Ein Besuch beim DHL-Paketzentrum Anderten

Die Weihnachtsmacher

Foto: Wie ein großes Autobahnkreuz: Pakete huschen im DHL-Paketzentrum auf Holztellern aneinander vorbei, die wiederum auf Fließbänder montiert sind.

Wie ein großes Autobahnkreuz: Pakete huschen im DHL-Paketzentrum auf Holztellern aneinander vorbei, die wiederum auf Fließbänder montiert sind.

Hannover. Wer auf der Laufbrücke im DHL-Paketzentrum Anderten der Deutschen Post steht, dem kommt es so vor, als blicke er von oben auf ein großes Autobahnkreuz. Unter und neben einem huschen Pakete auf Holztellern vorbei, die wiederum auf Fließbänder montiert sind. Ab und an kippt ein Holzteller sein Paket ab, es nimmt dann einen anderen Weg auf einem anderen Band. Am Ende seiner Reise rutscht jedes Paket eine Rampe hinunter. Jede Rampe steht vor einem Tor, vor jedem Tor steht frühmorgens ein Paketauto, das beladen werden will. Insgesamt misst die Fließbandstrecke in den Hallen 3,7 Kilometer. „In der Regel dauert es drei, höchstens zwölf Minuten, bis ein Paket von der Anlieferung zur Ausgabe für die Zustellung gelaufen ist“, sagt Betriebsleiter Bodo Kaufeld. Auf dem Weg dorthin hat es kein Mensch angefasst, den Lauf der Pakete steuern Computer und Lesegeräte. Im Sommer hat die Post hier neue Software und neue Motoren für die Bänder einbauen lassen. Statt bis zu 22  000 können nun 28 000 Pakete in der Stunde durch die Halle flitzen.

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Der Druck aufs Tempo war auch nötig – vor Weihnachten purzeln bei der Post sämtliche Rekorde im Paketbereich. Treiber ist der Onlinehandel und die mit ihm verbundene Tendenz, auch die Geschenke für die Liebsten nicht mehr im Kaufhaus oder beim Einzelhändler zu ordern, sondern im Internet. „Schon vergangenes Jahr hatten wir mit sieben Millionen Paketen täglich in der Woche vor Weihnachten einen Rekord. In diesem Jahr rechnen wir mit acht Millionen“, sagt Post-Sprecher Jens-Uwe Hogardt. Zu normalen Zeiten sind es drei Millionen. Dabei gibt es fast nichts, was nicht bestellt wird. „Wir transportieren auch Hundefutter, Rindenmulch oder Mülltonnen“, berichtet Kaufeld. Anspruch der Post ist es, dass 98 von 100 Paketen spätestens 24 Stunden nach Abgabe beim Empfänger ankommen.

Das DHL-Zentrum in Anderten ist eine der bundesweit 33 Drehscheiben, mit deren Hilfe die Post die Paketströme durch das Bundesgebiet lenkt. An ihm dran hängt noch eine Zustellbasis, also die Stelle, an der die Auslieferer die nach Zustellbezirken sortierten Pakete von den Rampen nehmen und in die Autos packen. Von Anderten aus werden Hannovers östliche Stadtteile, die Innenstadt, Lehrte und Laatzen beliefert. Im Paketzentrum läuft in der Nacht bis 7 Uhr die Bearbeitung eingehender Sendungen, die dann an die Kunden verteilt werden. Zwischen 12 und 20.45 Uhr sausen dann die Pakete über die Bänder, die die Boten in den Packstationen eingesammelt haben oder die die Kunden in den Filialen abgegeben haben.

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Auf den letzten Drücker

Es gibt unter Weihnachtseinkäufern grob gesagt zwei gegensätzliche Typen. Die einen denken schon während des Strandurlaubs an Weihnachten, überlegen sich, wer mit was beschenkt werden sollte und haben ihre Einkäufe spätestens Ende September erledigt. Den anderen fällt am 23. Dezember auf, dass ein Fest ansteht und dass gewisse Rituale zu berücksichtigen sind. Früher hetzten diese Menschen am Vormittag des Heiligen Abends durch die Innenstädte, heute durchforsten sie Internetseiten, drücken den Bestellknopf und hoffen, dass die Post den Rest schon irgendwie erledigen wird. Vieles geht, alles nicht. Wer sicher sein will, dass der Empfänger sein Paket am 24. Dezember in den Händen hält, muss es bis zum 23. Dezember, 10 Uhr, aufgegeben haben. Wohnt der Beschenkte im EU-Ausland, läuft die Frist am 17. Dezember ab. Für Säumige gibt es noch den Express-Versand, aber der ist teurer. Für ein Paket nimmt die Post bei dieser Variante mindestens 23,50 Euro. Ausdrücklich weist die Post darauf hin, dass Pakete sicher gepackt sein müssen. Geschenkpapier und Schleifchen seien hinderlich. Es hat also in mehrfacher Hinsicht was für sich, Weihnachtsgeschenke persönlich zu überreichen. se

Ohne ausgeklügelte Logistik wäre der Paketverkehr, an dem die Post nach eigenen Angaben einen Anteil von 40 Prozent hat und damit Marktführer ist, nicht zu bewältigen. Aber im Vorweihnachtsgeschäft reichen perfektionierte Abläufe allein nicht mehr aus. „Für uns beginnt die Weihnachtsplanung schon im Sommer“, sagt Lars Borne, Leiter der Paketzustellung in Anderten. Das Unternehmen verkleinert Anfang Dezember die Zustellbezirke, damit die Paketboten ihre Schicht überhaupt noch bewältigen können. Hängen an Anderten normalerweise 65 Bezirke, sind es in der letzten Woche vor dem Fest 110. Dafür muss Personal her, die Belegschaft wird um 30 Prozent aufgestockt. „Der Job ist bei Studenten beliebt“, sagt Borne. Das Anforderungsprofil klingt sportlich: Zusteller sollten drahtig, wendig, ausdauernd und kommunikativ sein. Alles weitere lässt sich in einem zweiwöchigen Schnellkursus lernen. Und schließlich freuen sich auch Hannovers Autovermieter über das Paketgeschäft – in den Wochen vor Weihnachten müssen Leihfahrzeuge angemietet werden.

Und Weihnachten 2014? Der Trend zur Bestell- und Versandgesellschaft dürfte in Deutschland noch zunehmen, da sind sich die Konsumforscher einig. Der Internethandel hat derzeit einen Anteil von zehn Prozent am gesamten Einzelhandel. Diese Marke soll sich Prognosen zufolge in absehbarer Zeit verdoppeln. „Der Onlinehandel von frischen Lebensmitteln steckt noch in den Kinderschuhen. Keiner weiß, wie sich das entwickelt“, sagt Borne. Treffen die Vorhersagen ein, würde das die Kapazität der Paketzentren sprengen – auch in Anderten. Die Post will deswegen erweitern und auf einem Nachbargrundstück eine zweite Zustellbasis bauen. „Außerdem benötigen wir einen weiteren Standort in der Region“, sagt Sprecher Hogardt. Auch anderweitig reagiert die Post: Sie richtet in Einzelhandelsgeschäften oder Kiosken Annahmestellen ein; in Hannover gibt es bereits 130 der sogenannten Paketshops.

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