Fallzahlen sinken

Corona-Herbstwelle bricht: Was heißt das für den Winter?

Spaziergänger gehen durch den bunten Herbstwald am Ballenstedter Schloss.

Spaziergänger gehen durch den bunten Herbstwald am Ballenstedter Schloss.

Ist es das schon gewesen? Geht die Corona-Herbstwelle, vor der Expertinnen und Experten monatelang gewarnt hatten, schon wieder zu Ende? Die Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) lassen so etwas vermuten: Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Corona-Fallzahlen der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen beschreibt, geht langsam zurück. Am Freitag war sie von 661,3 auf 644,5 gesunken. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich beim Anteil der positiven Corona-Proben und beim R‑Wert, der Auskunft über die Geschwindigkeit der Ausbreitung des Coronavirus gibt, ab.

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Die Zahlen sind vielversprechend, aber wackelig. Der Infektionsdruck bleibt in allen Altersgruppen hoch, schreibt das RKI in seinem jüngsten Wochenbericht. Das Virus breitet sich weiterhin in der Bevölkerung aus, Ansteckungen sind jederzeit möglich. „In den kommenden Wochen ist weiterhin saisonal bedingt mit einer hohen Zahl an respiratorischen Erkrankungen insgesamt zu rechnen“, erklärt die Behörde. Gemeint sind damit nicht nur Covid-19-Erkrankung, sondern auch Infektionen mit Grippe- oder anderen Erkältungsviren. Auch sie haben in der kalten Jahreszeit Hochsaison.

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Lage in den Krankenhäusern bleibt angespannt

Dass die Infektionslage noch nicht unter Kontrolle ist, zeigt auch der Blick in die Krankenhäuser. „Aktuell ist bei uns vor allem die Pflege durch Krankheitsfälle beim Personal ausgedünnt“, sagt Cihan Çelik, Leiter der Sektion Pneumo­logie am Klinikum Darmstadt, am Dienstag. „Sowohl Covid als auch andere Atemwegsinfektionen treiben derzeit die Anzahl der Ausfälle nach oben.“

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Hinzukommt, dass derzeit wieder mehr Menschen wegen einer schweren Atemwegserkrankung oder Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen – mehrheitlich auf den Normalstationen, teilweise aber auch auf den Intensivstationen. „Wir sind gerade im steilen Anstieg der Infektionen, irgendwann ist mit einem Rückgang zu rechnen“, sagt Çelik. „Ich kann es aber nicht absehen, wie hoch es noch steigen wird.“

Entwarnung vor der Herbstwelle kann also noch nicht gegeben werden. „Der Anstieg der Corona Fallzahlen ist zunächst gebremst“, stellt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor wenigen Tagen auf Twitter fest. Er führt diese Entwicklung auf die Herbstferien zurück. Nach den Ferien beginne dann aber „ein Marathon gegen das Virus“.

Immunität hat zugenommen

Es gibt noch weitere Gründe, warum die Herbstwelle gerade abflacht. Zum Beispiel die Immunität. In den vergangenen Wochen haben sich zahlreiche Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das wird beim Blick auf die RKI‑Statistiken deutlich – wobei diese nicht alle Fälle ausweisen. Denn immer häufiger werden positive Schnell- und Selbsttests nicht mehr mit PCR‑Tests überprüft; doch nur diese fließen in die Statistiken mit ein. Es gibt also eine hohe Dunkelziffer bei den Infektionszahlen.

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Bei jedem Kontakt mit dem Virus wird das Immunsystem geboostert. Dadurch entsteht ein vorübergehender Schutz vor erneuter Ansteckung. Das heißt, je mehr Menschen sich infizieren, desto mehr sind kurzfristig geschützt und desto weniger anfällige Wirte findet das Virus. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Impfungen zu – wenn auch nur langsam. Mehr als die Hälfte der Deutschen hat inzwischen drei Impfungen erhalten, rund 11 Prozent sind sogar viermal geimpft. Auch die Impfungen erschweren es dem Virus, sich auszubreiten.

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Genauso dürfte das Wetter eine Rolle spielen. Da es in den vergangenen Tagen verhältnismäßig warm gewesen ist, habe sich das Kontaktverhalten verändert, sagte Berit Lange vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung gegenüber der „Zeit“. Mehr Menschen hätten sich draußen aufgehalten, wo das Infektionsrisiko geringer ist. Die Epidemiologin vermutet zudem, dass der steile Anstieg der Corona-Fallzahlen dafür gesorgt haben könnte, dass sich die Menschen wieder vorsichtiger verhalten.

Neue Virusvariante könnte Infektionsdynamik verändern

Dieses umsichtige Verhalten wird in den kommenden Wochen weiter wichtig bleiben. Schließlich ist nicht klar, wie dynamisch das Infektionsgeschehen noch wird – und ob sich nicht vielleicht doch noch eine neue Virusvariante durchsetzt, die leichter übertragbar ist oder sogar schwerer krank macht. Weltweit werden derzeit neue Subtypen der Virusvariante Omikron entdeckt. Welche davon am Ende das Rennen machen werden, lässt sich nicht sagen.

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Das RKI empfiehlt daher, an den bestehenden Maßnahmen festzuhalten. Also: Wer krank ist oder Symptome hat, bleibt zu Hause und lässt sich gegebenenfalls testen. Bei Treffen in Innenräumen sollte regelmäßig gelüftet werden, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Und gerade Risikogruppen sollten sich impfen lassen – sowohl gegen Covid-19 als auch gegen Influenza. So lässt sich auch eine mögliche Doppelwelle ausbremsen, die im Winter schlimmstenfalls drohen könnte. Die Virengefahr ist noch nicht gebannt.

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