Welttag zur sexuellen Gesundheit: Chlamydien, Tripper und Co. noch immer weitverbreitet

Laut der Deutschen Aidshilfe werden immer weniger Kondome genutzt – dabei können sie vor Geschlechtskrankheiten schützen.

Laut der Deutschen Aidshilfe werden immer weniger Kondome genutzt – dabei können sie vor Geschlechtskrankheiten schützen.

Hannover/München. Jährlich am 4. September wird der Welttag sexueller Gesundheit (World Sexual Health Day) veranstaltet – mittlerweile seit 2010. Das diesjährige Motto lautet: “Sexual pleasure in times of Covid-19″ (zu Deutsch: “Sexuelles Vergnügen in Zeiten von Covid-19″). Der Tag soll vor allem das Bewusstsein stärken, sich über sexuell übertragbare Infektionen zu informieren und das eigene Schutzverhalten individuell anzupassen.

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Trotz aktueller Reiseeinschränkungen, ist Corona nicht das einzige Virus, das aus dem Urlaub mit nach Hause gebracht werden kann. Anlässlich des Welttags zur sexuellen Gesundheit haben Experten der Telemedizinplattform Spring aus München mit dem zertifizierten Onlinelabor Easytest herausgefunden, welche Geschlechtskrankheiten im Ausland weit verbreitet sind. Hierfür wurden Gesundheitsdaten über Krankheiten und Erreger wie Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis, HPV, HIV, Hepatitis und Genitalherpes ausgewertet.

Chlamydien – weltweit häufig auftretend

Eine Infektion mit Chlamydien zählt auf der ganzen Welt, wie auch in Deutschland, zu den am häufigsten auftretenden Geschlechtskrankheiten. Bei Chlamydien handelt es sich um das Bakterium Chlamydia trachomatis. Die übliche Ansteckung erfolgt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr – am stärksten sind Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Chlamydien können zu Juckreiz im Genitalbereich sowie ungewöhnlichen Ausfluss führen; manchmal zeigt eine Infektion auch gar keine Symptome, kann aber dennoch weitergegeben werden. Werden Chlamydien früh erkannt, können sie oft erfolgreich mit einem Antibiotikum behandelt werden – ansonsten können Unfruchtbarkeit und Gelenkentzündungen schwere Folgen sein.

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So sieht das Bakterium Chlamydia trachomatis unter dem Mikroskop betrachtet aus.

So sieht das Bakterium Chlamydia trachomatis unter dem Mikroskop betrachtet aus.

Gonorrhö – steigende Ansteckungszahlen

Gonorrhö gehört ebenfalls weltweit zu den am häufigsten auftretenden sexuell übertragbaren Krankheiten – auch unter dem Namen Tripper bekannt. Ausgelöst wird er durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae. Wie die Experten ermittelten, treten jährlich schätzungsweise 87 Millionen Fälle von Gonorrhö auf. Bei Frauen bleibt der Tripper oft lange unerkannt, da die Symptome in der Frühphase sehr mild sein können; dazu gehören beispielsweise leichte Schmerzen beim Wasserlassen. Männer hingegen haben oft spürbare Beschwerden, wie stärkere Schmerzen beim Wasserlassen oder Sex sowie Juckreiz. Wird das Bakterium nicht erkannt und bleibt unbehandelt, drohen Entzündungen und Unfruchtbarkeit. Ärzte warnen: Seit 2011 steigen die Ansteckungszahlen in Europa stetig an.

Syphilis – schwer zu identifizieren

Ähnlich wie Chlamydien wird Syphilis auch vor allem beim ungeschützten Sex übertragen – ausgelöst durch das Bakterium Treponema pallidum ssp. Dabei hat kaum eine andere Geschlechtskrankheit solch ein diverses Krankheitsbild wie die Syphilis, meinen die Experten. Das Bakterium kann sich über drei verschiedene Stadien den Weg ins Blut bahnen, wenn es längere Zeit im Körper bleibt und dann die Organe sowie das Gehirn befallen. Syphilis kann anfangs durch kleine, schmerzlose Knötchen rund um die Infektionsstelle erkannt werden – später können auch Fieber, Gelenkschmerzen und Gewichtsverlust auftreten. Am stärksten sind homosexuelle Männer betroffen, doch generell steigen in Mitteleuropa (auch in Deutschland) die Ansteckungszahlen in den letzten Jahren rasant an. “Die Deutsche Aidshilfe meint, ein Grund dafür sei, dass weniger Kondome genutzt werden. Dies kann besonders im Urlaub das Infektionsrisiko nochmals stark erhöhen”, sagt Sven Jungmann, Arzt und Digital-Health-Experte.

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Das Bakterium Treponema pallidum, hier mit der molekularbiologischen Färbemethode FISH (Fluoreszenz in situ Hybridisierung) identifiziert (Spiralbakterien (rot) im Gewebe (grün), Zellkerne (blau)).

Das Bakterium Treponema pallidum, hier mit der molekularbiologischen Färbemethode FISH (Fluoreszenz in situ Hybridisierung) identifiziert (Spiralbakterien (rot) im Gewebe (grün), Zellkerne (blau)).

Humane Papillomviren und Feigwarzen – Impfung möglich

Humane Papillomviren (HPV) sind ebenfalls sexuell übertragbar und treten in mehr als 150 verschiedenen Ausführungen auf. Die so genannten Feigwarzen sind eine der häufigsten Arten, sie lassen kleine braune Knötchen in der Genital- oder Analregion (selten auch im Mund) entstehen. Andere Erreger können unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen; oft klingt eine Infektion jedoch auch von alleine wieder ab und verläuft ohne Beschwerden. Junge Frauen und Männer können sich gegen HPV impfen lassen – die Impfqoute lag in Deutschland zuletzt bei 42 Prozent der Mädchen unter 17 Jahren. “Vielen Jugendlichen und Eltern ist klar geworden, dass die HPV-Impfung einige Krebserkrankungen verhindern kann. Diese Entwicklung ist sehr zu begrüßen, da sie einen großen Beitrag zur Jugendgesundheit leistet, und sie muss weiter vorangetrieben werden”, sagt Christian Wülfing, Chefarzt der Urologie in der Asklepios Klinik Altona.

HIV – tückisch und unheilbar

Eine Infektion mit dem Humane Immundefizienzvirus (HIV) ist nicht heilbar, muss heutzutage bei entsprechender Behandlung jedoch nicht mehr tödlich verlaufen. Das Virus bleibt oft jahrelang unerkannt, weil keine Symptome auftreten – grippeähnliche Symptome können aber auch wenige Wochen nach der Ansteckung auftreten. Aids wird das tödlich verlaufende Stadium erst genannt, wenn das HI-Virus das Immunsystem so stark geschädigt hat, dass es andere Krankheitserreger nicht mehr abwehren kann. Laut den Experten leben aktuell etwa 90.000 HIV-positive Menschen in Deutschland – in ganz Europa sind es schätzungsweise 2,4 Millionen Menschen, etwa zehnmal weniger als in Afrika. “Prävention hat im Falle dieser Krankheiten oberste Priorität. Ob eine wirkvolle Impfung, wie im Falle von HPV, oder das Prinzip Safer Sex mit Kondomen – Geschlechtskrankheiten können einfach und sicher vermieden werden”, sagt Christian Wülfing.

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Hepatitis – kann Leberkrebs verursachen

Hepatitis ist ein Virus, welches zu einer Entzündung der Leber führen kann – egal ob Hepatitis A, B oder C. Dabei kann es auf diverse Wege durch Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten übertragen werden, dazu gehören Sperma, Scheidenflüssigkeit und Speichel. Hepatitis A bleibt oft unerkannt und klingt von alleine wieder ab, Hepatitis B und C können aber chronisch werden und unter anderem Leberzirrhose oder Leberkrebs verursachen. Übliche Symptome sind grippeähnliche Symptome, Übelkeit und Bauchschmerzen – die bekannte Gelbsucht eher selten. Laut den Experten infizieren sich weltweit jährlich 257 Millionen Menschen mit Hepatitis B, obwohl man sich gegen Hepatitis A und B ziemlich verlässlich impfen lassen kann.

Genitalherpes – lebenslanger Begleiter

Wie die Deutsche Aidshilfe auf ihrer Webseite schreibt, sind etwa 90 Prozent der Erwachsenen in Deutschland mit Herpes-simplex-Viren infiziert – viele ohne Symptome, was eine Übertragung jedoch nicht ausschließt. Auch Genitalherpes wird durch diese Viren ausgelöst, meist durch Viren des Typs 2 (HSV-2), seltener durch den Typ 1 (HSV-1), welcher vor allem Lippenherpes hervorruft. Genitalherpes wird häufig über ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen, kann aber auch bereits beim Küssen oder durch Schmierinfektionen weitergegeben werden.

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Schätzungsweise sind die Herpes-simplex-Virus Typ 2 Infektionen in Afrika am höchsten (2012).

Schätzungsweise sind die Herpes-simplex-Virus Typ 2 Infektionen in Afrika am höchsten (2012).

Bei einer Infektion treten oft brennende und schmerzende Bläschen an Schamlippen, am Penis, am After oder im Mund- und Rachenraum auf, welche mit Wasser gefüllt sind. Auch wenn Herpes meist keine schweren gesundheitlichen Folgen hat und von selbst verheilt, lässt es sich nicht aus dem Körper entfernen und kann ein Leben lang aktiv werden, meist wenn das Immunsystem geschwächt ist.

RND

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