„Brimstone“ – Fanatiker im Wilden Westen

Die Stadt in seiner Hand: Ein neuer Priester in Brimstone entpuppt sich als grauenvoller Sadist. Er findet aber eine Gegenspielerin, die es mit ihm aufnimmt.

Die Stadt in seiner Hand: Ein neuer Priester in Brimstone entpuppt sich als grauenvoller Sadist. Er findet aber eine Gegenspielerin, die es mit ihm aufnimmt.

Hannover. Mit einem klassischen Western hat „Brimstone“ nicht viel zu tun. Es gibt hier weder den klassischen Kampf zwischen einem Sheriff und Outlaws oder zwischen Siedlern und Indianern. Stattdessen steht in dieser europäischen Koproduktion das Leben einer Frau im Mittelpunkt: Die stumme Liz (Dakota Fanning), die recht zufrieden Ende des 19.Jahrhunderts mit ihrer kleinen Familie am Rande einer Stadt lebt und dort als Hebamme arbeitet.

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Eine verhängnisvolle Entscheidung

Eines Tages kommt jedoch ein neuer Priester (Guy Pearce) in den kleinen Ort, der Liz von Anfang an unheimlich ist.Sie hat nämlich das unbestimmte Gefühl, dass er gekommen ist, um sie zu bestrafen. Die böse Vorahnung bestätigt sich schnell, als sie sich eigenmächtig bei einer komplizierten Geburt für das Leben der Mutter und gegen das des Kindes entscheidet – zum Unwillen des Priesters, der sie und ihre Familie daraufhin mit heiligem Zorn verfolgt.

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Die unglaublichen Hintergründe dieses Konflikts erzählt dann der niederländische Film in Bildern und Szenen, die oft nur schwer zu ertragen sind. Nicht nur wegen der vorgeführten Gewalt, sondern vor allem wegen der kalten, stets bedrohlichen Atmosphäre, die den ganzen Film prägt. Gezeigt wird dabei, und das macht den Film so aktuell, das Gewaltpotential von religiösem Fanatismus, der hier besonders eine Frau trifft. Thematisiert wird auch ein System, das Frauen nicht nur religiös verbrämt unterdrückt, sondern sie zutiefst erniedrigt, nicht zuletzt durch eine Sexualität, die offen sadistische Züge trägt.

„Game of Thrones“-Star Kit Harington spielt mit

Unterteilt ist „Brimstone“ in vier etwa gleich langen Kapitel. Während das erste und letzte in der erzählerischen Gegenwart spielen, behandeln die beiden mittleren recht ausführlich die Vorgeschichte. Wobei sich Regisseur Martin Koolhoven sehr viel Zeit nimmt, um seine Hauptfiguren zu entwickeln (auch der „Game of Thrones“-Star Kit Harington wirkt mit), was dann auch die lange Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden erklärt. Dennoch wird der Film nie langweilig und wirkt nie langatmig – zu packend ist einfach das Thema und die gute darstellerische Leistung seiner beiden Hauptdarsteller.

Von Ernst Corinth / RND

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