Middendorf verurteilt

Bewährungsstrafe für Ex-Herrenhäuser-Chef

Foto: Manfred Middendorf (li.), ehemaliger Chef der Brauerei "Herrenhäuser", ist am Montag zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Manfred Middendorf (li.), ehemaliger Chef der Brauerei "Herrenhäuser", ist am Montag zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Hildesheim. Der ehemalige Chef der Herrenhäuser Brauerei, Manfred Middendorff, ist gestern am Landgericht Hildesheim zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung und einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt worden. Die 4. Große Wirtschaftsstrafkammer unter Vorsitz von Barbara Heidner sah es als erwiesen an, dass sich der 54-Jährige in den Jahren 2008 bis 2010 des vorsätzlichen Bankrotts in sieben Fällen, der Insolvenzverschleppung in fünf Fällen und des Betrugs in sieben Fällen schuldig gemacht hat.

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Am schwersten wog für die Kammer der Versuch Middendorffs, die Markenrechte der Brauerei im Jahr 2008 auf eine Privatgesellschaft zu übertragen, der seine Frau und sein Sohn vorstanden; die Ermittlungen gegen diese beiden wurden später eingestellt. Den Wert der Markenrechte bezifferte das Gericht mit 750 000 bis 803 000 Euro. Der Versuch des Firmeninhabers, diese von ihm auf nur auf 200 000 bis 500 000 Euro taxierten Rechte per Scheinvertrag auf das Jahr 2000 zurückzudatieren und damit der Insolvenzmasse zu entziehen, nannte Richterin Heidner in ihrer Urteilsbegründung „ausgesprochen dilettantisch“. So tauchte in der von Middendorff gefälschten Liste auch „Hannovers Stolz“ auf – ein Exportbier, das erst 2007 auf den Markt kam. Immerhin wurde der Schaden dieser „Privatisierung“ nie realisiert, da die Markenrechte 2010 an die Brauerei rückübertragen wurden.

Der Versuch der Anklage, Middendorff ins Gefängnis zu schicken – die Staatsanwältin hatte zweieinhalb Jahre Haft gefordert – scheiterte mit dem gestrigen Tag. Die Richterin hob hervor, dass der ehemalige Brauereibesitzer sein Unternehmen verloren und Privatinsolvenz angemeldet habe. Auch sei strafmildernd zu berücksichtigen, dass der 54-Jährige ein Geständnis abgelegt habe, das sich in den weitaus meisten Punkten mit den Ergebnissen der umfangreichen Beweisaufnahme gedeckt habe.

Manfred Middendorff hatte das 1868 gegründete Familienunternehmen in fünfter Generation geführt. Die wirtschaftlichen Probleme hätten, so Heidner, spätestens in den neunziger Jahren begonnen. Die Gründe: Hohe Pensionsverpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern, Steuerschulden in Höhe von 14 Millionen Euro nach einem verlorenen Finanzgerichtsprozess, gestiegene Rohstoff- und Energiepreise sowie sinkende Umsatzzahlen. Ab 2008 befand sich die Brauerei so weit in Schieflage, dass sie mit etlichen Millionen Euro bei Banken und Stadt, Hauptzollamt, Stadtwerken und privaten Gläubigern in der Kreide stand. Spätestens 2009 war das Traditionsunternehmen zahlungsunfähig. Die Belegschaft wurde mit Verzögerung oder gar nicht mehr entlohnt, Lieferanten wurden getäuscht und nicht mehr bezahlt.

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Im April 2010 meldete die Brauerei Insolvenz an, im Herbst 2010 bekam die Wittinger Brauerei aus der Südheide vom Insolvenzverwalter den Zuschlag, den Betrieb aus Herrenhausen übernehmen zu dürfen. Wie Heidner erläuterte, können die Gläubiger damit rechnen, noch bis zu 33 Prozent ihrer Forderungen erstattet zu bekommen.

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