Wunstorf

Anlieger moniert Splitt vor der Badeinsel

Es knirscht mächtig am Fischerweg: Die Stadt hat die Straße splitten lassen.

Es knirscht mächtig am Fischerweg: Die Stadt hat die Straße splitten lassen.

Steinhude. Muss das denn ausgerechnet jetzt sein? Der Anlieger aus Steinhude, dessen Name nicht genannt sein soll, klingt erbost am Telefon. Er wohnt im Karree Lindenhopsweg, Fischerstraße, Föhrenkamp. Am Mittwoch hat die Stadt vor seiner Haustür Straßen gesplittet. „Das wird doch gar nicht fest bei der Hitze, und den Leuten klebt das Zeug unter den Füßen“, meint er. Er hat Ortsbürgermeister Wilhelm Bredthauer eingeschaltet. Der Vorgang sei eine „Unverschämtheit“.

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„Ich bezweifle ja gar nicht, dass das gemacht werden muss“, sagt der Mann, „aber warum jetzt?“ Mit jetzt meint er: Hauptsaison auf der Badeinsel, 40 Grad Asphalttemperatur. Die frisch sanierten Straßen Am Gosebrinke und Fischerweg zählen zu den Hauptzufahrtsstraßen zur Badeinsel. Weil der Parkplatz am Ende des Lindenhopsweges nicht ausreicht, kurven viele Gäste durch die Anliegerstraße, parken weiter entfernt und laufen den Weg zur Insel zu Fuß, „und zurück zum Auto dann meistens barfuß“, sagt der Steinhuder.

Andere kommen per Fahrrad. So wie Wolfgang Sievers aus Hannover am Mittwoch. Bis zum Fischerweg hat es sein Hinterreifen geschafft. Danach half nur noch flicken. Er stellt sein Rad in einer Hofeinfahrt auf den Kopf und repariert den Schaden. „Ich wusste gar nicht, dass man heute überhaupt noch splittet“, sagt seine Begleiterin erstaunt, nimmt den Platten aber gelassen. Das Flickzeug ist gut sortiert.

Doch, man splittet noch. 30 Straßendecken repariert die Stadt mit Bitumen und Splitt in diesem Jahr. Es ist eine sehr kostengünstige Art, eine Straßendecke zu erhalten. Das anfangs flüssige Bitumen dient als Ausgleichsmasse für kleine Mulden und Risse. Es ist außerdem der Klebstoff für den Splitt. Die Schicht wird gewalzt und nach dem Abkühlen dem Verkehr übergeben. Je mehr Autos fahren, desto schneller drücken sich die groben Splitter tief in das Bitumen. Oben lagern sich die feinen Teile ab und bilden am Ende die fast glatte Deckschicht. Aber das dauert.

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Was der Steinhuder moniert, kann die Stadt zwar nachvollziehen. „Wir wollten auch niemandem das Badevergnügen vermiesen“, sagt Stadtsprecher Alexander Stockum. Es sei nur so: Die Maschine zum Walzen und Splitten sei geliehen. Die Stadt versuche während der Leihzeit, möglichst alle 30 Straßen zu reparieren. Man habe außerdem die Ferienzeit dafür ausgesucht, weil es in der Regel weniger Verkehrsteilnehmer belästigt, als in der Schulzeit. 116 Straßen habe die Stadt in den vergangenen drei Jahren mit dieser Methode wieder flott gemacht, „und bisher gab es keine Beschwerden“, sagt Stockum. Mag sein, denkt der Steinhuder, weil das ja auch keine Menschen betraf, die in Badelatschen von der Badeinsel zum Auto laufen und sich den Splitt vor dem Einsteigen wieder abpulen müssen. Richtig, sagt die Stadt, „aber wann sollen wir es denn sonst machen? Die Straßen müssen dafür zwingend trocken sein.“ Und trockener als jetzt geht’s kaum. Kleiner Trost: In Steinhude waren das die beiden einzigen Straßen.

Von Markus Holz

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