Neustadt

Bald sollen muslimische Bestattungen möglich sein

Das muslimische Gräberfeld liegt am südwestlichen Ende des Friedhofs Lüningsburg. Gemeindevorsteher Asim Demir zeigt die Steine, auf denen die Toten aufgebahrt werden.

Das muslimische Gräberfeld liegt am südwestlichen Ende des Friedhofs Lüningsburg. Gemeindevorsteher Asim Demir zeigt die Steine, auf denen die Toten aufgebahrt werden.

Neustadt. Die Stadt kann bald einen wichtigen Schritt zur Integration tun: Künftig sollen auch muslimische Bestattungen auf dem Friedhof Lüningsburg möglich sein. Wenn der Rat zustimmt, könnten ab Spätsommer die Voraussetzungen geschaffen sein. Ein Gräberfeld auf dem Friedhof Lüningsburg ist schon ausgewählt und mit einem steinernen Tisch ausgestattet, auf dem die Toten für die Trauerfeier aufgebahrt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Asim Demir, der neue Vorsitzende der muslimischen Gemeinde in Neustadt, erklärt, worauf es dabei ankommt: „Die Toten werden zuerst gewaschen, dann in ein weißes Tuch gehüllt“, sagt er. Ein Sarg werde nur zum Transport genutzt, für die Bestattung selbst werde der Leichnam auf eine Bahre gelegt. Für ein letztes Gebet wird der oder die Verstorbene dann noch einmal auf einem steinernen Tisch aufgebahrt, die Trauergemeinde spricht Gebete. Das Grab soll so ausgerichtet sein, dass der Tote mit dem Kopf in Richtung Mekka liegt. Es ist üblich, dass alle Männer helfen, den Leichnam ins Grab zu legen und das Grab zu schließen.

Das muslimische Gräberfeld liegt am südwestlichen Ende des Friedhofs Lüningsburg

Das muslimische Gräberfeld liegt am südwestlichen Ende des Friedhofs Lüningsburg. Die Wasserstelle sei wichtig, sagt Gemeindevorsteher Asim Demir.

Eigentlich gehört zum muslimischen Ritus auch, dass die Toten auf ewig in ihren Grabstätten ruhen. Auf dieses Detail habe man mit Rücksicht auf die hier übliche Vorgehensweise verzichtet, sagt Demir. „Man kann nach den 30 Jahren Liegezeit nochmal verlängern – wir werden sehen, wie die Leute das hier handhaben“, sagt Demir. Aus Rücksicht auf die deutschen Nachbarn habe man auch eine hintere Ecke des Friedhofs für das Gräberfeld ausgesucht. „Wir wollen nicht, dass sich hier jemand gestört fühlt, der unsere Art der Bestattung nicht gewöhnt ist“, sagt er.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Viele Mitglieder der Gemeinde seien erfreut, dass sie bald auch hier Gräber anlegen können. „Mein Onkel ist nach seinem Tod noch in die Türkei überführt worden“, sagt Demir. Doch viele Familien hätten ihre Gräber lieber in der Nähe – inzwischen gebe es ja auch Mischehen und viele Leute, die sich in Neustadt tief verwurzelt fühlen. „Auch bei uns ist es üblich, seine Toten zu besuchen, vielleicht an Feiertagen mal ein Gebet am Grab zu sprechen“, sagt der Gemeindevorsteher.

Für die speziellen Beerdigungsrituale werden die Muslime einer neuen Drucksache der Verwaltung zufolge etwas tiefer in die Tasche greifen müssen als bei einer hier üblichen Sargbestattung. Dass alle Trauergäste helfen, das Grab zu schließen, bedeute für die Friedhofsgärtner einen Mehraufwand, für den bei einem Erwachsenen 144 Euro mehr fällig werden, bei einem Kindergrab 82 Euro. Mit der Drucksache befasst sich der Verwaltungsausschuss am 23. April, der Rat am 3. Mai.

Zur Person: Ruhiger Vertreter an Spitze der Gemeinde

Seit Jahresbeginn hat Asim Demir das Amt des Gemeindevorstehers in der muslimischen Gemeinde Neustadt übernommen. Zuvor hatte er seinen Vorgänger Murat Köse bereits seit Jahren bei dessen Vorstandsarbeit unterstützt, hat beispielsweise auch Anstrich und Ausschmückung der Fassade begleitet. 

Die Gemeinde ist zuständig für rund 150 türkischen Familien in Neustadt, hat inzwischen weitere Mitglieder, die aus dem ehemaligen Jugoslawien oder arabischen Ländern eingewandert sind. „Das mögen vielleicht 400 oder 500 Leute sein“, sagt Demir. Wie bei den christlichen Nachbarn, kommen längst nicht alle regelmäßig zum Beten. „An Festtagen kommen vielleicht mal 200, das ist dann viel“, sagt Demir. Er hat eine ruhige, überlegte Ausstrahlung, hält sich im Gespräch mit Urteilen oder politischen Aussagen zurück. „Klar, ich gehe wählen“, sagt er, „und weil ich die doppelte Staatsbürgerschaft habe, auch bei den Wahlen für die Türkei, das ist doch wichtig.“

Demir hat noch ein Standbein in Hannover, wie er sagt. Dort habe er lange selbstständig gearbeitet, sei nun bei einer Hausverwaltung tätig. Nach Neustadt kam er 1983 als kleines Kind aus der Türkei, besuchte die KGS. Der Vater sei damals vorgegangen, habe die Familie dann nachgeholt. göt

Von Kathrin Götze

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken