität Clausthal hingegen kommen nur knapp 40 Prozent der Studierenden aus Niedersachsen. „Wir sind traditionell sehr international aufgestellt“, sagt Sprecher Christian Ernst. Während die Universitäten in Hannover und Braunschweig viele ihrer Studenten vor Ort rekrutieren könnten, setze eine Kleinstadt wie Clausthal auch auf Abiturienten aus anderen Bundesländern und dem Ausland.

Die meisten Studierenden, die aus anderen Bundesländern nach Niedersachsen kommen, stammen laut Statistischem Bundesamt aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Die überwiegende Zahl der zugezogenen Erstsemester schrieb sich an der Universität Göttingen ein, teilte das Wissenschaftsministerium mit. Im Jahr 2017 waren dort rund 13 000 Studenten aus anderen Bundesländern immatrikuliert. Niedersächsische Abiturienten hingegen gehen laut Destatis am Liebsten ins benachbarte Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Hamburg und Hessen.

Von Lisa Neugebauer

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