Hospiz- und Palliativnetzwerk im Landkreis Schaumburg

Die Qualität des Abschieds

Von Jan Peter Wiborg

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Sie wollen mir jetzt wohl sterben helfen.“ Diese Begrüßung ist für Christine Göbel, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Hospiz- und Palliativnetzwerk Schaumburg nicht ungewöhnlich. „Nein“, erwidert sie dann ihrem Gegenüber, „das kann ich nicht, das müssen Sie schon selber übernehmen. Ich möchte Ihnen Ihr Leben, was Ihnen noch bleibt, erleichtern.“

 Gemeinsam mit der Vorsitzenden Christine Holitzner-Bade und weiteren ehrenamtlichen Helfern hat Göbel in den vergangenen Jahren an einem Verbund gebaut, in dessen Mittelpunkt ein schwer kranker, sterbender Mensch, aber auch seine An- und Zugehörigen stehen. Ein Netz, das sich die Begleitung, Beratung, Pflege und medizinische Versorgung am Lebensende in Schaumburg zur Aufgabe gemacht hat.

 Göbel koordiniert die Einsätze der ehrenamtlich tätigen Hospizbegleiter nicht nur, sie geht auch selbst in die Familien: „Oft schlagen mir Angst und Verzweiflung entgegen.“ Sie erinnert sich an einen Sterbenden mit Lungen- und Gehirntumor. Dort hätten Ärzte zuvor bei den Angehörigen „noch die Angst geschürt“, dass es zu starken Blutungen kommen könne. „Kann es, aber muss es nicht“, sagt Göbel ruhig und bestimmt.

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 Die Stadthägerin versucht, den An- und Zugehörigen Ängste zu nehmen, dem Sterbenden seine letzten Lebenstage und Stunden qualitativ zu verbessern. Alle Hospizhelfer sind dazu noch versiert darin, wenn es sein muss, über das Hospiz- und Palliativnetzwerk fachliche Hilfe anzufordern sowie geschult und geduldig zuzuhören.

 Auch nach dem Tod sind die Hospizhelfer für die Angehörigen da. Seit ein verstorbener Mensch nicht mehr unmittelbar aus dem Haus gebracht werden muss, sondern bis zu 48 Stunden in seinen – ehemals - eigenen vier Wänden bleiben darf, hat Göbel festgestellt, dass sich Abschiede verändern, feierlicher, entspannter werden: „Aber nicht immer, manchmal haben die Angehörigen mit dem Verstorbenen auch eine Geschichte und möchten ihn schnell aus dem Haus haben.“

 „Ziel des Hospiz- und Palliativnetzwerkes ist es“, erläutert Christine Holitzner-Bade, „zur Verbesserung der Situation beizutragen.“ Gemeinsam mit den Mitgliedern und Kooperationspartnern aus dem Bereich palliative Pflege, Palliativmedizin, ambulante Hospizarbeit, Seelsorge und Psychologie sowie Physio- und Ergotherapie versuchen die Mitarbeitenden, in „verlässlicher Zusammenarbeit“ all das zu erreichen, was für den Einzelnen am Ende seines Lebens dringend notwendig sei.

 Nach Bedarf wird auch mit den zuständigen Stellen der Kranken- und Pflegekassen, der Kostenträger, den Kommunen sowie den überregionalen ambulanten und stationären Einrichtungen zusammengearbeitet.

 Holitzner-Bade hebt die besondere Bedeutung des Zusammenwirkens mit allen ambulanten Pflegediensten, den niedergelassenen Ärzten, aber auch den Krankenhäusern im Landkreis Schaumburg hervor: „Die Menschen sollen nach Möglichkeit in ihrem häuslichen Umfeld, welches auch eine Pflegeeinrichtung sein kann, von der ihnen vertrauten Person versorgt werden.“

 Seit dem Herbst 2010 hat das Netzwerk sein Büro in der Marktstraße 1 in Stadthagen bezogen, mit Sprechstunden jeweils dienstags und donnerstags zwischen 10 und 12 Uhr. Das Hospiz- und Palliativnetzwerk ist zu erreichen unter Telefon (05721) 890 9940.

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So funktioniert das Netzwerk

Im Mittelpunkt stehen der schwerkranke und sterbende Mensch sowie dessen Angehörige. Er verfügt über einen Hausarzt, der die allgemein ambulante Palliativversorgung nach der (AAPV) leistet. Vermutlich ist bereits ein Pflegedienst eingeschaltet, oder er wird von Haushaltshilfen betreut.
Rundherum steht eine Vielzahl spezieller Angebote zur Verfügung:

  • Palliativmediziner mit Schmerztherapie, palliativmedizinische Beratung und Versorgung
  • Pflegedienst mit PC-Fachkräften für die häusliche palliative Pflege und Versorgung.
  • Ein neu gegründetes SAPV-Team, für spezialisierte, ambulante, palliative Versorgung.
  • Palliativstützpunkt mit ehrenamtlicher Beratung und Vermittlung hospizlich-palliativer Versorgung.
  • Seelsorgerische, psychologische und soziale Beratung, spirituelle Begleitung, psychosoziale Beratung, Begleitung und Vermittlung von sozialen Hilfen.
  • Weitere therapeutische Hilfen wie palliative Physio- und Ergotherapie
  • Palliativstationen als spezielle Stationen im Krankenhaus (nur außerhalb des Landkreises)
  • Stationäres Hospiz, das speziell auf die Bedürfnisse von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen abgestimmt ist.
  • Fachdienst Altenhilfe/Pflegestützpunkte, der beraten und Hilfe für pflegebedürftige Menschen und deren An- und Zugehörige vermittelt.
  • Apotheken: Beratung und spezielle Produkte für die medizinisch-palliative Versorgung.
  • Sanitätshaus: Versorgung mit den erforderlichen Hilfsmitteln.

Glossar

Palliativmedizin

Die aktive, ganzheitliche Behandlung von weit fortgeschrittener Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht. Die Beherrschung von Schmerzen und der psychologischen, sozialen und spirituellen Probleme hat Priorität.

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Hospiz

Hospiz ist eine Einrichtung der Sterbebegleitung. Im deutschen Sprachraum wird mit Hospiz in der Regel eine stationäre Pflegeeinrichtung bezeichnet, die meist über nur wenige Betten verfügt und ähnlich wie ein kleines Pflegeheim organisiert ist.

Hospizarbeit im Landkreis

Die ehrenamtliche Hospizarbeit ist im Landkreis Schaumburg in zwei Vereinen und verschiedenen Gruppen organisiert. Auf Wunsch werden schwerst- und sterbenskranke Menschen und ihre Angehörigen zu Hause, in vertrauter Umgebung, im Krankenhaus oder auch in Senioreneinrichtungen begleitet.
Die Art und Weise der Begleitung richtet sich nach den Wünschen der kranken Menschen und ihrer An- und Zugehörigen. Alle ausgebildeten Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht und arbeiten grundsätzlich ehrenamtlich und kostenlos für die Betroffenen. Auf Wunsch werden Kontakte zu den umliegenden, stationären Hospizen und anderen Hospiz- und Palliativdiensten vermittelt.
Hospizverein Rinteln, 31737 Rinteln, Heisterbreite 7 (Industriegebiet Süd, THW), Telefon: 01 78-1 65 75 01/02 (24 Stunden), E-Mail: info@hospizverein-rinteln.de, Internet: www.hospizverein-rinteln.de.

  • ambulanter Hospiz- und Palliativdienst
  • Trauerbegleitung für Erwachsene und Kinder
  • ambulante Kinderhospizarbeit

Hospizgruppe Stadthagen, 31655 Stadthagen, Glückaufstraße 22, Telefon: 01 74-5 94 30 91 (24 Std.), Ansprechpartnerin: Christine Göbel, E-Mail: hospizgruppe-stadthagen@gmx.de.

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  • ambulanter Hospiz- und Palliativdienst
  • Trauerbegleitung für Erwachsene

Hospizverein Schaumburg-Lippe e.V., 31556 Wölpinghausen, Bergkirchener Straße 30.
Hospizgruppe Bergkirchen, Ansprechpartner: Herr Reinhard Zoske, Telefon: (05037) 2387.
Hospizgruppe Bückeburg, Ansprechpartnerin Frau Gisela Vogt, Telefon: (0 57 22) 91 72 42
Hospizgruppe Bad Nenndorf, c/o Kirchengemeinde Bad Nenndorf, Haus der Begegnung, 31542 Bad Nenndorf, Hauptstraße 36. Telefon: 01 74-4 54 74 72.
Hospizgruppe Obernkirchen /Auetal, c/o Sonnenhof Alten- und Pflegeheim, 31683 Obernkirchen, An der Stiftsmauer 5, Telefon 01 77-1 96 62 49.

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