Spheronkamera

Der Tatort entsteht am Computer

Die Lage ist unübersichtlich. Auf dem Boden sind Zeitschriften und Geschirr verteilt. Links neben dem Sofa liegt ein Hammer, daneben die leblose Frau. Die orangefarbenen Blutspuren an ihrem steifen Hals lassen keinen Zweifel: Die Tote ist eine Puppe.

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„Wir haben diesen Tatort nachgestellt. Er könnte in der Realität aber so aussehen“, sagt Kriminalkommissarin Nina Graupner. Am Sonntag – die Polizeidirektion Hannover hatte zum Tag der offenen Tür eingeladen – stellte die 33-Jährige der Öffentlichkeit erstmals die neuste technische Errungenschaft der Polizei Hannover vor: eine sogenannte Spheronkamera. Mit dem rund 80.000 Euro teuren Gerät lassen sich Tatorte virtuell nachbauen. Erst seit wenigen Wochen ist es bei den hannoverschen Ermittlern im Einsatz.

Die hochauflösende Kamera erkennt nicht nur kleinste Details. Während der Aufnahme dreht sie sich langsam um ihre eigene Achse, horizontal und vertikal. „Sie liefert ein vollsphärisches Tatortdokument“, sagt Kriminalkommissarin Graupner. Innerhalb von Minuten fügt die Kamera Tausende Bilder zusammen und erfasst so den Raum in seiner dreidimensionalen Gesamtheit. Die zerbrochene Brille auf dem Fußboden, die Stecknadel im Regal, kein Detail geht verloren. „Mit einer speziellen Software können wir den Tatort am Computer originalgetreu nachbauen und uns darin wie in einem Raum bewegen“, sagt Graupner. Die Tatortbegehung mit dem Notebook mutet fast ein bisschen an wie ein Computerspiel. Der Betrachter wandelt auf den Spuren des Täters, nimmt seine Perspektive ein.

„Wir können die unterschiedlichsten Szenarien immer wieder durchspielen. Das ist wichtig, um auf Ansätze zu stoßen, die nicht gleich offensichtlich sind“, sagt Graupner. Der entscheidende Pluspunkt der neuen Technik sei, dass – anders als an einem echten Tatort – an seinem Abbild keine Spuren zerstört werden können. Die Ermittler hoffen, durch die neue Technik eine Menge Zeit sparen zu können. „Es werden nicht mehr so viele Außentermine notwendig sein“, sagt Graupner. Momentan geht die gewonnene Zeit allerdings an anderer Stelle wieder verloren. „Die Kamera liefert nur die Daten. Daraus am Computer einen Tatort zu basteln, ist anspruchsvoll und neu für uns“, sagt die Kriminalkommissarin.

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Die Sisyphusarbeit der Spurensicherer kann die Spheronkamera allerdings nicht ersetzen. Auch in Zukunft müssen die Ermittler Fingerabdrücke mit Rußpulver sichtbar machen und mit speziellem Licht nach winzigen Blutspuren suchen. Erst wenn das geschehen ist, kommt die moderne Technik ins Spiel.

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