Kultur / Referat

Laokoon als Ausgangspunkt für die Kunsttheorie

Martin Rector referiert über das Kunstverständnis von Gotthold Ephraim Lessing und Johann Joachim Winckelmann.

Martin Rector referiert über das Kunstverständnis von Gotthold Ephraim Lessing und Johann Joachim Winckelmann.

Ausgangspunkt des Referates war die antike Laokoon-Skulptur in den Vatikanischen Museen. Der pensionierte Germanistik-Professor schilderte den Mythos des frommen Priesters Laokoon, der als einziger das Trojanische Pferd als Kriegslist entlarvt und darauf im Götterauftrag von zwei Schlangen getötet wird.

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Ausführlich ging Rector auf die Laokoon-Interpretation des deutschen Altertumsforschers Johann Joachim Winckelmann (1717 bis 1768) ein. Die Tatsache, dass Laokoon trotz ungeheurer Qualen nicht schreie, sondern nur seufze, deutete der Archäologe als Beweis für dessen innere Ruhe, Gefasstheit und stille Größe. Winckelmann habe von den Künstlern seiner Zeit verlangt, auf die Nachahmung der Natur zu verzichten und stattdessen die griechischen Kunstwerke zum Vorbild zu nehmen, welche von der Erhabenheit der griechischen Seele zeugten.

„Winckelmanns Ausführungen waren jedoch keine kulturhistorischen Tatsachen, sondern eine folgenreiche Projektion“, merkte Rector kritisch an.

Ganz anders habe der Dramatiker und Theoretiker Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781) die Laokoon-Gruppe gedeutet. Dass dem Trojaner nicht der angemessene Schmerzausdruck ins Gesicht geschrieben sei, begründete Lessing mit ästhetischen Wirkungskriterien. Eine rohe, brutale Darstellung würde beim Betrachter Abscheu wecken, somit könne sich kein Gefühl des Mitleids mehr einstellen. Mitleid habe jedoch eine moralische Wirkung und sei Teil der Erziehung des Menschengeschlechts im Kontext der Aufklärung.

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Nach Lessings Meinung könne die Kunst nicht auf die Vernunft setzen. „Der mitleidigste Mensch ist der beste Mensch“, behauptete Lessing. Der deutsche Dichter habe der Poesie den Vorrang gegenüber der Malerei gegeben, so Rector. Die rezeptive, nachschaffende Fantasie des Lesers sei die Bedingung für die Entstehung der Illusion, aus der wiederum Empathie und Mitleid entstehen könne, so Lessing.

Energisch habe sich der Aufklärer gegen eine bestimmte Art der Literatur gewehrt, nämlich gegen das beschreibende Erzählen. Das Schildern bekannter, bestehender Gegebenheiten sei nicht geeignet, Illusion zu erzeugen.

„Wenn die Kunst überhaupt spezifisch zur Besserung beitragen könnte, dann nicht über den Verstand, sondern nur über die speziell ästhetische Empfindung in der Einbildungskraft der Subjekte“, brachte Rector die theoretischen Überlegungen Lessings auf den Punkt. han

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