HAZ-Leser haben ihren Test beendet

Das Hybridauto war ein Traum – und wird es wohl auch bleiben

Eine Woche lang waren sie im Passat GTE unterwegs: Julius Herzig (l.), Eva Herzig (2.v.l) und Guido Heidloff-Herzig (r.) Michael Veit (2.v.r.) hatte ihnen den Testwagen nach Gehrden gebracht.

Eine Woche lang waren sie im Passat GTE unterwegs: Julius Herzig (l.), Eva Herzig (2.v.l) und Guido Heidloff-Herzig (r.) Michael Veit (2.v.r.) hatte ihnen den Testwagen nach Gehrden gebracht.

Gehrden. „Man will nicht, dass der Motor anspringt, also versucht man so sparsam und so lange wie möglich im Elektromodus zu fahren.“ Eva Herzig (47) spricht von dem Plug-in-Hybrid, den sie und ihr Ehemann Guido Heidloff-Herzig (47) eine Woche lang getestet haben. Die an der Musikhochschule tätigen Dozenten waren beim großen Lesertest des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) für die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) an den Start gegangen. Knapp 1000 Kilometer fuhren sie in dieser Zeit, nutzten den VW Passat GTE für den Verwandtschaftsbesuch im Münsterland, für die Strecke von ihrem Häuschen in Gehrden zum Arbeitsplatz in Hannover sowie für etliche Besorgungen in der Region. Unter dem Strich bescherte die betont behutsame Fahrweise den HAZ-Autotestern einen Durchschnittsverbrauch von 6,3 Litern auf 100 Kilometer, wie der Musiktheorie-Professor ausgerechnet hat: „Fünf Liter Benzin und 6,6 Kilowattstunden auf 100 Kilometer.“

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Letztendlich waren es vier Test-Kategorien, die dem Ehepaar wichtig waren: Wie fährt sich das Auto, wie bewährt sich der doppelte Antrieb in der Praxis, wie ökologisch ist der Wagen und wie wirtschaftlich ist das Ganze. Ihr Fazit: Das Fahren ist fantastisch, das Stromtanken nützt – wenn die Energie aus erneuerbaren Energien stammt – der Umwelt, doch rechnen tut sich der Plug-in für die Familie nicht – die Anschaffungskosten für ein derartiges Fahrzeug sind ihr einfach zu hoch.

Brummton zugeschaltet

Rekapitulieren die Gehrdener das Fahren des Passat GTE im Elektro-Modus, kommen beide ins Schwärmen. „Der Wagen ist so leise, dass ich meiner Mutter einmal fast über den Fuß gerollt wäre“, erzählt Heidloff-Herzig mit einem Lachen. Später entdeckte der 47-Jährige, dass man per Knopfdruck einen tiefen Brummton dazuschalten kann, der die Menschen in der Umgebung – bei niedriger Geschwindigkeit – vor dem Nahen des Flüster-Hybrids warnt. Eva Herzig empfindet es als erstaunlich, wie sich das Gleiten beim Stromern auf ihr Gesamtbefinden auswirkte: „Das Ganze hat etwas Beruhigendes, wir waren deutlich stressfreier unterwegs als mit unserem alten Passat.“

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Hilfreich empfand das Paar in diesem Zusammenhang die Assistenzsysteme. Der Tempomat mit Abstandskontrolle, der Spurhalteassistent oder das Head-up-Display mit den wichtigsten Fahr- und Umgebungsdaten im unmittelbaren Sichtfeld hätten das Reisen wesentlich erleichtert, auch das lästige Stop-and-Go im Stau sei mithilfe der elektronischen Helfer wesentlich leichter zu ertragen gewesen. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kamen die beiden auch mit den verschiedenen Einstellmöglichkeiten zwischen Verbrennungsmotor und Stromantrieb zurecht, variierten zwischen dem Aufladen des Akkus während der Fahrt, der Hybrid-Automatik, dem Halten des Akkufüllstands und dem puren Elektrobetrieb. Schlussendlich zollten die Tester der „ausgeklügelten Software“ und dem „cleveren Auto“ Respekt.

Strom ist kaum billiger

„Meinen Berechnungen nach zieht das Aufladen des 9,9-kWh-Akkus während der Fahrt einen Mehrverbrauch von zwei Litern pro 100 Kilometer nach sich“, erläutert der 47-Jährige. Das Aufladen an der heimischen Garagensteckdose, das pro Vollaufladung gut vier Stunden dauerte, koste ihn bei einem Kilowattstundenpreis von 25 Cent 2,50 Euro. „Zwei Liter Benzin bekommt man derzeit für 2,80 Euro, also ist der über die heimische Steckdose geladene Strom kaum billiger als eine Aufladung während der Fahrt.“ Ein großer Vorteil sei, dass man mit dem Hybrid variieren könne: Auf Überlandstrecken fährt man per Verbrenner, in schadstoffbelasteten Städten mit E-Antrieb.

Was die HAZ-Autotester zumindest zum Tanken von Strom nicht nutzen konnten, war die Charge&Fuel-Karte, die ihnen VW zur Verfügung gestellt hatte. Die an dieses System angeschlossenen Ladesäulen in Hannover oder Garbsen waren weit weg, die nächstgelegene in Springe hatte ihren Dienst in der Testwoche eingestellt. Hier wären Tankkarten verschiedener Anbieter sicher hilfreich gewesen. „Der Stromanschluss daheim ist halt total wichtig“, schlussfolgert Eva Herzig.

Hybrid ade

Hybrid ade: Eva Herzig und Guido Heidloff-Herzig gehen jetzt wieder mit ihrem Passat Baujahr 2004 auf Reisen.

Als ernüchternd empfand ihr Mann die Reichweite des Passat im reinen Elektromodus: Statt der versprochenen 50 Kilometer schaffte der knapp 1,8 Tonnen schwere Wagen nur 30. „Dabei haben Verbraucher wie Heizung, Scheibenwischer oder Licht eine untergeordnete Rolle gespielt“, so Heidloff-Herzig, „viel entscheidender war, wie oft das Auto nach einem Halt an der Ampel oder im Stau wieder anfahren musste.“ Dabei sei die Strom-Verbrauchsanzeige regelrecht in die Höhe geschossen.

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Und wird das nächste Auto der Gehrdener ein Plug-in-Hybrid? „Wir kaufen uns immer nur gebrauchte Autos, aber auch in diesem Sektor ist ein Hybrid noch deutlich teurer als ein Benziner“, zeigt sich Heidloff-Herzig skeptisch. Zudem empfände er es angesichts des Nutzungsverhaltens seiner Familie als sinnvoll, wenn der Akku eine doppelt so hohe Kapazität hätte wie im Passat. Doch trotz aller Einschränkungen bleibt Eva Herzig die Testwoche in bester Erinnerung: „Die Fortbewegung in diesem Wagen war ein Traum, wir konnten beim Fahren mit E-Antrieb sogar klassische Musik hören.“

Der große Abschlussbericht des Lesertests, in den die Erfahrungen aller zehn Hybrid-Tester aus den RND-Partnerzeitungen einfließen, wird am 15. Dezember im „Sonntag“ – der Wochenendbeilage der HAZ – veröffentlicht.

Von Michael Zgoll

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