Zu viel Wasserstoffperoxid

Drei Wochen Juckreiz nach Blondierung

Foto: Wer schön sein will, muss beim Friseur auch mal was ertragen: Im Fall einer 24-jährigen Hannoveranerin wurde die Schmerzgrenze aber überschritten.

Wer schön sein will, muss beim Friseur auch mal was ertragen (Symbolfoto): Im Fall einer 24-jährigen Hannoveranerin wurde die Schmerzgrenze aber überschritten.

Hannover. Nach einem Friseurtermin im Juni 2012 standen der Kundin die Haare zu Berge: Sie litt unter Juckreiz, Wärmegefühl und Schmerzen. Abends suchte die 24-Jährige die ärztliche Notfallsprechstunde in der Berliner Allee auf, bekam dort Kortison verschrieben. Am Dienstag wurde im Amtsgericht Hannover über eine Klage der jungen Frau verhandelt, die vom Betreiber des Filialbetriebs am Mühlenberg 700 Euro Schmerzensgeld forderte. Mit viel gutem Zureden schaffte es Richterin Catharina Schwind schließlich, die beiden Parteien zu einem Vergleich zu bewegen: Der Chef der Friseursalonkette mit insgesamt 13 Betrieben zahlt der Klägerin 300 Euro.

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Haare schneiden, blondieren, Strähnchen färben lassen: Dieses Verschönerungsprogramm hatte die Kundin an jenem Freitagnachmittag vor knapp zwei Jahren im Kopf. Wie sie gestern schilderte, habe die Friseurin das Bleichmittel Wasserstoffperoxid aber offenbar zu hoch dosiert aufgetragen; bereits während der Behandlung seien Schmerz und Juckreiz aufgetreten. Auf ihre Beschwerde hin habe die Angestellte ihr lediglich einen Stielkamm gereicht, damit sie sich besser kratzen könne. Auch sei der Wirkstoff am Ende nicht vernünftig herausgewaschen worden.

Der Notarzt registrierte am Abend eine Verätzung der Kopfhaut und mehrere kreisrunde, offene Stellen. Im Bereich der Stirn waren die Haare spröde und aufgesplisst. Wie die 26-Jährige gestern erzählte, habe sie im Sommer 2012 noch mehr als drei Wochen unter Schmerzen und Juckreiz gelitten. Zudem habe die verhunzte Optik des Haaransatzes ihr Äußeres entstellt, was ihr zusätzlich an die Nieren gegangen sei. Erst im November, also ein knappes halbes Jahr später, seien die Haare wieder vernünftig nachgewachsen.

Der Inhaber des Geschäfts und sein Anwalt wollten von der haarigen Angelegenheit nichts wissen. Es sei nicht bewiesen, dass die junge Frau im Juni 2012 überhaupt in der Mühlenberg-Filiale auf einem Drehstuhl gesessen habe. Auch habe sie möglicherweise unter einer Allergie gelitten und deshalb vom Arzt Kortison verschrieben bekommen. Tatsächlich konnte die Kundin keine Quittung ihres Friseurbesuchs vorweisen. Und auch Fotos der Kopfhaut, die ihre Schwägerin laut ihrer Aussage mit einer Handykamera aufgenommen hatte, lagen dem Gericht nicht vor: Das Mobiltelefon wurde kurze Zeit später gestohlen.

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Reklamationen nach einer Behandlung mit Wasserstoffperoxid seien in seinen Filialen äußerst selten, sagte der Geschäftsinhaber. Normalerweise arbeiteten seine Angestellten mit einer dreiprozentigen Wirkstoffkonzentration, die völlig unbedenklich sei. Auf Nachfrage mochte er allerdings nicht ausschließen, dass einer Mitarbeiterin auch einmal ein Fehler unterlaufen könne.

Weil sich die Parteien zunächst nicht aufeinander zubewegten, malte Richterin Schwind den Teufel einer weiteren  ebenso umfangreichen wie kostspieligen Beweisaufnahme an die Wand. So könne man die damals tätige Friseurin laden, die Schwägerin, den Notarzt und auch einen Sachverständigen des Friseurhandwerks, der über Wesen und Wirkung von Wasserstoffperoxid referiert. Dieses Szenario bewegte die Streitenden schließlich dazu, einen Schnitt  zu machen – und dem 300-Euro-Vergleich zuzustimmen.

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