USA, Brasilien, Indien: Länder überschreiten Millionen-Marken in Corona-Pandemie

In den USA, Brasilien und Indien haben sich bereits mehrere Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. (Symbolfoto)

In den USA, Brasilien und Indien haben sich bereits mehrere Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. (Symbolfoto)

Brasília/Washington/Neu-Delhi. Die Zahl der Corona-Infizierten ist in Brasilien auf mehr als drei Millionen gestiegen. Das größte und bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas überschritt diese Marke in der offiziellen Statistik des Gesundheitsministeriums am Samstag, 8. August. Es kamen 49.970 gemeldete Neuinfektionen innerhalb eines Tages hinzu.

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Seit dem ersten bestätigten Fall in Brasilien Ende Februar hat das südamerikanische Land inzwischen 100.477 Todesfälle zu beklagen. Im Vergleich zum Vortag waren 905 Todesfälle hinzugekommen.

Alles andere als eine “leichte Grippe”

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro steht wegen seines laxen Umgangs mit der Pandemie seit langem in der Kritik. Er bezeichnete die Lungenkrankheit Covid-19 immer wieder als “leichte Grippe” und stemmte sich gegen Schutzmaßnahmen. “Bolsonaro weiß, dass die Wirtschaftskrise extrem werden wird, vor allem in Lateinamerika, dass viele Regierungen das nicht überleben werden”, sagt der deutsch-brasilianische Politikwissenschaftler Oliver Stuenkel von der Fundação Getulio Vargas in São Paulo. “Er brauchte einen Schuldigen.” Das sind die Gouverneure, an die das oberste Gericht die Kompetenzen übertrug. Bolsonaro zeigte sich häufig ohne Mundschutz in der Öffentlichkeit und löste Menschenansammlungen aus - auch nach seiner Genesung, nachdem er vor wenigen Wochen positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

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Es hat immer wieder Demonstrationen und Protestaktionen gegen den Umgang der Regierung des rechtspopulistischen Staatschefs mit der Krise gegeben. Am Samstag wurden am Strand der Copacabana in Rio de Janeiro für die Corona-Opfer symbolisch rote Luftballons steigen gelassen.

Die Nichtregierungsorganisation "Rio de Paz" platzierte zum Gedenken der Opfer der Covid-19-Pandemie 1000 rote Luftballons und 100 Kreuze am Strand der Copacabana. Die Zahl der Todesopfer des Coronavirus ist in Brasilien auf mehr als 100.000 gestiegen.

Die Nichtregierungsorganisation "Rio de Paz" platzierte zum Gedenken der Opfer der Covid-19-Pandemie 1000 rote Luftballons und 100 Kreuze am Strand der Copacabana. Die Zahl der Todesopfer des Coronavirus ist in Brasilien auf mehr als 100.000 gestiegen.

Besonders stark betroffen ist der Bundesstaat São Paulo, mit der gleichnamigen Hauptstadt São Paulo, Brasiliens größter Stadt. Allein hier gibt es 621.731 Sars-CoV-2-Infizierte (Datenstand JHU 09.08.2020, 14:15 Uhr). Weltweit gibt es keinen Staat mit einer höheren Gesamtzahl. Es folgen Kalifornien (554.388), Florida (526.577) und Maharashtra in Indien (503.084), in dem auch Indiens Metropole Mumbai liegt.

Eine Millionen Fälle in drei Wochen: Infektionszahlen in Indien explodieren

Indien hat als drittes Land der Erde mehr als zwei Millionen registrierte Corona-Infektionen. Wie Daten der Johns Hopkins Universität (JHU) in Baltimore zeigen, stieg die Zahl der bekannten Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 in nur knapp drei Wochen von einer auf zwei Millionen Fälle. In Indien nehmen die bekannten Neuinfektionen damit schneller zu als in anderen Ländern der Erde - auch als in Brasilien oder den USA.

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Trotzdem lockert das Land seine Schutzmaßnahmen zusehends. Wegen des anfangs sehr strikten Lockdowns verloren Millionen Tagelöhner ihre Arbeit und drohten zu verhungern. Mit mehr als 41.000 Toten durch die Krankheit Covid-19 ist die offizielle Sterberate in Indien aber deutlich niedriger als in vielen anderen Ländern. Zwar gehen Experten davon aus, dass die Zahlen zu niedrig sind, allerdings ist in Indien der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung sehr hoch. Bei jungen Menschen geht die Infektion oft ohne Symptome oder nur mit leichten Beschwerden einher.

Mit einer mobilen Teststation sollen die Bewohner von Indiens Armenvierteln auf Covid-19 getestet werden.

Mit einer mobilen Teststation sollen die Bewohner von Indiens Armenvierteln auf Covid-19 getestet werden.

USA drohen ins Chaos zu stürzen

Die Corona-Pandemie stellt die USA vor extreme Herausforderungen für Gesundheitssystem, Politik und Wirtschaft. Millionen Menschen sind nicht versichert, verlieren ihre Jobs als Tagelöhner und können weder für ihre Gesundheit noch für ihr Zuhause zahlen. Die USA haben die fünf Millionen-Schwelle am Sonntagnachmittag überschritten. Laut Daten der Johns Hopkins University waren Sonntagmittag 5.000.603 Infizierte (Datenstand 09.08.2020, 16:14 Uhr) in den USA gemeldet. Am stärksten betroffen sind die Bundesstaaten Kalifornien (554.388), Florida (526.577) und Texas (497.632), die sich auch weltweit unter den Top fünf wiederfinden. US-amerikanische Städte mit den höchsten Infektionszahlen sind New York City (New York, 227.584), Los Angeles (Kalifornien, 206.778) und Miami-Dade (Florida, 131.217).

Die Corona-Krise macht auch der US-Wirtschaft zu schaffen, Hilfszahlungen für Millionen Arbeitslose sind ausgelaufen und unzähligen Mietern droht die Zwangsräumung. Doch die zähen Verhandlungen zwischen Demokraten, Republikanern und der Regierung um ein weiteres großes Corona-Konjunkturpaket sind vorerst gescheitert. Zunächst wurde keine weitere Gesprächsrunde anberaumt. Der Senat verabschiedete sich am Freitagabend (Ortszeit) planmäßig für einen Monat in die Sommerpause. Präsident Donald Trump droht dem Kongress nun damit, Teile des Pakets ohne das Parlament durchzusetzen.

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Die Demokraten hatten zuletzt noch einen Kompromissvorschlag in Höhe von rund zwei Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) vorgelegt, die Republikaner wollten aber offenbar nicht über das von ihnen vorgeschlagene Paket von rund einer Billion Dollar hinausgehen. “Wir liegen weit auseinander”, sagte die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi.

ARCHIV - 14.05.2020, USA, New York: Menschen stehen Schlange vor einer Lebensmittelausgabe für Bedürftige im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Seit Mitte März haben in den USA bereits Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Am 07.08.2020 werden die Arbeitslosenzahlen in den USA für den Juli bekannt gegeben. Foto: Michael Nagle/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 14.05.2020, USA, New York: Menschen stehen Schlange vor einer Lebensmittelausgabe für Bedürftige im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Seit Mitte März haben in den USA bereits Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Am 07.08.2020 werden die Arbeitslosenzahlen in den USA für den Juli bekannt gegeben. Foto: Michael Nagle/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Forscher stellen düstere Prognose auf: 300.000 Corona-Tote bis Dezember

Bis Dezember könnten nach einem weithin beachteten Modell in den USA insgesamt fast 300.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus sterben. Das wären rund 140.000 Tote mehr als derzeit. Wenn 95 Prozent der Menschen in der Öffentlichkeit stets Masken trügen, könnte die Zahl der Opfer bis 1. Dezember mit rund 228.000 deutlich geringer ausfallen, erklärten die Forscher des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle am Donnerstag.

Das Modell des Instituts befürchtet nun bis 1. Dezember 295.000 Tote. Vor der jüngsten starken Zunahme der Neuinfektionen in den USA hatte das Modell bis 1. November noch mit rund 230.000 Toten gerechnet.

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“Wir erleben in den Vereinigten Staaten eine Achterbahnfahrt”, erklärte Institutsdirektor Christopher Murray. Sobald die Infektionen in einem Gebiet dramatisch ansteigen, tragen die Menschen Masken und befolgen die nötigen Vorsichtsmaßnahmen, sobald sich die Situation entspanne, verflüchtige sich aber auch die Vorsicht wieder, wie Murray kritisierte. “Das führt natürlich zu mehr Infektionen. Und der womöglich tödliche Kreislauf beginnt wieder von vorne”, sagte er.

RND/vca/dpa

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