Hilfe für junge Patienten

„Aktion Kindertraum“ erfüllt Herzenswünsche

Ihre persönlichen Helden stehen für Ute Friese fest. Es sind die Eltern schwerkranker oder behinderter Kinder, die sich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs kümmern. „Was Mütter und Väter leisten, die ein krankes Kind zu Hause haben, ist Wahnsinn. Die haben alle eine Medaille verdient“, sagt die 48-Jährige.

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Friese braucht nicht lange, um von ihrer Meinung zu überzeugen. Sie erzählt von einer Mutter, deren drei Kinder im Eis einbrachen. Eines war sofort tot, die beiden anderen lagen im Koma und dann starb auch noch der Vater. Sie erzählt von Eltern, die ihre Kinder 100 Kilometer weit fahren, damit diese an einem speziellen Rollstuhl-Tennistraining teilnehmen können. Oder von Kindern, die monatelang in der MHH-Kinderklinik auf ein Spenderorgan warten und von ihren Eltern immer wieder seelisch aufgebaut werden müssen.

Diesen Kindern und damit auch ihren Familien das Schicksal zu erleichtern, gehört für Friese heute zur alltäglichen Arbeit. Vor zwölf Jahren gründete die dunkelhaarige Lindenerin die „Aktion Kindertraum“, die schwerkranken Kindern ihre Herzenswünsche erfüllt.

Auf die Idee kam Friese aus recht pragmatischen Gründen. Die gelernte Lehrerin hatte nach dem Referendariat keine Stelle gefunden, arbeitete zehn Jahre lang für gemeinnützige Organisationen und wollte sich selbstständig machen. Sie hörte von einer Organisation „Stiftung Kindertraum“, die sich damals in Österreich gründete. „Die Idee überzeugte mich. Mein Tochter Sina war damals anderthalb. Ich dachte so etwas könnte ich auch machen – von Zuhause aus“, erzählt Friese.

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Das heimische Gästezimmer in der Herbertstraße war die Keimzelle von „Aktion Kindertraum“. Friese meisterte den schwierigen Anfang als Einzelkämpferin im ständigen Kontakt mit den österreichischen Kollegen. Ihr erster Fall war ein an Aids erkrankter Junge, der von seiner Krankheit nichts wissen durfte und sich sehnlichst einen Computer wünschte. „Ich bekam überall nur Absagen und dann endlich gab es einen Elektronikmarkt, der mir einen PC überließ“, sagt Friese. An den Jungen denkt sie oft zurück. „Dadurch, dass das alles anonym ablaufen musste, habe ich ihn nie kennengelernt. Der könnte mich umrennen, und ich würde ihn nicht erkennen“, sagt sie nachdenklich.

Heute arbeiten fünf hauptamtliche und drei ehrenamtliche Mitarbeiter für die „Aktion Kindertraum“. Es gibt ein offizielles Büro am Pfarrlandplatz 3 in Linden, das gerade erweitert und in bunten, fröhlichen Farben gestrichen worden ist. Mehr als tausend Wünsche haben Friese und ihre Kolleginnen erfüllt, der aktuelle Fall auf ihrem Schreibtisch trägt die Nummer 1101. Nicht nur Eltern, auch Ärzte, Krankenpfleger, Psychologen und Sozialarbeiter wenden sich an die bundesweit tätige Organisation.

Die Sehnsüchte der Kinder sind so unterschiedlich wie sie selbst. Häufig wünschen sie sich Laptops oder Spielkonsolen, weil sie ans Bett oder Sofa gefesselt sind. Manchmal reicht schon ein großer Spongebob zum Kuscheln, weil viele Eltern mit dem Geld für Therapien und ärztlichen Zuzahlungen so belastet sind, dass selbst für Kleinigkeiten kaum Geld bleibt. Ballonfahrten, Eurodisney und Reittherapien gehören zu den Klassikern. Und manchmal geht es gar nicht in erster Linie ums Geld, sondern um organisatorische Leistungen. Einer 17-Jährigen ermöglichten die Frauen von „Aktion Kindertraum“ ein Treffen mit den Backstreet Boys, einem kleinen Mädchen ein dreitägiges Prinzessinnenfest auf einer echten Burg, Hofstaat inklusive. Ein Junge unternahm einen Flug mit einem Polizeihubschrauber und Innenminister Uwe Schünemann.

Für die Mitarbeiterinnen ist die „Aktion Kindertraum“ ein Fulltime-Job, der keine Bürozeiten kennt. Sie sind fast jedes Wochenende unterwegs auf Messen, Festen und karitativen Veranstaltungen, um für ihr Anliegen zu werben. Nicht nur Firmen spenden, sondern auch Privatpersonen, freut sich Friese und ergänzt: „Aber dafür muss man ständig am Ball blieben.“

Ein Wunsch liegt Friese selbst am Herzen. Sie möchte Eltern und Kinder ermutigen, sich zu melden. „Viele leisten Beachtliches und haben trotz ihres schweren Schicksals Hemmungen, auf sich aufmerksam zu machen. Sie denken, dass es anderen Kindern noch schlechter geht und wollen sich nicht als Bittsteller fühlen.“

Aktion Kindertraum, Pfarrlandplatz 3, 30451 Hannover; Telefon: (0511) 21 10 215; www.aktion-kindertraum.de

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Julia Pennigsdorf

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