Prozess

73-Jährige half Sohn bei Drogengeschäften

Hannover. Gebeugt sitzt die Angeklagte am Tisch neben ihrem Verteidiger. Ihre Hände sind gefaltet, ihr Blick ist bekümmert, manchmal steigen ihr Tränen in die Augen, dann holt sie ein besticktes Taschentuch hervor und tupft sie weg. Renate P. ist 73 Jahre alt, und sie muss sich seit gestern wegen Beihilfe zum Drogenhandel vor dem Landgericht Hannover verantworten. Die zweifache Mutter und Großmutter, eine Frau von kleiner, zerbrechlich wirkender Gestalt, hat ein Geständnis angekündigt. Sie habe ihrem drogenkranken Sohn helfen wollen und seine Geschäfte mit Amphetaminen (Speed) deshalb unterstützt, sagt dessen Verteidiger Matthias Doehring.

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Sohn Stefan P., 39 Jahre alt, sowie sein vier Jahre jüngerer Bekannter sind Hauptangeklagte in diesem Prozess; ihnen wird Drogenhandel in großem Stil und der Verstoß gegen das Grundstoffüberwachungsgesetz vorgeworfen. Der Fall ist auch deshalb bemerkenswert, weil das Speed nach eigener Rezeptur selbst hergestellt worden war. So soll der 35-Jährige in der Lindener Wohnung einer weiteren Helferin ein Labor für die Herstellung der stimulierend wirkenden Partydroge betrieben haben. Dabei sei er äußerst versiert vorgegangen, in einem Gutachten ist von einer Vorstufe zur industriellen Produktion die Rede. Der 35-Jährige ist wegen anderer Drogendelikte bereits einschlägig vorbestraft und sitzt in Untersuchungshaft.

Für die Beschaffung der benötigten Chemikalien, darunter Schwefelsäure, Benzaldehyd und Nitroethan, zeichnete die 73-jährige Mutter verantwortlich. Sie bestellte die Stoffe offiziell über ihre Gewerbeanmeldung für einen Getränkemarkt – eine Firma, die es nur auf dem Papier gegeben haben soll. Das fertige Amphetamingemisch verkaufte Sohn Stefan später in seiner Parzelle in der Kleingartenkolonie „Lindener Alpen“, wo seine Kunden regelmäßig vorbeikamen. So lief das Geschäft ein gutes Jahr. Mitte September 2011 flog die Gruppe auf, weil ein Kunde den Händler und seine Komplizen verpfiffen hatte. In der Wohnung an der Von-Alten-Allee fanden die Ermittler Chemikalien zur Herstellung von rund 750 Gramm Amphetaminen sowie 40 Gramm fertiges Amphetamingemisch – der Verkauf der Endprodukte hätte eine sechsstellige Summe eingebracht.

Anwalt Doehring zufolge hatte der 39-Jährige seine Mutter überredet, die Chemikalien zu bestellen und zu bezahlen. „Sie hat sich von ihm breitschlagen lassen.“ Stefan S. soll seit Längerem ein Drogenproblem haben und darüber hinaus unter Spielsucht leiden. Mittlerweile ist der Maschinenführer in Therapie. Die 73-Jährige kann mit einer Bewährungsstrafe rechnen. Doehring sagt, das Verfahren sei für die Mutter schon Strafe genug. Lange habe sie sich den Kopf auch darüber zerbrochen, wie sie ihrem Mann die kriminellen Vorgänge erklären soll.

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