Soldaten aus Afghanistan

Bundeswehr-Heimkehrer kommen erstmals im Touristenterminal an

Hannover. Es sollte alles ganz normal sein bei diesem Flug, der am frühen Mittwochabend aus Termez in Usbekistan landete. Keine Extraabfertigung im abgeschotteten Terminal D, kein verstecktes Wiedersehen mit Angehörigen, wie es so oft war, wenn Soldaten nach langen Monaten aus dem Afghanistankrieg zurückkehrten. Sie kamen nach Hause, aber sie wurden versteckt. So sah es die Bundeswehr, und so wird es seit Mittwoch nicht mehr sein.

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Der Airbus landete zwischen den Maschinen aus Mallorca, aus München und aus Moskau, eine Maschine unter vielen im Luftverkehr, wenngleich auf der Anzeigentafel nicht annonciert. Und so kam es, dass 82 braun gebrannnte Männer in Uniformen und manche mit Rucksäcken bis hoch über ihre Köpfe zwischen Urlaubern in Flip-Flops und Rollis am Gepäckband warteten. Auf der anderen Seite der Glasscheibe des Touristenterminals C warteten schon Freunde und Familien. Manche mit Plakaten, zu Herzen geformten Luftballons, einige brachten einfach sich selbst und ihre stille Freude mit.

Für Erik, den 21 Jahre alten Stabsgefreiten mit blondem Haar und dichtem Bart, sollte es ein besonderes Wiedersehen geben. Vater Karsten, Schwester Nicole und Nichte Emily, fast zwei Jahre alt, rollten ein Willkommenstransparent aus, auf T-Shirts drückten sie ihren „Stolz“ auf den Soldaten aus. Die Familie hatte häufig Kontakt, man schickte SMS von Afghanistan nach Deutschland, über Videotelefonie behielt man sich im Blick. „Erik wusste, welches Risiko er eingeht, wir wussten es auch“, sagt sein Vater. Aber nach den jüngsten Anschlägen sei die Sorge schlimmer geworden.

Regelmäßige öffentliche Empfänge von Heimkehrern geplant

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„Sehr emotional“ sei die Zeit gewesen, erinnert sich die 26-jährige Nicole. Als sie ihren kleinen Bruder schließlich sieht, hüpft sie mit einem kleinen Kiekser schnell zur Glasscheibe. Erik mag später nicht viel sagen über seine Zeit. „Ich hatte keine Erwartung, wir wurden vorbereitet auf den Einsatz, aber dann war doch alles ganz anders, die Leute, das Klima.“ Der junge Mann hatte Glück, in Gefechte war er nicht verwickelt; aber auch er musste erleben, wie ein Soldat ums Leben kam.

Die Bundeswehr will Heimkehrer nun regelmäßig öffentlich empfangen. „Unsere Kameraden haben es verdient, dass sie wahrgenommen werden“, sagte Oberstleutnant Knut Freter am Flughafen. Jeder einzelne Soldat wurde beklatscht von den Angehörigen anderer Männer, wenn sie die Schranke des Terminals hinter sich ließen. Frauen strichen liebevoll über Glatzen, manche weinten ein bisschen, und wer von einem Kommando seines Standorts abgeholt wurde, war nicht unbedingt zum Plaudern aufgelegt. „Anstrengend war’s, Alter, hör auf“, antwortete ein Soldat, und sein Lächeln dazu war kein Strahlendes.

Eine Studie der Technischen Universität Dresden hat jüngst ergeben, dass Hunderte von Afghanistan-Heimkehrern mit einer posttraumatischen Belastungsstörung vom Auslandseinsatz zurückkommen. 2009 waren es zwei Prozent aller eingesetzten Soldaten, besonders diejenigen, die in Gefechte und Anschläge verwickelt waren. Auch Ängste und Erschöpfungszustände könnten Folgen solcher Einsätze sein. Freter sagte, die Bundeswehr biete professionelle Hilfe an. Verteidigungsminister Thomas de Maizière erklärte dieser Tage in einem Zeitungsinterview, zum Aufgabenspektrum der Bundeswehr zählten Auslandseinsätze, „Töten und Sterben gehören dazu“.

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