„The Deep“

Der schwere Mann und das Meer

Endlich an Land – wenn auch noch nicht gerettet: Gulli (Ólafur Darri Ólafsson).

Endlich an Land – wenn auch noch nicht gerettet: Gulli (Ólafur Darri Ólafsson).

Reykjavík. Gerade erst hat US-Regisseur J. C. Chandor seinen Film „All Is Lost“ in Cannes vorgestellt, mit Robert Redford als einsamem Protagonisten, dessen Boot im Indischen Ozean sinkt. Und Tom Hanks bleibt in Erinnerung als moderner Robinson Crusoe im Ein-Personen-Drama „Cast Away“. Dass der Einzelne gegen alle Wahrscheinlichkeit etwas ausrichten kann, das möchten wir unbedingt glauben.

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Jetzt kommt Baltasar Kormákurs Spielfilm „The Deep“ ins Kino, ein Abenteuer, das auf wahren Begebenheiten beruht. 1984 geht vor der isländischen Küste bei klirrender Kälte ein Schiffskutter unter, nur Seemann Gulli kann sein Leben retten. Er schwimmt viele Stunden im eisigen Ozean, bevor er endlich irgendwo an Land gespült wird, um sich dann über endlose Lavafelder bis zur nächsten Siedlung zu schleppen. Die Isländer feiern Gulli fortan als den „Seehundmann“, und Forscher studieren ausgiebig den pummeligen Typen, von dem sie glauben, sein Körperfett habe ihn entgegen aller wissenschaftlichen Wahrscheinlichkeit am Leben gehalten.

Kormákur, seit der Komödie „101 Reykjavík“ (2000) einer der erfolgreichsten Regisseure Islands, findet elementare Bilder für Gullis übermenschliche Tortur. Den nächtlichen Meeresszenen ist jede Farbigkeit abhandengekommen, und auch die Unterwasseraufnahmen sind von monochromatischer Schönheit. Dem visuellen Minimalismus entspricht der reduzierte Soundtrack: das Knarzen und Quietschen des Schiffes, das Schreien der Möwen und Glucksen des Meeres. Weitgehend wird auf Musik verzichtet. Wenn Gulli in seiner Einsamkeit mit einer Möwe zu sprechen beginnt und aufzählt, was er tun werde, sollte er einen Tag länger leben, verträgt der Film diesen Rest Sentimentalität.

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Tatsächlich ist das Kinodrama „The Deep“ eine Parabel für den Sieg des menschlichen Willens über die Natur. Als wolle Kormákur die letzten Zweifler überzeugen, hat er im Abspann dokumentarisches Material beigefügt: Der echte Gulli im Krankenbett erzählt seine Geschichte. Das hat der Film gar nicht nötig. Er verdient das Vertrauen in die visuelle Kraft seiner Bilder.

Kristina Tieke

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