Visier statt Mundschutz: Sind Faceshields eine Alternative zu Behelfsmasken aus Stoff?

Visiere können leicht mittels 3-D-Drucker angefertigt werden, wie Schüler des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums bewiesen haben.

Visiere können leicht mittels 3-D-Drucker angefertigt werden, wie Schüler des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums bewiesen haben.

Im Friseursalon, auf dem Wochenmarkt oder im Kosmetikstudio: Vielerorts tragen die Menschen jetzt Visiere aus Kunststoff statt der üblichen Stoffmasken. Faceshields heißen diese transparenten Schutzvorrichtungen. In einigen medizinischen Bereichen gehören die Gesichtsbedeckungen schon lange zum Standardrepertoire. Manche Bundesländer erlauben das Tragen eines solchen Plastikschirms statt der geforderten textilen Mund-Nasen-Bedeckung mittlerweile auch im Alltag. Hamburg hingegen hatte die Visiere Mitte Oktober im öffentlichen Nahverkehr explizit verboten. Doch bieten Visiere auch einen ausreichenden Schutz vor Coronaviren?

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Visiere bieten Vorteile für Allergiker und Gehörlose

Die Optik ist definitiv gewöhnungsbedürftig. Die gebogenen Kunststoffscheiben, die mittels Bügel oder Band am Kopf befestigt werden, bedecken das Gesicht des Trägers großzügig – wie bei einem Polizisten im Einsatz auf Großdemonstrationen. Vom Haaransatz bis zum Hals verschwindet alles hinter einer Plastikwand. Der Vorteil: Das Visier schließt nicht mit dem Gesicht ab, sondern ist zu drei Seiten hin offen. Dadurch fällt die Atmung um einiges leichter als mit einem mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz aus Stoff.

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Aus diesem Grund könnte ein Faceshield Pollenallergikern und Asthmatikern das Atmen bei Einkäufen oder in der Bahn erleichtern. Auch für Kassierer, Physiotherapeuten oder Servicekräfte in der Gastronomie – um nur ein paar Beispiele zu nennen –, die derzeit über mehrere Stunden einen Mundschutz tragen müssen, wäre das Visier eine gute Option. Ein weiterer Pluspunkt: Gehörlose Menschen, die für ihre Kommunikation im Alltag auf Lippenlesen angewiesen sind, könnten durch den transparenten Kunststoff wieder die Mimik ihres Gegenübers deuten.

Robert-Koch-Institut bezweifelt Schutzfunktion

Doch die Schutzfunktion der Faceshields ist sehr umstritten. Denn durch die offenen Seiten des Visiers erhöht sich die Gefahr, dass beim Sprechen oder Niesen Viren über Aerosolwolken in die Umgebung dringen, enorm. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält die Visiere deshalb bisher nicht für eine “gleichwertige Alternative” zur herkömmlichen Mund-Nasen-Maske. Die Plastikscheiben könnten in der Regel nur die direkt auf den Kunststoff auftreffende Tröpfchen auffangen, schreibt das RKI auf seiner Internetseite. Kurz gesagt: Die Visiere können gegen Tröpfchen schützen, bei Aerosolen ist das zu bezweifeln.

Für diese Empfehlung läge jedoch nur eine “geringe Datenlage” vor. Außerdem seien für die konkrete Gestaltung und Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen immer noch die einzelnen Länder verantwortlich. So gibt es derzeit unterschiedliche Bestimmungen. In Nordrhein-Westfalen sind die Visiere nicht zugelassen - in Hamburg hingegen zuerst schon. Akzeptiert wurde hier jede geeignete Bedeckung für Mund und Nase. Wenige Wochen später werden Faceshields aber auch in Hamburg nicht mehr anerkannt. In Hessen lief es andersrum. Die hessische Landesregierung verwarf ihre Bedenken, dass Visiere keinen Schutz vor einer Ansteckung bieten würden und erlaubte dort neben Behelfsmasken aus Stoff auch Gesichtsvisiere.

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