Renault setzt auf Hybrid

Der neue Renault Austral: den Süden im Namen, den Diesel im Visier

Ein gutmütiger Reisebegleiter: Renaults neues Kompakt-SUV Austral.

Ein gutmütiger Reisebegleiter: Renaults neues Kompakt-SUV Austral.

Wenn der französische Hersteller Renault einen Fahrzeugnamen wechselt, dann hat das häufig mit einer gewissen Unzufriedenheit mit dem entsprechenden Modell zu tun. So erging es jetzt auch dem Kadjar. Ihn beerbt im selben Fahrzeugsegment nun der Austral.

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Austral, speziell in der von uns getesteten Variante AustralE, das klingt doch verdächtig nach Australien. Wenn auch das französische Produkt nichts mit Down Under zu tun hat, so sind die Namen doch verwandt. Terra australis, Südland, hieß schon in der Antike ein vermuteter Südkontinent, der später durch den Entdecker Matthew Flinders (1774–1814) Australien genannt wurde. Bis heute gibt es im Deutschen, Englischen und Französischen das Adjektiv austral, das südlich bedeutet.

Irgendwas mit Süden soll der Austral also vermitteln, was wohl am besten bei Spaniens herbstlicher Sonne zur Geltung kommt. Der Austral ist auch am besten südlich-gemütlich zu fahren. Wir taten das mit der Topvariante Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200. Der 200 PS starke Vollhybrid in der Topausstattung Alpine soll in erster Linie Dieselfahrerinnen und Dieselfahrer abspenstig machen, die einem rein elektrischen Fahrzeug noch nicht trauen, aber dennoch ein halbwegs reines Umweltgewissen haben wollen.

RND-Tester Daniel Killy und der Renault Austral im gebirgigen Umland Madrids.

RND-Tester Daniel Killy und der Renault Austral im gebirgigen Umland Madrids.

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Angetrieben wird der E-Tech Full Hybrid 200 durch einen 1,2 Liter-Turbo-Benziner (Dreizylinder), der es auf gut 96 kW/131 PS bringt. Dazu liefert der Elektromotor, 50 kW/68 PS, was insgesamt eine Systemleistung von 147 kW/200 PS ergibt. Das Prinzip des Dauer-Hybriden, bei dem der Benzinmotor permanent die Batterie auflädt, die wiederum den Stromverbrauch reduziert, ist bei Renault und Toyota ein gängiges Modell. Für zögerliche Umsteiger hat er den Vorteil einer spürbaren Emissions- und Verbrauchsreduzierung. Aber Kompromisse hinterlassen immer Spuren, in diesem Fall bei der Performanz.

War man es früher von französischen Autos gewohnt, dass sie quasi im Passgang der Kamele ruckelten, wenn es um Beschleunigung und Federung ging, sind heute aus dem Kamel 200 etwas eigenwillige Pferdchen geworden, die immer dann etwas scheuen, wenn es aus dem Trab in den Galopp gehen soll. Aber der Austral ist auch kein Sportwagen, sondern ein Auto, mit dem es sich durchaus komfortabel cruisen lässt – und das bei recht sparsamem Verbrauch. Im Mix zwischen Autobahn, Landstraße und kernigen Serpentinen, die sich auf gut 1800 Höhenmeter winden, kamen wir auf 6,6 Liter Verbrauch pro 100 Kilometer. Im Gebirge half in den Kurven auch die als Zubehör erhältliche Allradlenkung 4Control Advanced, die die Person am Volant mit bis zu fünf Grad Einschlag beim Lenken unterstützt. In der Praxis fiel das allerdings nicht deutlich auf – außer bei dem wirklich famosen Wendekreis von 10,1 Metern.

Das Heck des Austral hat durchaus einen eigenen Wiedererkennungswert.

Das Heck des Austral hat durchaus einen eigenen Wiedererkennungswert.

Wer im Austral auf dem Fahrersitz sitzt, hat in der Spitzenversion dieses Autos, mit dem Renault die europäische und asiatische Konkurrenz im C-Segment angreifen möchte, reichlich Auswahl an Assistenz- und Entertainmentsystemen. Die insgesamt 24′' großen Displays als volldigitale Armatur und dem Fahrenden zugeneigter Hochkant-Screen in der Mitte bilden ein leicht verständliches Informations- und Unterhaltungsduo. Hervorgehoben sei weiterhin die HiFi-Anlage von Harman Kardon. Als Reminiszenz an frühere Schalthebel-Ungeheuer ist die Armstütze in Form eines Flugzeug-Schubhebels zu verstehen. Es wäre wünschenswert, er wäre nicht nur Attrappe, aber dazu gleich mehr.

Die Vollintegration von Google Android ließ sich im Praxistest nicht so recht nachvollziehen, da gerade ein Update heruntergeladen wurde oder der Mobil-Empfang im Gebirge eingeschränkt war. Denn eigentlich sollte der Wagen aufs Wort hören. Auf Deutsch bleibt es bei der Ansprache „Hey Google“, auf Französisch allerdings ist das System nur unter „Okay Google“ zu adressieren, da es unseren Nachbarn schwerfällt, ein behauchtes H auszusprechen. Aber ob hey oder okay, Google wollte nicht so recht.

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Freundliches Antlitz, markante Linienführung: der Austral von vorn.

Freundliches Antlitz, markante Linienführung: der Austral von vorn.

Einzig der dünne und billig wirkende Automatikschalthebel, eingezwängt zwischen zwei anderen Mehrfachfunktionshebeln an der rechten Lenkradseite, ist gänzlich aus der Zeit gefallen und wird in der Praxis gern mal mit dem Scheibenwischerhebel verwechselt. Ansonsten sind Komfort und Verarbeitung des Austral in seiner Spitzenvariante hochwertig, das Auto bewegt sich, je nach Ausstattung und Motorisierung, in einer Preisspanne von 29.900 Euro bis 44.000 Euro.

Das sind, auch wenn es in den Ohren vieler hart arbeitender Menschen wie Hohn klingen muss, durchaus kommode Summen. Laut ADAC lag der durchschnittliche Neuwagenpreis in Deutschland im Juli 2022 bei 53.525 Euro. Da bleibt der Austral deutlich drunter, selbst wenn man berücksichtigt, dass er nicht förderfähig ist, wie es bis Jahresende die Plugin-Hybriden noch sind.

Das gut aufgeräumte und ausgerüstete Cockpit. Einziger Schwachpunkt: die Fülle spilleriger Hebel an der rechten Lenkradseite.

Das gut aufgeräumte und ausgerüstete Cockpit. Einziger Schwachpunkt: die Fülle spilleriger Hebel an der rechten Lenkradseite.

Der Wagen, der mit insgesamt 32 Assistenzsystemen an Bord wirklich opulent ausgestattet ist, besticht trotz einer recht kompakten Länge von 4,51 Metern, übrigens auch auf der hinteren Bank mit reichlich Platz. Besonders dank der um 16 Zentimeter in Längsrichtung verschiebbaren Rückbanksegmente. Das schafft nicht nur Platz für Hochgewachsene, sondern auch für bequemes Familienreisen. Das Kofferraumvolumen fasst zwischen 430 und 1455 Litern.

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Ob Südland oder Nordland, der Austral ist ein gutmütiger Kompagnon für entspanntes Reisen. Aber auch wenn Renault-Technikchef Gilles Le Borgne den Austral als Renaults Antwort auf den Diesel charakterisiert: Ein Plugin ohne Stromlademöglichkeit und ohne eigene signifikante Elektro-Reichweite, das ist bei allem Charme des Südens innerhalb der Fahrzeug-Evolution ein zunehmend isolierter Zweig.

 

Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200

Motoren: 1 Reihendreizylinder, DOHC, 1,2 Liter/1 Lithium-Ionen-Batterie (400 Volt)

Antrieb: Front

Systemleistung: 147/200 kW/PS (Benzin: 96/131, Batterie 50/68)

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0–100 km/h: 8,4 s

Max. Drehmoment: 205 Nm

Spitze: 174 km/h (limitiert)

Verbrauch: 4,7 l (WLTP)

Batteriekapazität: 1,7 kWh

Kofferraum: 430 bis 1455 Liter

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Länge/Breite/Höhe: 4510/1825/1618 cm

Leergewicht: 1517

Preis: ab 29.900 Euro (Testwagen 44.000 Euro)

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