Der Motorsound macht’s

Fehlt die Coolness? Warum E‑Fahrzeuge in Games und Filmen kaum eine Rolle spielen

Mercedes liefert ein eigenes digitales Showcar für die Worlds 2022. Und der neue EQS SUV fährt den Pokal zwischen den Spielorten hin und her.

Mercedes liefert ein eigenes digitales Showcar für die Worlds 2022. Und der neue EQS SUV fährt den Pokal zwischen den Spielorten hin und her.

Wenn James Bond mit seinem Aston Martin durchs nächtliche Rom brettert, mit quietschenden Reifen durch die Kurven driftet und dabei auch noch ganz locker seine Verfolger abhängt, dann ist das für den britischen Geheimagenten eine seiner leichtesten Übungen. Für den größtmöglichen Lässigkeitsfaktor darf natürlich der Abgang per Schleudersitz im knitterfreien schwarzen Anzug nicht fehlen. Schließlich ist 007 seit jeher in Fahrzeugen prestigeträchtiger Luxushersteller unterwegs – ganz nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht“. Aber ist ein millionenschwerer Sportwagen mit 463 PS und V8-Motor in Zeiten der Klima- und Energiekrise überhaupt noch zeitgemäß?

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Während der klassische Verbrenner in „Spectre“ (2015) und vielen anderen actiongeladenen Hollywoodproduktionen immer noch die Hauptrolle spielt, entwickelt sich die Realität in die gegensätzliche Richtung: Jeder sechste neu zugelassene Pkw in Deutschland ist ein Elektroauto, wie aktuelle Zahlen des ADAC zeigen. Tendenz steigend.

Motorengeräusche regen die Fantasie an

Dass sich dieser Aufwärtstrend in naher Zukunft auf die Filmindustrie auswirken und Bond auf einen elektrischen Dienstwagen umsteigen wird, hält der französische Sounddesigner Nicolas Becker dennoch für unwahrscheinlich. Die Gründe dafür seien vielfältig und komplex, sagt der 52-Jährige, der im vergangenen Jahr mit dem Oscar für den besten Ton ausgezeichnet wurde: „Das Geräusch eines Motors ist auch heute noch ein kultureller Aspekt einer Fantasie und einer bestimmten sozialen Repräsentation“, meint Becker.

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So ist das Fahrzeug mit seinem unverwechselbaren Motorengeräusch filmgeschichtlich zum stereotypischen Stilmittel geworden. Es ist zum hörbaren Ausdruck bestimmter, meist männlich geprägter Charaktereigenschaften avanciert, die unmittelbar an die des Fahrzeugs gebunden sind. Die Rechnung scheint einfach: Je kostspieliger der fahrbare Untersatz, je mehr PS und je imposanter der Sound, desto mächtiger, attraktiver und selbstbewusster soll die Filmfigur erscheinen. Wer da aus finanziellen oder praktischen Gründen nicht mithalten kann oder mit der Familienkutsche unterwegs ist, wird als konservativ und spießig abgestempelt.

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Anspielungen auf James Bond

Dass diese Rechnung nicht immer aufgeht und die Film- und Fernsehindustrie beginnt, tradierte Verfahren zu hinterfragen und mit klischeebehafteten Darstellungen aufzuräumen, beweist beispielsweise Ashton Kutcher in „Two and a Half Men“. Obwohl der von ihm gespielte Internetunternehmer Walden Schmidt Milliarden besitzt, fährt er einen Plug-in-Hybrid. Es handelt sich dabei allerdings nicht um irgendein Modell, sondern um einen Fisker Karma – eine 407 PS starke Oberklasselimousine. Die Auswahl dürfte nicht zufällig auf genau dieses Auto gefallen sein: Entworfen wurde die Karosserie nämlich von Henrik Fisker – dem Designer des Aston Martin DB 9. Mit diesem Kniff demonstrieren die Serienmacher, dass sich Umweltbewusstsein und Coolness à la James Bond in nur einer Figur vereinen lassen.

Aufgeweicht wird dieses Entweder-oder-Prinzip zugunsten eines vielschichtigen Spielerlebnisses inzwischen auch in der Gaming-Branche. In immer mehr Rennspielklassikern finden Spielende neben einer beachtlichen Auswahl an Verbrennern auch Elektrofahrzeuge. Im siebten Teil der Rennserie „Gran Turismo“ etwa, der im März dieses Jahres bei Sony Interactive Entertainment erschienen ist, landen gleich zwei Stromer unter den zehn schnellsten Autos des Spiels: der Jaguar VGT SV und der Porsche VGT. Mit weit mehr als 1000 Pferdestärken flitzen Rennfans durch die virtuelle Welt des Motorsports. Auch, wenn das von Microsoft für Xbox entwickelte „Forza“ (2005) und dessen Ableger „Forza Horizon“ (2012) dagegen eine alltagstauglichere und größere Auswahl an E-Autos bieten – darunter Teslas Modell S sowie der Nissan Leaf –, bleiben Elektroautos in Videospielen bisher eher die Ausnahme.

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Eine Branche muss umdenken

Dass elektrische Fahrzeuge in Filmen und Games bisher kaum oder nur wenig Beachtung finden, hat aber nicht nur soziokulturelle, sondern auch produktionstechnische Gründe. In den meisten Produktionen rücken Autos bei einer Verfolgungsjagd in den Vordergrund des Geschehens. Für maximale Dramatik und einen effektiven Schnitt eigneten sich vor allem klassische, laute Motoren mit sehr unterschiedlichen Klangeigenschaften, erinnert sich Becker an seine Arbeit an Polanskis „Ghostwriter“ (2010).

Das Festhalten an konservativen Verfahren sei häufig schlichtweg der Gewohnheit geschuldet: So gebe es in der Film- und Gaming-Industrie über Jahrzehnte entstandene Soundbibliotheken. Die Entwicklung neuer Technologien mache nicht nur das Zurückgreifen auf standardisierte Geräusche hinfällig, sondern erfordere ein Umdenken in der ganzen Branche, gibt Becker zu bedenken. Bis Elektrofahrzeuge einen mit Verbrennern vergleichbaren Stellenwert in Filmen und Spielen einnehmen, müssten wir uns folglich noch gedulden.

Wie Integrationen in Kino und Game-Welt künftig aussehen könnten, zeigt die Weltmeisterschaft des Battle-Game-Klassikers „League of Legends“ (29.10. bis 5.11.). Zum diesjährigen Turnier, kurz Worlds 2022 genannt, hat Mercedes-Benz seine Partnerschaft mit dem Spieleproduzenten Riot Games verlängert. Erstmals zeigen die Schwaben dort ein virtuelles Showcar. Zudem transportiert ein vollelektrischer EQS SUV den Siegerpokal Summoner‘s Cup zwischen den unterschiedlichen Spielorten in den USA – und für das Riesendisplay in den neuen Elektroluxusfahrzeugen von Mercedes wird eigens ein „League of Legends“-Look entwickelt.

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