Oldenburger Filmfest erlaubt sich Seitenhieb gegen Berlinale

Den Größenwahnsinn im Blick: Oldenburgs Filmfest-Chef Torsten Neumann als Dr. No Bullshit.

Den Größenwahnsinn im Blick: Oldenburgs Filmfest-Chef Torsten Neumann als Dr. No Bullshit.

Oldenburg. Anfang Mai wurde Torsten Neumanns Name in der Filmbranche hoch gehandelt. Der Mitbegründer und Leiter des kleinen, aber feinen Oldenburger Filmfestivals fand sich urplötzlich auf einer Liste möglicher Nachfolger für den scheidenden Berlinale-Chef Dieter Kosslick wieder. Das Branchenblatt "Screen International" hatte darüber berichtet. Neumanns Telefon klingelte nach Veröffentlichung tagelang nahezu ununterbrochen.

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Einen Anruf der Berlinale erhielt Neumann jedoch nicht. Und er wird ihn auch erst einmal auf unbestimmte Zeit nicht bekommen, denn in Berlin haben die Verantwortlichen mit Carlo Chatrian vom Filmfest in Locarno inzwischen einen anderen Ersatz für Kosslick gefunden.

Neumann nimmt es mit Humor. Zumindest wenn man dem neuen Trailer für die 25. Ausgabe des Oldenburger Filmfestivals (12. bis 16. September) glauben mag. Der knapp drei Minuten lange Film strotzt nur so vor Selbstironie. „Das war schon immer unser Stil“, sagt Neumann. „Und zum großen Jubiläum darf man sich erst recht so einen kleinen Spaß erlauben.“

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Praktikantenschinder, Megalomane, Sturkopf und verkanntes Genie: Der 53-Jährige spielt gekonnt mit seinem nicht gerade schmeichelhaften Image als arroganter Festivalchef. Und auch die Berlinale kriegt ihr Fett weg. „Die A-Festivals sind Dummköpfe“, schimpft dort Neumann. „Ich habe ihnen meine Dienste angeboten, sie haben abgelehnt.“

Der kleine Seitenhieb in Richtung Berlin habe sich einfach angeboten, sagt Neumann. „Bei der Berlinale wird man es hoffentlich mit Humor nehmen.“ So wie 2017 die Kanadier als die Oldenburger eine Anzeige des Toronto Filmfestivals in der Fachpresse während der Filmfestspiele von Cannes persiflierten. „Das fanden die auch ganz schön witzig“, erinnert sich Neumann. „Und ganz Cannes hatte eine neues Gesprächsthema: unsere Anzeige.“

Original und Parodie: Anzeige des Toronto Filmfestivals und des Filmfestes Oldenburg (rechts) während des Festivals in Cannes.

Original und Parodie: Anzeige des Toronto Filmfestivals und des Filmfestes Oldenburg (rechts) während des Festivals in Cannes.

Bond-Rechte dank guter Beziehungen

In dem aktuellen Trailer, der ab Donnerstag auf über hundert Leinwänden bundesweit gezeigt wird, spielt Neumann den diabolischen Dr. No Bullshit, der James Bond (Sean Connery) die Vorzüge seines Genies und seiner Organisation „Fectre“ (Filmfestival Executive für Comedy, Thriller, Revenge und Exploitation) erklärt. Der kurze Film ist ein sogenanntes Mashup einer Originalszene aus „James Bond – 007 jagt Dr. No“ und in Oldenburg zusätzlich produziertem Material, das sich nahezu nahtlos einfügt.

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„Die Idee hatte ich schon vor zwei Jahren, aber wir haben sie ganz schnell wieder verworfen“, sagt Neumann. Ohne die Bond-Rechte sei das Mashup einfach nicht möglich gewesen. „Und ich habe nie daran geglaubt, dass wir die überhaupt bekommen.“

Dass die Oldenburger die Erlaubnis des Filmstudios MGM für die Zweckentfremdung von James Bond erhielten, grenzt tatsächlich fast an ein Wunder. Zu verdanken ist dies wohl nur Neumanns Verlobten, der Hollywood-Schauspielerin Deborah Kara Unger („Crash“, „Zahltag“). Nachdem eine erste Anfrage bei den Rechteinhabern unbeantwortet blieb, deutete sie in einem letzten Versuch leicht an, mit der Bond-Produzentenfamilie Broccoli bekannt zu sein. Die Antwort auf diese Mail kam postwendend – und nach ein paar Rückfragen aus Los Angeles hatte Neumann die Nutzungsvereinbarung in der Tasche. „Ich habe es aber erst geglaubt, als ich den Vertrag tatsächlich in den Händen hielt“, sagt Neumann.

Zehn Stunden Dreh für drei Minuten

Trailerproduktion: Torsten Neumann (links) und Mischmeister Alexander Steffen beim Soundmix im Studio der Berliner Synchron.

Trailerproduktion: Torsten Neumann (links) und Mischmeister Alexander Steffen beim Soundmix im Studio der Berliner Synchron.

Zwei Tage später begann der Dreh in einer leerstehenden Oldenburger Villa. Für die Ausstattung sorgte der Intendant des Oldenburger Staatstheaters, Christian Firmbach, persönlich, der für Neumann in den Betriebsferien den Theaterfundus aufschloss. Nach zehn Stunden waren alle Einstellungen im Kasten.

Hochkreativ, irgendwie anarchisch und mit wenigen Mitteln das Optimum herausgeholt: Der neue Trailer steht durchaus beispielhaft für das kleine Oldenburger Filmfestival. Das alles hätte die Berlinale natürlich auch haben können. Plus den größenwahnsinnigen Praktikantenschinder Dr. No Bullshit mit seinem harten deutschen Akzent.

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Sie haben aber in Berlin abgelehnt. Gut für Oldenburg.

Von Denis Krick/RND

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