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Gesund oder lästig?

Nicht schön: Weiße Kalkablagerungen an Armaturen ärgern Hausfrauen. Mit einem Teststreifen für den Hausgebrauch lässt sich die Wasserhärte schnell ermitteln.

Nicht schön: Weiße Kalkablagerungen an Armaturen ärgern Hausfrauen. Mit einem Teststreifen für den Hausgebrauch lässt sich die Wasserhärte schnell ermitteln.

Stumpfe Gläser, verkalkte Wasserhähne, fleckige Spülbecken und kaputte Waschmaschinen: Das Werbefernsehen macht schnell klar, welchen Status kalkhaltiges Wasser beim Großteil der Fernsehzuschauer hat. Hartes, also kalkhaltiges Trinkwasser hat einen schlechten Ruf in Deutschland. Verbraucher befürchten, dass der Kalk nicht nur Haushaltsgeräten zusetzt, sondern auch der eigenen Gesundheit. Das geht aus einer Emnid-Umfrage im Auftrag des Forums Trinkwasser hervor. 40 Prozent der Befragten erklärten, dass hartes Wasser eine negative Wirkung auf die Gesundheit hat und nicht nur die Wasserleitungen verkalken lässt, sondern auch die eigenen Blutgefäße.
Alles Quatsch, erklären Mediziner und Wissenschaftler. Kalkreiches Trinkwasser zählt nicht zu den Risikofaktoren für die Blutgefäße für eine koronare Herzkrankheit, ist sich Professor Harald Klepzig, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Herzstiftung, sicher. Im Gegenteil: Nach Darstellung des Umweltbundesamtes sind Kalzium und Magnesium – die Bestandteile von Kalk – wichtige Elemente der menschlichen Ernährung. Denn während Kalzium beim Aufbau von Knochen und Zähnen eine Rolle spielt, schützt Magnesium Skelett und Muskulatur. Wasser, in dem viel Kalk enthalten ist, versorgt den Körper also mit wichtigen Mineralstoffen. Schädlich ist es auf keinen Fall.
Generell gilt das Trinkwasser aus Deutschland als das am besten kontrollierte Lebensmittel mit erstklassiger Qualität. Nicht nur die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Leitungswasser als optimalen Durstlöscher – unabhängig vom Kalkgehalt. Auch Michael Sokoll, technischer Leiter der Stadtwerke Schaumburg-Lippe, erklärt, dass die Menge an Kalk im Trinkwasser kein Kriterium für die Qualität des Wassers ist. Aus diesem Grund habe der Gesetzgeber auch keinen Grenzwert für den Kalkgehalt in der Trinkwasserverordnung festgesetzt.
Fakt ist: Je mehr Mineralien im Wasser gelöst sind, desto härter ist das Wasser. Gemeint ist die sogenannte Wasserhärte, die in "deutschen Härtegraden" (°dH) gemessen wird und in drei unterschiedliche Härtebereiche eingeteilt wird: weich (weniger als 8,4 °dH), mittel (zwischen 8,4 und 14 °dH) und hart (mehr als 14 °dH).
Wie hart oder weich Trinkwasser ist, variiert von Region zu Region und hängt von den unterschiedlichen geologischen Gegebenheiten ab. Je nach Region nimmt Wasser auf seinem Weg durch die verschiedenen Schichten im Boden unterschiedlichen Mengen an Mineralien wie Kalzium und Magnesium auf. In Gegenden mit Sandstein oder Granit wird eher weiches Wasser gefördert, in Gebieten mit gips-, kalk- oder dolomithaltigen Böden ist das Wasser reich an Mineralien, also hart.
So wie in Schaumburg. Das Trinkwasser, das durch Wasserhähne in Schaumburger Haushalten strömt, ist vorwiegend dem Härtebereich drei (hart) zuzuordnen. Grund sind die Böden: Calenberger Löß im Nordosten, Kreidemulde im Norden, die Hänge des Wesergebirges im Südwesten. Dort kann das Wasser auf seinem Weg durch den Boden mehr Mineralien aufnehmen als zum Beispiel durch den Sandstein des Bückeberges.
Einfluss auf den Anteil von Mineralien hat auch die Art und Weise der Wassergewinnung: Stammt Trinkwasser aus dem Grundwasser, so ist es kalkhaltiger, weil das Wasser viel Zeit hatte, die Mineralien aus dem Boden aufzunehmen. Kommt Trinkwasser hingegen aus Oberflächenwasser wie aus den Talsperren im Harz, so enthält es meist weniger Kalk.
Entsprechend gibt es auch in Schaumburg Unterschiede in Sachen Wasserhärte. Im Durchschnitt liegt sie bei 20 bis 22 °dH. Aber es gibt Ausreißer. So hat das Wasser aus dem Wasserwerk Landringhausen – dort ist der Lößboden besonders reich an Mineralstoffen – einen Härtegrad von 28, während Wasser aus Wendthagen, mit dem Haushalte in der Stadthäger Kernstadt versorgt werden, einen mittleren Härtegrad von 13 hat. Dass in der Kreisstadt das Leitungswasser weicher ist als im Rest des Landkreises, liegt an der Art und Weise der Aufbereitung, erklärt Wasserexperte Sokoll. So bringe die Aufbereitung des Rohwassers den Nebeneffekt, dass es entkarbonisiert, also enthärtet wird.
Doch zurück zu den Folgen von hartem Wasser: Was gut für den Körper ist, setzt Haushaltsgeräten zu. Vor allem Warmwasserbereiter – vom Boiler bis zum Wasserkocher – leiden. Wird hartes Wasser erhitzt, fallen kleine weiße Kalkflocken ab und an den Heizelementen bildet sich eine harte Kalkschicht und die Wärme kann schlechter übertragen werden. Besonders ärgerlich ist das für Besitzer von Kaffeevollautomaten. Gibt die edle Maschine nach nicht allzu langer Betriebszeit den Geist auf, ist guter Rat teuer.
"Lieber gleich vorsorgen", empfiehlt Stefan Tegeler, Leiter des Elektronikmarktes Expert in Stadthagen. Wer wie die Schaumburger in Regionen mit hartem Trinkwasser lebt, müsse Geräte wie Kaffeemaschine und Wasserkocher regelmäßig entkalken, damit die Technik lange einwandfrei funktionieren kann. Dafür eignen sich spezielle Entkalker auf Essigbasis. Alternative ist laut Tegeler, sich Kaffee und Tee mit stillem Mineralwasser aus der Flasche aufzubrühen oder einen Tisch-Wasserfilter zu benutzen.
Um die Waschmaschine brauchen sich Verbraucher mit hartem Wasser allerdings nicht automatisch zu sorgen. Fachleute sind sich einig, dass es ausreicht, Waschpulver entsprechend den Angaben der Hersteller je nach Wasserhärte zu dosieren, da die gängigen Waschmittel bereits einen Enthärter enthalten.
Umstritten ist hingegen die Aufbereitung von Trinkwasser mit sogenannten Wasserenthärtungsanlagen als Teil der Hausinstallation. Während die Installationsbranche argumentiert, dass hartes Wasser zu einem höheren Energieverbrauch führt, weist das Umweltbundesamt darauf hin, dass für diese Anlagen bis zu zweimal im Jahr eine fachkundige Wartung notwendig sei, da die Geräte sonst verkeimen könnten. Auch die Stiftung Warentest hat von solchen Geräten abgeraten. Sie könnten bei falscher Anwendung sogar die Trinkwasserqualität verschlechtern.
Axel Wagner vom Planungsbüro Scheffel in Hannover gibt zu bedenken, dass auch weiches Trinkwasser Nachteile birgt: "Weil es chemisch nicht gepuffert ist, verursacht es leichter Korrosion." Ist diese erst einmal auf dem Vormarsch, reichen die Folgen von rostfarbenem Wasser bis hin zu Lochfraß und damit zu Wasserrohrbrüchen.
Auch beim Haare waschen macht sich die Wasserhärte bemerkbar. Wer sich mit hartem Wasser die Haare wäscht, braucht mehr Shampoo, da kalkhaltiges Wasser weniger Schaum bildet. Im Gegensatz dazu schäumt Seife mit weichem Wasser sehr stark. Es dauert entsprechend lange, sich die Haare auszuspülen.
Und gegen Kalkflecken auf Armaturen und Waschbecken sollen immer noch Hausmittel wie Zitronensäure oder Essig am besten helfen. kcg, jpw

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Wasserversorgung in Schaumburg

Die Wasserversorgung in Schaumburg wird in der Hauptsache von drei großen Betrieben übernommen: die Stadtwerke Schaumburg-Lippe, der Wasserverband Nordschaumburg und die Stadtwerke Rinteln. Dazu kommen kleinere Wasserversorger wie die Wasserbeschaffungsverbände Obernwöhren, Wendthagen-Ehlen (betreut durch die Stadtwerke Schaumburg-Lippe) und Reinsen (betreut durch den Wasserverband Nordschaumburg). Für kleine Bereiche ihrer Kommune übernehmen die Samtgemeinden Nienstädt und Rodenberg die Versorgung mit Trinkwasser.
Die Versorger sind verpflichtet, ihre Kunden einmal jährlich über den jeweiligen Härtebereich des Wassers zu informieren – meist geschieht das über die Abrechnungen oder im Internet.

Teststreifen, mit denen der Härtegrad des Wassers zu Hause ermittelt werden kann, sind im Handel erhältlich. kcg

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