Zum Tod von Joe Cocker

Raues Leben, raue Stimme

Joe Cocker wurde 70 Jahre alt.

Joe Cocker wurde 70 Jahre alt.

London. Deutschland war für Joe Cocker bis zuletzt ein Rockparadies. Der Sänger schaffte es hierzulande seit den Achtzigern, den Jahren seiner größten Erfolge, mit fast allen Alben in die Top Ten. 2010 landete er mit „Hard Knocks“, seiner vorletzten Platte, sogar eine Nummer eins. Das hat er in seinem Heimatland England nie geschafft. Einige harte Treffer habe er in seinem Leben hinnehmen müssen, singt er im Titelsong von „Hard Knocks“. So manche Blutergüsse und Narben zeugten von den dunklen Zeiten seines Lebens. Der Alkohol, in den Siebzigern im Übermaß in sich hineingeschüttet, hat wohl die fiesesten Furchen hinterlassen. Den Kampf mit dem Lungenkrebs hat der Rock- und Bluessänger nun verloren. Joe Cocker starb in der Nacht zu Montag. Er wurde 70 Jahre alt.

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Drei Dinge, an die man bei Joe Cocker sofort denkt:

1. Seine Körpersprache: So wie er mit den Armen ruderte, so ungelenk, so in etwas wühlend, so agierte kein anderer. Die cockersche Windmühle war sein Markenzeichen. Vielleicht waren Bewegungen darunter, die er in seinem früheren Leben als Klempner in der nordenglischen Stahlstadt Sheffield gut gebrauchen konnte. Auf einer Bühne dagegen sah das lustig aus. Aber es zeigte auch: Cocker gab immer alles, mit seiner weißen Soulstimme sowieso.

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2. „With A Little Help From My Friends“: Viele wären sicherlich gerne bei Woodstock dabei gewesen. Denn so ein Eintrag, der macht sich gut im Lebenslauf. Cocker trat 1969 tatsächlich dort auf. Er schaffte dort sogar den Durchbruch mit seiner Interpretation des Beatles-Hits „With A Little Help From My Friends“ – schon damals zeigte sich: Jeder Song ist bei ihm ein Ereignis.

3. „Sail Away“: Der Biertrinker Cocker machte Bierreklame, irgendwie logisch. „Sail Away“, im Original von Hans Hartz, sang er, während das Beck’s-Schiff sich durch die raue See wühlte. Man nahm ihm die Sehnsucht in der Stimme gern ab. Dass er trotz seines Berufswechsels zeitlebens wie ein Klempner aus Sheffield aussah, machte ihn um so glaubwürdiger. Dass er mal mit dem ehrlich schwitzenden Klaus Lage für die Filmmusik des Schimanski-Krimis „Zabou“ zusammenarbeitete, passt dazu.

Seine großen Hits waren oft auch Coverversionen: „Unchain My Heart“ (Bobby Sharp) und „You Are So Beautiful“ (Billy Preston) – „You Can Leave Your Hat On“, zuerst von Randy Newman aufgenommen, wurde zur Striptease-Hymne, nachdem sich Kim Basinger zu dem Song in „9 1/2 Wochen“ ausgezogen hatte. Für das Duett „Up Where We Belong“ mit Jennifer Warnes bekam er 1983 einen Grammy Award. In Hannover sang er zuletzt im vergangenen Jahr, vor 7500 Fans trat er in der Tui-Arena auf.

Auf seine Drogen- und Alkoholexzessen angesprochen, sagte er mal: „Drogen gab es überall, und ich stürzte mich darauf. Und wenn du in dieser Abwärtsspirale bist, dann ist es schwierig, da wieder rauszukommen.“ Erst seine Frau Pam Baker, mit der er seit 1987 verheiratet war, habe ihm geholfen, sein Leben zu ändern. „Sie machte mir klar, dass die Leute mich immer noch singen hören wollten“, sagte Cocker. Für Deutschland galt das bis zum Schluss.

Seine größten Hits

 Joe Cocker gilt als der wohl beste weiße Soulsänger Großbritanniens. Sein Markenzeichen war vor allem seine rauchige Stimme, mit der er zahlreiche Welthits sang. Darunter sind auch eine Vielzahl bekannter Coversongs. Eine Auswahl:

  • „With A Little Help From My Friends“
  • „Delta Lady“
  • „Cry Me A River“
  • „You Are So Beautiful“
  • „I’m So Glad, I’m Standing Here Today“ (mit The Crusaders)
  • „When The Night Comes“
  • „N’Oubliez jamais“
  • „Unchain My Heart“
  • „Up Where We Belong“ (mit Jennifer Warnes)
  • „You Can Leave Your Hat On“

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dpa

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