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Baddeckenstedt

Tote Kinder im Gartenteich: Ein Dorf in Schreckstarre

Ortseingang von Heere: Ein gelähmtes Dorf.

Ortseingang von Heere: Ein gelähmtes Dorf.

Heere. Der Mann auf dem Fahrrad stoppt kurz und ruft seine Rhodesian-Ridgeback-Hündin zu sich. Er wirft einen Blick über die Hecken, unwillkürlich, man kann das Haus von hier aus gar nicht sehen. „Erschütternd“, sagt der Mann. „Furchtbar erschütternd.“

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In Heere, einem kleinen Ort im Kreis Wolfenbüttel, elfhundert Einwohner, ist am Dienstagabend ein Unglück geschehen. Zwei Jungen, vier und sieben Jahre alt, sind ums Leben gekommen. Der Vierjährige wohnte mit seiner Familie in Heere, der Siebenjährige war sein Cousin und kam aus Salzgitter-Bad zu Besuch. Die beiden haben gespielt, sind auf noch ungeklärte Weise aufs Nachbargrundstück gekommen, dort gibt es einen Gartenteich. Die Jungen wurden gegen halb zehn am Dienstagabend leblos im Wasser entdeckt, die Feuerwehr und die Polizei kamen sofort, aber beide Kinder sind noch in Heere gestorben.

Der Polizeineinsatz dauert die ganze Nacht

Das Dorf wirkt am Mittwoch wie in sich gekehrt. Der Mann mit dem Fahrrad erzählt, normalerweise würde man in jedem zweiten Garten jemanden sehen, irgendwo würde immer einer grüßen. Jetzt: Stille. Der Wind rauscht schräg vom Hainberg herunter, ein paar Vögel sind zu hören, sonst nichts. Ein Ort in Schreckstarre. Irgendwo gibt es dann doch plötzlich eine Bewegung in einem Garten, aber es ist nur ein Mähroboter.

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Der Polizeieinsatz hat die ganze Nacht hindurch gedauert. Auch Notfallseelsorger waren da. Am Eingang der Wohnstraße, in der das alles passiert ist, steht ein Polizeibeamter, übernächtigt, die Augen wie verhangen. Er sagt den Pressevertretern, die vorbeikommen, sie sollten wegbleiben, es gebe nichts zu sehen. Es kursieren Berichte, dass der Vater des Vierjährigen in verzweifeltem Zorn auf Schaulustige und auch auf Fotografen losgegangen sei. Er könne das gut verstehen, sagt der Polizist. Niemand widerspricht ihm.

Die Familie war vor einiger Zeit zugezogen

Bürgermeister Dietmar Barsch.

Bürgermeister Dietmar Barsch.

Barsch erzählt von der Dorferneuerung. Und dann übergangslos davon, dass sein Sohn bei der Feuerwehr ist; er hat am Dienstagabend angerufen, der Vater solle mal Kaffee bringen, der Einsatz dauere wohl länger. Hinterher, sagt der Bürgermeister, habe sein Sohn, selbst gerade Vater geworden, Rotz und Wasser geheult.

Tiefes Mitgefühl mit der Familie

Manche der Nachbarn, die man trotz der Lähmung des Ortes auf der Straße sieht, weil sie beispielsweise mit dem Hund raus müssen, haben etwas Verhaltenes in der Stimme, und es sind gar nicht die Worte, die sie sagen, es ist der Tonfall, der ihre Bestürzung transportiert. Sie habe am Vorabend zwar das Blaulicht gesehen, sagt eine Frau ganz leise, habe aber an Wasser in irgendeinem Keller gedacht, und erst als sie den Hubschrauber hörte, wusste sie, dass es das nicht war. Eine andere Frau erzählt davon, dass sie immer Angst vor Unglücken in ihrem Gartenteich gehabt habe, aber erst als das Enkelkind gekommen sei, habe sie ihn zuschütten lassen. Ein Vater sagt, er wolle gar nicht wissen, was die Familien der Jungen jetzt durchmachen müssten: „Das ist einfach nur Scheiße.“

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Dann sagt er noch etwas, das wohl jeder im Ort denkt, und jeder schämt sich dafür: Ja, es sei makaber, aber er sei froh, dass das nicht seinen Kindern passiert sei.

Polizei geht von einem Unglück aus

Die Polizei Salzgitter teilt am Nachmittag mit, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig eine Obduktion der Jungen beantragt hat. Sprecher Matthias Pintak sagt, natürlich ermittele man in alle Richtungen, also auch in Bezug auf ein Fremdverschulden. Aber im Grunde gehe die Polizei von einem Unglück aus. Es sei schwer, Menschen zu vernehmen, denen die Kinder gestorben seien, fügt er noch an.

„Ein Kind zu verlieren, das ist das Schlimmste“, sagt Bürgermeister Barsch. „Und wenn gleich zwei Kinder sterben ...“ Dann mag er nicht weitersprechen.

Von Bert Strebe

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