Lockerungen oder nicht? Experten sind gespalten – Streeck stellt G-Regeln infrage

Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, stellt die G-Regelung infrage. Andere Expertinnen und Experten hingegen betrachten diese weiterhin als sinnvoll.

Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, stellt die G-Regelung infrage. Andere Expertinnen und Experten hingegen betrachten diese weiterhin als sinnvoll.

Berlin. Die Debatte um Lockerungen der Corona-Maßnahmen läuft in Deutschland auf Hochtouren – vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen am kommenden Mittwoch hört man auch aus der Wissenschaft unterschiedliche Stimmen, was der richtige Weg ist. Die einen warnen vor zu schnellen Öffnungsschritten, andere peilen bereits den Weg zurück zur Normalität an. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte zuletzt Lockerungen „deutlich vor Ostern“ in Aussicht gestellt.

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In der Diskussion sind etwa die 2G- und 2G-plus-Regelungen. Etwa im Einzelhandel sind die Vorgaben in den Ländern teils unterschiedlich: In manchen ist 2G bereits gekippt, andere Länder planen entsprechend. Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Generell wäre eine jetzige Lockerung der 2G-Regeln riskant, weil wir immer noch nicht abschätzen können, wie sich das auf die Omikron-Verbreitung und damit zeitversetzt auf die Einweisung ungeimpfter Infizierter und Erkrankter in die Krankenhäuser auswirken würde.“

Streeck: „Wir müssen vorsichtig zur Normalität zurück“

Etwas anders hatte das zuletzt der Bonner Virologe Hendrik Streeck bewertet und die G-Regelungen infrage gestellt: „Wir müssen vorsichtig zur Normalität zurück. Da darf es aus meiner Sicht keinen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften mehr geben“, sagte er dem „Münchner Merkur“. Aus seiner Sicht übertragen doppelt Geimpfte das Virus wie Ungeimpfte. Mit dem Booster ändere sich das zwar etwas, sicher aber nur für ein paar Monate. „Daher muss man sich generell die Frage stellen, ob man an den G-Regeln festhalten will.“

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Watzl: 2G nicht wegen Ansteckungsrisiko, sondern wegen Erkrankungsrisiko

Der Immunologe Carsten Watzl wies auf Anfrage darauf hin, dass es bei den 2G-Regelungen grundsätzlich nicht so sehr darum gehe, dass sich Ungeimpfte generell schneller ansteckten, sondern darum, dass sie ein höheres Risiko hätten, schwer zu erkranken. „Das ist auch bei Omikron noch so, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf mit einer Omikron-Infektion gegenüber einer Delta-Infektion auch für Ungeimpfte reduziert ist“, stellte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie klar. Vor einem solchen schweren Verlauf schützten Impfung und besonders Booster sehr gut, bekräftigte Watzl.

Mit Blick auf die Frage, inwiefern sich überhaupt das Infektionsrisiko bei der besonders leicht übertragbaren Omikron-Variante zwischen Ungeimpften, Grundimmunisierten und Menschen mit Auffrischimpfung unterscheide, gibt Watzl zu bedenken, dass dies von weiteren Faktoren wie etwa der Zeit seit der letzten Impfung oder auch dem verimpften Vakzin abhänge.

Zeeb: Effektivität der Impfung lasse nach, aber noch immer vorhanden

Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen verwies dazu auf einen aktuellen Bericht der britischen Gesundheitsbehörde (UKHSA). Demnach ist die Effektivität von Impfung und Booster gegen Omikron zwar geringer als gegen Delta, aber immer noch deutlich vorhanden, während Ungeimpfte keinen Schutz haben, erklärte Zeeb. Der Schutz vor einem schweren Verlauf, der ins Krankenhaus führe, sei auch bei Omikron noch deutlich höher.

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Wie wichtig FFP2-Masken im Kampf gegen Omikron blieben, hoben Ulrichs, Watzl und Zeeb hervor. „Sehr entscheidend, um die Omikron-Ausbreitung zu verlangsamen, ist das generelle Tragen von FFP-2-Masken“, so Ulrichs. „Maskentragen sollten wir noch mindestens bis zum vollständigen Abklingen der Omikron-Welle beibehalten.“

Zeeb: Maske und Kontaktreduzierung bleiben wichtig

Aus Zeebs Sicht dürfte die Maske die am längsten beizubehaltende Schutzmaßnahme sein, auch wenn sonst in absehbarer Zukunft immer mehr Einschränkungen fielen – „gegebenfalls auch einfach als Gebot und nicht als Pflicht“, so der Experte. Doch auch Kontaktreduzierung und Abstandsregelungen bleiben aus seiner Sicht wichtig. Auch, wenn nach und nach überall die 2G-Regelungen fielen, halte er es für sinnvoll, „über Begrenzung der Anzahl von Personen in Innenräumen nachzudenken“ – sowohl in Geschäften als auch in Restaurants.

Streeck hatte dem „Münchner Merkur“ gesagt, er halte für den Sommer eine Abschaffung von Corona-Maßnahmen – so auch der Maskenpflicht – für wünschenswert. „Ich plädiere für einen Sommer-Modus und für einen Winter-Modus“. In der warmen Jahreszeit könne auf Maßnahmen verzichtet werden, im Herbst und Winter müssten Maßnahmen sein.

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Intensivmediziner gibt noch keine Entwarnung

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft erklärt vor wenigen Tagen, dass das Gesundheitssystem außerdem nicht mehr drohe zu überlasten. Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivbettenregisters, konnte im Gespräch mit dem RND jedoch noch keine Entwarnung geben. Wie hoch die Belastung im Gesundheitswesen sein werde, lasse sich wegen mehrere Unsicherheitsfaktoren noch nicht sicher abschätzen. Unter anderem wegen älteren Menschen, die gerade bei Omikron schwerer erkranken, wie Karagiannidis beobachte. Zudem könne auch die BA.2-Untervariante von Omikron noch zu einer Verlängerung der Well führen.

RND/dpa/mr

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