Einer fürs Kino, einer gegen Rechts: zum Tod von Hardy Krüger

Der Schauspieler und Autor Hardy Krüger ist tot.

Der Schauspieler und Autor Hardy Krüger ist tot.

Die Krönung seiner Karriere war wohl die Rolle des Tierfängers Kurt Müller an der Seite von John Wayne. Dabei hatte Hardy Krüger in diesem späten Howard-Hawks-Film von 1962 gar nicht so viel zu tun. Hollywoodcowboy Wayne erledigte die große Show, so viril, als würde er die Nashörner in Tansania am liebsten statt mit dem Lasso mit den Zähnen einfangen.

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Krüger, der am Mittwoch im Alter von 93 Jahren im kalifornischen Palm Springs „plötzlich und unerwartet“ starb, wie seine Ehefrau mitteilte, musste neben Wayne eigentlich nur blond und männlich sein. Und war wiewohl eindrucksvoll. Der Zweieinhalbstunden-Füller „Hatari!“ (das Suaheli-Wort für Gefahr) ist auch dank Krüger einer der Klassiker des Abenteuerkinos geworden. Und die Actionszenen sind noch heute sehenswert.

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Der 1928 im Berliner Stadtteil Wedding geborene Krüger hatte schon mit 15 Jahren mit dem Kino begonnen. In „Junge Adler“ spielte er 1944 an der Seite des zwei Jahre älteren Dietmar Schönherr einen Lehrling, der Bomberkanzeln baute. Ein übler NS-Propagandastreifen, um die Jugend ans bröckelnde Reich zu binden. Bei den Dreharbeiten wurde der Eliteschüler Krüger indes von dem älteren Kollegen Hans Söhnker über die verbrecherische Natur des Dritten Reichs aufgeklärt. In der Waffen-SS verweigerte er im März 1945 einen Schießbefehl und desertierte.

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Das deutsche Kino, zu dessen Stars Krüger in den Fünfzigerjahren aufstieg, war ihm schnell zu oberflächlich in seinen heimeligen Übertünchungsversuchen der Hitlerzeit. Die Filme hießen „Schön muss man sein“ (1951), „Die Jungfrau auf dem Dach“ (1953), „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“ und „Die Christel von der Post“ (beide 1956).

Krüger, genervt von diesen meist trivialen Angeboten, hielt Ausschau nach internationalen Projekten. Mit Roy Ward Bakers „Einer kam durch“ begann 1957 sein internationaler Aufstieg. Als deutscher Pilot, der über England abgeschossen wird und alles tut, um wieder kämpfen zu können, spielte er einen von den Nazis Verblendeten und erzählte damit auch aus seiner eigenen Jugend.

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Die dritte „ewige Rolle“ Krügers ist die des Ingenieurs Heinrich Dorfmann in Robert Aldrichs „Der Flug des Phoenix“ (1965). 150 Meilen vom Kurs ist ein Flugzeug in einem Sandsturm abgestürzt. Witzbolde und Defätisten, Haudraufs und Angsthasen sind in einer klaustrophobischen Situation aufeinander angewiesen. Krüger und James Stewart führen ein starkes Ensemble an, das ein Fest gruppendynamischer Zerfallsprozesse zelebriert. Und Krüger ist großartig als der unsympathische Wirtschaftswunderdeutsche, in dessen Großspurigkeit sich ein Rest des vor Kurzem abgestreiften Herrenmenschentums spiegelt.

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Krüger spielte mit Weltstars wie Charles Aznavour („Taxi nach Tobruk“, 1961) und für Regiegenies wie seinen Freund Stanley Kubrick („Barry Lyndon“, 1975). Er war damals – mehr noch als Horst Buchholz und Maria Schell – das Kino-Aushängeschild für die Bundesrepublik, einer zwischen „Hoppla, jetzt komm ich!“ und Demut. Und er verwandelte die ihm oft offerierten Offiziersfiguren, gerne Nazis, in komplexe Charaktere.

Nach Andrew Victor McLaglens Kriegsfilm „Die Wildgänse kommen“ (1978) war er allerdings nur noch sporadisch auf der Leinwand zu sehen. Mit dem damaligen 007-Darsteller Roger Moore, Richard Burton und Richard Harris musste er einen gestürzten schwarzen Demokraten aus diktatorischen Klauen holen. Eine pseudomoralische Gewaltorgie, in der in einem fort geflucht und gestorben wird, bis einen das heldische Finale komplett aus dem Film wirft. Krüger distanzierte sich.

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Und verlegte sich stärker aufs Schreiben – Romane, Geschichten, Reise- und – er war dreifacher Vater – Kinderbücher. Krüger machte den Pilotenschein und war im Fernsehen – etwa in der Reihe „Weltenbummler“ – beliebter Reiseleiter für Bildschirmtouristen. Lange lebte er in der Hatari-Lodge in Tansania. Lange Jahre war er mit seiner dritten Ehefrau Anita Park im Sommer in Hamburg und im Winter in Kalifornien gewesen. Als Heimat aber sah er Berlin an.

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Und blieb in Schulen und bei Auftritten der beharrliche Mahner vor Rechts, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit. Noch als Krüger wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag im Winterhuder Fährhaus sein Buch „Ein Buch von Tod und Liebe“ vorstellte, wandte er sich an sein Publikum: „Wir müssen dafür sorgen, die rechten Gewaltvertreter aus dem Parlament herauszuwählen.“ Ein Satz, für den er tosenden Applaus erhielt. Jetzt ist seine Stimme verstummt, die Filme bleiben. Der Auftrag auch.

Apropos: Wer Hardy Krüger nicht kennt – unbedingt „Hatari!“ anschauen. Doch Vorsicht: Komponist Henry Mancinis „Baby Elephant Walk“ geht einem nie wieder aus dem Ohr.

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