Maler Lüpertz will die USA erobern

Gegenwartskünstler Lüpertz: „Ich bin Kolumbus“.

Gegenwartskünstler Lüpertz: „Ich bin Kolumbus“.

Washington. Markus Lüpertz erscheint im eleganten Glencheck-Dreiteiler, mit Hut, Silberknauf-Stock und imposantem Totenkopf-Ring am linken Mittelfinger. Die letzten Meter zur Phillips Collection in Washington legt der 76-Jährige, in Deutschland einer der bekanntesten Gegenwartskünstler, zu Fuß zurück. In den USA kennen ihn noch wenige – doch das soll sich ändern: Einander ergänzende Ausstellungen in zwei der schönsten Museen der US-Hauptstadt erlauben nun erstmals tiefere Einblicke in seine farb- und formgewaltige Bilderwelt.

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„Seine Arbeiten haben etwas Berauschendes“, sagt die Kuratorin der Phillips Collection, Dorothy Kosinski. „Über seine bemerkenswerte Karriere hinweg hat Markus Lüpertz beharrlich die Kunst, historische Gegebenheiten und die Normen des Modernismus herausgefordert und provoziert.“

Lüpertz arrangierte selbst die Bilderhängung

Auch Kosinski lernte die herausfordernde Seite kennen; die geplante Hängung des 50 Jahre überspannenden Bilderbogens gefiel Lüpertz nicht. Also arrangierte er die Werke aus verschiedenen Phasen seines Schaffens in den intimen, familiären Räumen um, intuitiv. „Auf einmal waren wir aus den normalen Mustern befreit“, freut sich Kosinski über das Ergebnis, das keiner Chronologie oder Themensetzung folgt.

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Ein paar Kilometer weiter, im untersten Geschoss des Hirshhorn Museums, weitet sich der Raum, aber der Blick fokussiert sich – auf die frühen Lüpertz-Gemälde der 60er und 70er Jahre. „Threads of History“ (Fäden der Geschichte) wählten die Kuratoren als Motto für die großformatigen Arbeiten, in denen Lüpertz babylonische Stadtstrukturen, aber auch deutsche Motive wie Stahlhelm, Soldatenrock oder Ähren aufgreift. Auch das zwölf Meter überspannende Gemälde „Westwall“ ist zu sehen.

„Ich bin völlig unpolitisch“

Für Lüpertz, den Freigeist mit Dandy-Auftritt und „Anti-68er“, liegt die Botschaft allein im Auge des Betrachters. „Helme haben mich als Gegenstand optisch fasziniert. Aber ein Helm erzählt seine eigene Geschichte, für die bin ich nicht verantwortlich.“ Auch ein Künstler könne seine Zeit nicht verstehen. „Er muss sie glauben. In der Kunst ist es sehr viel schöner zu glauben als zu wissen. Ich glaube an die Kunst.“

Einige der frühesten Werke von Lüpertz verfremden Donald Duck. „US-Comics haben uns damals eine neue Sprache gebracht“, sagt Lüpertz. Auch amerikanische Expressionisten der 50er Jahre seien wichtig gewesen. „Es war eine fantastische Befreiung der Malerei, von der wir damals alle profitiert haben.“ Ob ihn Amerika immer noch beeinflusse, fragen US-Journalisten. „Nein, heute bin ich nicht mehr von Amerika inspiriert.“ Mit aktueller Politik habe das allerdings nicht zu tun. „Ich bin völlig unpolitisch.“

Trotzdem lockt die Neue Welt: „Ich finde es schade, dass diese Werkschau so spät kommt. Ich hoffe, dass die Ausstellungen hier zu meinem Ruhm beitragen. Amerika gilt es für mich noch zu erobern. Ich bin Kolumbus!“

Von Andrea Barthélémy/dpa/RND

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