Wahrscheinlichkeit von 0,0004 Prozent

Hirn­venen­thrombose nach Astrazeneca-Impfung: Eine Betroffene berichtet von ihrem Kampf ums Leben

Die Zwillings­schwestern Carolin und Stefanie aus Schrebitz. Carolin hat infolge einer Impfung eine Hirn­venen­thrombose bekommen, ohne ihre Schwester hätte sie die Zeit der Krankheit kaum überstanden.

Die Zwillings­schwestern Carolin und Stefanie aus Schrebitz. Carolin hat infolge einer Impfung eine Hirn­venen­thrombose bekommen, ohne ihre Schwester hätte sie die Zeit der Krankheit kaum überstanden.

0,0004 Prozent: So hoch ist die statistische Wahr­schein­lich­keit, nach einer Corona-Impfung eine Hirn­venen­thrombose zu erleiden. Auf eine Million Menschen gerechnet trifft es also gerade einmal vier Personen. Knapp 100 Fälle hat es in Deutschland bisher gegeben. Carolin B. aus der Nähe von Leipzig war eine davon. Mit der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) hat die 28‑Jährige über ihr Schicksal gesprochen, das ihr fast das Leben kostete – und den damaligen Gesund­heits­minister Jens Spahn (CDU) womöglich zum Handeln brachte.

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Die heute 29‑Jährige erhielt Mitte März 2021 ihre erste Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca. Eine Woche später – während in Europa die Diskussionen um das Vakzin beginnen – beginnen bei ihr Kopf­schmerzen. Dass sich bei Carolin B. ein Blut­gerinnsel im Kopf gebildet hat, erkennt zunächst niemand. Gerade einmal sieben Fälle hat es zu dieser Zeit gegeben.

Zwei Klinikbesuche bleiben ohne Befund, doch ihre Schmerzen werden täglich stärker. Erst als sie von ihrer Zwillings­schwester Stefanie in eine dritte Klinik zur Untersuchung gefahren wird, wird die Hirn­venen­thrombose erkannt. B. ist sich heute sicher: „Ohne meine Schwester würde ich nicht mehr leben.“ Eine Notoperation, bei der sie sogar wiederbelebt werden musste, rettete ihr das Leben. Nach zwei Wochen Koma und fast einem Jahr Reha ist sie wieder zu Hause. Ganz die Alte ist sie noch nicht, doch der Kampf um ihr altes Leben motiviert sie.

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Damit die Impfkampagne möglichst schnell ins Rollen kommen konnte, übernahm im September 2020 die EU die Verantwortung für die Impfstoffe. Haftbar ist also nicht Astrazeneca, sondern der Staat. Von diesem erhält Carolin neben ihrer Erwerbsminderungsrente von monatlich 1200 Euro, weil ihre tägliche Arbeitsfähigkeit bei maximal drei Stunden liegt, eine lebenslange Entschädigung von monatlich 360 Euro. „Dafür, dass ich fast gestorben bin, kommt es mir wenig vor“, sagt Carolin B.

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Kurz nach OP: Spahn ändert Astrazeneca-Zulassung

Auch wenn sie sich häufiger gefragt habe, warum es ausgerechnet sie getroffen habe, gibt es auch etwas, das ihr Optimismus verleiht. Drei Tage nach ihrer OP ordnete der damalige Gesund­heits­minister Spahn die Astrazeneca-Zulassung nur noch für Menschen über 60 Jahren an. „Meine Ärztin sagte mir später, dass ich der Grund dafür war“, sagt B. Auch wenn sich das nicht überprüfen lässt, bleibt der Gedanke: „Vielleicht habe ich dafür gesorgt, dass anderen Leid erspart geblieben ist.“

Ihre Impfung bereut sie nicht. „Man hat ja immer gesagt, die Impfung ist sicher. Das habe ich geglaubt. Was soll ich also bereuen?“ Am Ende war sie eine von wenigen Personen, die das Schicksal der Hirn­venen­thrombose ereilt hat. „Damit muss ich leben.“

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RND/LVZ/jst

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