Bewegendes Debüt von Juliane Schwarz
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Juliane Schwarz (19) aus Helpsen hält ihren ersten Roman in den Händen.
© Quelle: kil
Helpsen. Ab dem 30. Mai ist das Taschenbuch der 19-Jährigen zu erwerben. Ein besonderer Moment für die Helpserin, die derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst bei einer Kindereinrichtung in Stadthagen absolviert.
Das Thema ihres ersten Romans ist nicht unbedingt typisch für eine junge Autorin: „Es geht um Parkinson“, sagt Juliane im SN-Gespräch. Genauer gesagt um Joy, ein 16-jähriges Mädchen, das in New York aufwächst und eines Tages die schreckliche Diagnose vom Arzt bekommt. Parkinson, was bedeutet das eigentlich?
Genau das hat sich auch Juliane gefragt, nachdem ihr Großvater an einem Tremor erkrankte. „Irgendwann habe ich angefangen, Fragen zu stellen.“ Sie hat recherchiert und nachgefasst und schließlich 2015 beschlossen, ihre Erkenntnisse in einem Buch zu verarbeiten.
Ein Fan der Achtziger
„Zuerst habe ich ein Theaterstück geschrieben. Da ich in der Schule auch Theater gelernt habe, fiel mir das leichter, als einen Roman zu verfassen“, schildert die Helpserin. Das Stück hat sie sogar ins Englische übersetzt und dann versucht, einer Produktionsfirma anzubieten. „Das ging natürlich nach hinten los“, sagt sie und fühlt sich dabei selbst etwas naiv. Ihre Mutter motivierte sie schließlich, aus dem Stück ein Buch zu machen. Gesagt, getan. Nach rund sechs Monaten intensiver Arbeit am Schreibtisch waren rund 380 Seiten geschrieben.
Die Geschichte spielt im New York der achtziger Jahre – „weil ich die Achtziger einfach mag“, erklärt die Nachwuchsautorin. Joy ist ein ganz gewöhnlicher Teenager, bis sie von ihrer schlimmen Krankheit erfährt. Parkinson – bis zum Lebensende. Wie soll man damit umgehen? Als Teenager? Genau mit dieser Frage setzt sich Juliane in ihrem Roman auseinander – mit viel Gefühl, Liebe zum Detail und dazu auch jeder Menge Humor und Sarkasmus.
Gewöhnen kann man sich wohl nie daran
In der Schule wird Joy wegen ihrer chronischen Krankheit gemobbt, die ihre Hände, ihre Füße, ihre Finger unkontrolliert zittern und schütteln lässt. Sie stößt Gläser um, kann sich nicht mehr unbeschwert bewegen. „Zitteraal“ hänseln sie ihre Mitschüler oder „muss echt hart sein, eine Tochter zu haben, die einem auch dann die Hand schüttelt, wenn man sie ihr gar nicht gereicht hat.“
Erst, als Joy auf ein Internat wechselt, wo noch niemand von ihrem Schicksal weiß, fängt die 16-Jährige an, sich an „mein Parkinson“ zu gewöhnen. Wobei: Wirklich gewöhnen kann man sich an eine solche Einschränkung wohl nie.
Der Roman ist kurzweilig und trotzdem tiefsinnig, mal in Briefform, mal in Ich-Form und dann wieder von einem Außenstehenden geschrieben – ein sehr gelungenes Debüt, das Lust zum Weiterlesen macht.
Nach einem Verlag musste Juliane trotzdem vergebens suchen. „Ungefähr 70 Verlage und Agenturen habe ich angeschrieben.“ Zurück kamen rund 40 Absagen und 30-mal gar keine Rückmeldung. „Das war schon hart.“ So entschied sich Juliane schließlich doch, ihr Buch im Selbstverlag „Nora“ zu veröffentlichen.
Erstmal an die Uni
Einen Erfolg gab es noch obendrauf: Bei einem Wettbewerb des Freien Deutschen Autorenverbandes Berlin gewann sie einen Preis mit „C’est la vie“. Ein Ausschnitt ihrer Geschichte wurde sogar in der Anthologie „Respekt – Toleranz – Güte“ veröffentlicht.
Ob Juliane schon einen zweiten Roman in Planung hat? „Erstmal will ich mich auf mein Studium konzentrieren“, sagt die 19-Jährige. Sie will Journalismus studieren. In Magdeburg, Hannover und Dortmund hat sie sich schon beworben. Ob da noch Zeit fürs Schreiben bleibt, werde sich zeigen.
Juliane Schwarz, "C'est la vie – Das geschüttelte Glück", ISBN 978-3-86557-444-2, Nora-Verlag, Taschenbuch 19,90 Euro. kil