Burgwedel/Isernhagen

1,88 Promille nach angeblich nur einem Alster

Dreimal hatte der Mann bei der Kontrolle ins Testgerät gepustet, dann folgte die Blutabnahme – und jetzt das Urteil vor dem Amtsgericht Burgwedel.

Dreimal hatte der Mann bei der Kontrolle ins Testgerät gepustet, dann folgte die Blutabnahme – und jetzt das Urteil vor dem Amtsgericht Burgwedel.

Isernhagen. Wie kommt man bei einer Verkehrskontrolle auf einen Blutalkoholwert von fast 1,9 Promille, wenn man doch vor Fahrtantritt angeblich nur ein Alster getrunken hat? Lag es etwa am gelutschten Pfefferminzbonbon? Oder daran, dass der Arzt bei der Blutentnahme ein alkoholhaltiges Desinfektionsmittel benutzte? Ein Verfahren vor dem Amtsgericht hat diese Rechtfertigungsversuche eines Autofahrers und seines Verteidigers jetzt nachhaltig entkräftet. Schwerer als die Geldstrafe dürfte für den Unternehmer wiegen, dass er nun weiter auf seinen Führerschein verzichten muss, den er für seine Selbstständigkeit doch dringend benötigt.

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Eine allgemeine Verkehrskontrolle an einem Herbstabend in Isernhagen F.B. war dem 32-Jährigen zum Verhängnis geworden. Alkoholbedingte Ausfallerscheinungen zeigte er nicht. Die Polizisten witterten jedoch einen süßlichen Geruch aus dem Wagen und nahmen einen Atemtest vor – 1,65 Promille. Ein weiterer Test mit einem neuen Röhrchen nur zwei Minuten später ergab exakt den gleichen Wert, ein stationäres Gerät im Polizeikommissariat zeigte zehn Minuten später sogar 2,14 Promille an. Die  daraufhin im Krankenhaus entnommene Blutprobe – die sicherste Messmethode – wurde auf einen Mittelwert von 1,88 Promille taxiert.

Insgesamt vier Alkoholtests vorgenommen

„Ich kann mir den Wert nicht erklären“, beteuerte der wegen Trunkenheit im Straßenverkehr angeklagte Mann mehrfach. Er habe zum Abendessen in einem Gasthaus in Neuwarmbüchen lediglich ein Alster getrunken und danach einen Pfefferminzbonbon gelutscht. Auf den Bonbon hatte er auch schon die Polizisten bei der Kontrolle in Isernhagen F.B. hingewiesen und angeblich zur Antwort bekommen, dass dies das Ergebnis verfälschen könne. Deshalb durfte er sich allerdings vor dem (dann dritten) Alkoholtest im Kommissariat sogar noch den Mund mit Wasser ausspülen.

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Dass auch der abschließende Bluttest einen Wert weit jenseits der Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit von 1,1 Promille ergeben hatte, dafür hatte der Mann vor Gericht einen weiteren Erklärungsversuch parat. Angeblich hatte ihm der Arzt im Krankenhaus bei der Blutentnahme ein offenbar alkoholhaltiges Desinfektionsmittel auf den Arm gesprüht, dies erst auf Intervention eines Polizisten wieder abgetupft und dann ein anderes Mittel benutzt. Reste des ersten Mittels müssten die Blutprobe verunreinigt haben, so die Vermutung.

Während sich der als Zeuge befragte Polizist mehrere Monate nach der Kontrolle an derlei Details nicht mehr erinnern konnte, war sich der Krankenhaus-Arzt sicher: Der Polizist habe ihn schon vor der Blutentnahme auf das Problem alkoholhaltiger Desinfesktionsmittel hingewiesen und er deshalb das von den Polizisten mitgebrachte Spray verwendet.

„Verhalten ist Frage der Alkoholgewöhnung“

Licht ins (wissenschaftliche) Dunkel brachte letztlich ein Sachverständiger, seines Zeichens Rechtsmediziner an der Medizinischen Hochschule Hannover. Während der Beweisaufnahme fragte er nach Details wie Körpergröße und Alkoholkonsum des Angeklagten, nach der Art seines Essens an jenem Abend sowie seinen motorischen und emotionalen Auffälligkeiten während der polizeilichen Maßnahmen.

Das Urteil des Fachmanns war eindeutig. Spuren eines alkoholhaltigen Desinfektionsmittels hätten die vom Volumen her deutlich größere Blutprobe niemals derart verunreinigen können, und der Bluttest selbst sei ein sehr sicheres Verfahren. Ein gelutschter Pfefferminzbonbon sei überdies nicht geeignet, Atemtests massiv zu beeinflussen. Und dass der Angeklagte nach Meinung des Polizisten und des Arztes motorisch auf der Höhe, locker und kooperativ war, was man von Betrunkenen in Sorge um ihren Führerschein eigentlich nicht erwarten sollte? „Jeder ist anders. Das ist eine Frage der Alkoholgewöhnung“, machte der Sachverständige klar. So habe er bereits mit einer Patientin zu tun gehabt, die trotz 3 Promille Alkohol keinerlei Ausfallerscheinung gezeigt habe.

Weitere sechs Monate ohne Führerschein

Amtsrichter Michael Siebrecht hatte genug gehört und verurteilte den zuvor unbestraften Mann wegen der Trunkenheitsfahrt zu 30 Tagessätzen à 100 Euro. Zudem darf der Mann, dessen Führerschein schon vor fünf Monaten beschlagnahmt worden war, ein weiteres halbes Jahr kein Auto fahren. „Sie können nicht nur ein Alster getrunken haben“, hielt der Richter dem 32-Jährigen vor. Mit 1,88 Promille habe er an jenem Abend „satt im Bereich der absoluten Fahruntüchtigkeit“ gelegen. „Und ich bin überzeugt, dass Sie Alkohol gewöhnt sind“, sagte er mit Blick auf die damals ausgebliebenen Ausfallerscheinungen.

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Von Frank Walter

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