Jury-Chefin Danius gibt auf

Sara Danius, Ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie, scheidet im Streit aus dem elitären Gremium.

Sara Danius, Ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie, scheidet im Streit aus dem elitären Gremium.

Stockholm. Man dachte ja, mit der Auszeichnung des Musikers Bob Dylan wäre das Schockpotenzial der ehrwürdigen Schwedischen Akademie ausgereizt. Doch jetzt erschüttert ein Skandal die Grundfesten jener Institution, die seit mehr als 100 Jahren den Literaturnobelpreis vergibt.

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Am Donnerstagabend trat die Ständige Sekretärin, Sara Danius, von ihrem Amt zurück. Die 56 Jahre alte Literaturwissenschaftlerin war 2015 als erste Frau in diese Position berufen worden.

„Das war der Willen der Akademie, und nach diesem Willen richte ich mich“, sagte Danius. Sie gebe nicht nur den Vorsitz, sondern auch ihren Stuhl auf, wie es in der Akademie heißt.

Zuletzt war sie wegen ihres Umgangs mit einem Belästigungs- und Korruptionsskandal in der Akademie stark kritisiert worden.

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Drei Mitglieder traten nach MeToo-Debatte zurück

Drei der 18 Mitglieder der Literaturnobelpreis-Jury verließen in dieser Woche das Gremium: die Schriftsteller Klas Östergren und Kjell Espmark sowie der Historiker Peter Englund.

Sie protestieren damit gegen die finanzielle Unterstützung einer Kultureinrichtung durch die Akademie. Denn die wird von einem Mann geführt, dem 18 Frauen sexuelle Übergriffe vorwerfen. Die schwedische Zeitung „Dagens Nyheter“ berichtet mit Verweis auf die Klageschrift, er habe jungen Frauen die Namen einiger Nobelpreisträger bereits vorab verraten.

Streit unter Akademie-Mitgliedern spitzt sich zu

Die Frau des Beschuldigten, die Lyrikerin Katarina Frostenson, sitzt in der Akademie neben der abgetretenen Danius. Die Mitgliedschaft in dem elitären Gremium ist auf Lebenszeit angelegt und endet eigentlich erst mit dem Tod.

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Die schwedische Schriftstellerin Katarina Frostenson ist seit 1992 Mitglied in der Akademie.

Die schwedische Schriftstellerin Katarina Frostenson ist seit 1992 Mitglied in der Akademie.

In dieser Woche stimmten die Mitglieder dennoch über den Verbleib von Frostensen in der Akademie ab. Eine knappe Mehrheit sprach sich für die umstrittene Lyrikerin aus – Grund genug für Östergren, Espmark und Englund sich aus Protest von den Sitzungen zurückzuziehen.

„Die Mehrheit nahm zu viel Rücksicht auf Einzelpersonen und zu wenig auf die Statuten“, begründete der frühere Ständige Sekretär Peter Englund in der Zeitung „Aftonbladet“ seine Entscheidung.

Das Trio der Abtrünnigen bezeichnete Horace Engdahl daraufhin als „schlechte Verlierer“. Er war zwischen 1999 und 2009 Ständiger Sekretär und ist Inhaber des Akademiestuhls Nummer 17.

Die Zukunft der Schwedischen Akademie ist unklar

Die verwaisten Plätze können erst neu vergeben werden, wenn die Inhaber sterben. Gleichzeitig müssen mindestens zwölf Mitglieder über die Berufung neuer Kollegen abstimmen.

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Da bereits vor Jahren zwei weitere Mitglieder im Streit ausgeschieden sind, ist die Akademie mit nur noch elf Aktiven nun faktisch handlungsunfähig.

Das gilt jedoch nicht für die Vergabe des Literaturnobelpreises. "Ein Kandidat muss mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhalten", heißt es über die Auswahl des Preisträgers auf der offiziellen Nobelpreis-Website nobelprize.org.

Die Akademie hat nun ein halbes Jahr Zeit, sich für die Verkündung des nächsten Literaturnobelpreisträgers aufzustellen.

Von RND/dpa/Nina May

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