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Nach Brand in Hameln: Zweites Kind erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen

Feuerwehr, Notarzt, Rettungshubschrauber: Bei dem Brand am vergangenen Wochenende waren zahlreiche Einsatzkräfte gefordert.

Feuerwehr, Notarzt, Rettungshubschrauber: Bei dem Brand am vergangenen Wochenende waren zahlreiche Einsatzkräfte gefordert.

Hameln. Die Feuer-Tragödie von Hameln hat ein zweites Todesopfer gefordert – in einer Spezialklinik ist ein 19 Monate altes Kind der siebenköpfigen Familie seinen Verletzungen erlegen. Das teilte Muhamed Punuskovic, der Bruder des Vaters, mit.

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Der Familienvater ist inzwischen aus dem Koma erwacht. Er hat Brandverletzungen am Rücken und an einem Arm erlitten, musste mehrmals operiert werden. Seine Lunge ist geschädigt. „Sie war voll mit Rauch und Ruß“, sagt Sedat Punuskovic (27) im Gespräch mit der Dewezet. „Ich muss eine Therapie machen.“ Vor zwei Tagen wurde der 27-Jährige von der Intensivstation entlassen. Er liegt nun auf einer Station der Medizinischen Hochschule in Hannover.

Mutter Sunita und Vater Sedat Punuskovic. Foto: privat

Mutter Sunita und Vater Sedat Punuskovic. Foto: privat

Tragischer Brand in Hameln: „Die Schreie meiner Kinder werde ich niemals vergessen können“

Wenige Stunden nach dem Wohnungsbrand war bereits ein sechs Jahre alter Junge gestorben. „Es ist das größte Unglück, dass über eine Familie hereinbrechen kann“, sagt Cousin Arben Kurtesi. „Wir mussten Sedat, der beinahe selbst sein Leben verloren hätte, behutsam beibringen, dass zwei seiner fünf Kinder nicht überlebt haben.“ Mutter Sunita (23) und der acht Monate alte Bajram waren vor einigen Tagen aus den Krankenhäusern, in denen sie behandelt wurden, entlassen worden. „Die Mama und der Jüngste sind jetzt bei den anderen Kindern, die derzeit im Spezialkrankenhaus auf der Bult behandelt werden“, sagt Kurtesi. Dort hätten sie ein Zimmer bekommen, könne sich Sunita um Bajram, Elvir (3) und Emir (5) kümmern.

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Emir leide ganz besonders unter dem Geschehen, sagt Kurtesi. „Sein Rücken ist verbrannt. Immer wieder wacht er auf. Dann schreit er vor Angst, dann glaubt er, dass er brennt. Ihm ist so heiß. Er versucht, sich die Kleider vom Leib zu reißen.“ Der Fünfjährige leidet sehr. „Er ruft nach seinem Papa.“ Doch Sedat Punuskovic kann ihn nicht besuchen. Er liegt ein paar Kilometer entfernt in der MHH.

Bild aus glücklichen Tagen (von links nach rechts): Emir, Elvir, Edin und Elmedin. Foto: privat

Bild aus glücklichen Tagen (von links nach rechts): Emir, Elvir, Edin und Elmedin. Foto: privat

An den Samstag, als das Feuer ausbrach, erinnert sich Vater Sedat Punuskovic noch sehr genau. Jedenfalls bis zu dem Moment, als er das Bewusstsein verlor. „Sunita war mit dem Kleinsten in der Küche. Sie hat Brote geschmiert. Wir wollten an diesem Samstag mit dem Bus ins Kalletal fahren, um Cousin Arben zu besuchen. Ich war im Schlafzimmer, habe die Kinder für den Ausflug vorbereitet und die Kleinen angezogen. Plötzlich habe ich einen lauten Knall gehört. Das Geräusch kam vom Flur. Auf einmal war alles dunkel. Alles war voller Qualm. Ich konnte meine Hand vor Augen nicht sehen. Ich habe Edin, unseren ältesten Sohn, zugerufen: ,Los, geh schnell raus! Na geh schon…‘ Dann habe ich mir die drei kleineren Kinder geschnappt und bin mit ihnen zur Küche gelaufen. Dort war nicht so viel Qualm. Ich habe ein Fenster geöffnet.“

Sunita und Bajram waren schon auf dem Balkon geflüchtet. „Meine Frau hat – so laut sie konnte – um Hilfe gerufen.“ Dann habe es einen zweiten Knall gegeben, habe der schwarze Rauch auch die Küche geflutet. Sedat Punuskovic ging eigenen Angaben zufolge davon aus, dass der sechsjährige Edin bereits zu seiner Mutter auf den Balkon gelaufen waren und in Sicherheit war. Auf dem Flur loderten die Flammen, war es höllisch heiß. „Ich habe mich mit dem Rücken zum Feuer gestellt, um meine Kinder vor der Hitze zu schützen“, erzählt der Vater. „So konnten sie an den Flammen vorbei zum Balkon gelangen.“ Irgendwann sei er in Ohnmacht gefallen. „Meine Erinnerung setzt dann erst wieder im Krankenhaus ein.“

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Cousin Arben Kurtesi hat mit den Ermittlern gesprochen. Für die Knalle gibt es inzwischen eine plausible Erklärung. „Im Flur und im Wohnzimmer befanden sich zwei Spraydosen an den Wänden. Sie haben alle 15 Minuten einen Sprühstoß mit Duftstoffen abgegeben. Diese Behälter sind durch die Hitze explodiert.“ Vater Sedat Punuskovic liegt traurig in seinem Bett. Er hat Tränen in den Augen. „Die Schreie meiner Kinder werde ich niemals vergessen können“, sagt er. „Sie haben sich eingebrannt in mein Gehirn.“

Interhelp richtet Spendenkonto ein: Familie braucht schnelle Hilfe

Die Familie brauche jetzt schnell eine Unterkunft, Hausrat, Möbel, Spielzeug und Kleidung – vor allem für die Kinder. Er habe zuletzt keine Arbeit, dafür aber Schulden gehabt, sagt der Vater. „Geld für eine Versicherung war nicht übrig.“ Sedat Punuskovic muss husten. Seine Lunge ist stark angegriffen. In Hameln, sagt er, könne seine Familie nicht mehr leben. „Da würde uns alles an das Feuer und den Tod unserer Kinder erinnern.“

Großvater Ibrahim Punuskovic hat die Hamelner Hilfsorganisation Interhelp gebeten, ein Spendenkonto bereitzustellen. Wer Familie Punuskovic finanziell unterstützen möchte – hier die Kontodaten:

IBAN DE32 2545 0110 0000 0332 33
Sparkasse Hameln-Weserbergland
Stichwort Feuer-Tragödie

Sachspenden können der Familie unter Telefon (0157) 30449151 angeboten werden.

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Von Ulrich Behmann/Dewezet

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